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Umland Entscheidung über Kita-Erweiterung vertagt
Region Umland Entscheidung über Kita-Erweiterung vertagt
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18:03 24.05.2019
Die Visualisierung zeigt aus der Vogelperspektive sowohl die Villa der Thomas-Müntzer-Kita als auch den geplanten Anbau. Quelle: Rau-Architekten
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Radebeul

Die Grundsatzentscheidung über einen Erweiterungsbau an der Kita „Thomas Müntzer“ ist vertagt. Auf Antrag von den beiden Stadtratsfraktionen SPD und Bürgerforum/Grüne wird die gesamte Thematik noch einmal in den Ausschüssen beraten. Dort sollen sowohl die Kita-Leitung als auch der Elternrat ihre Anliegen vortragen können.

Der Zuschauerrang im Ratssaal war am Mittwochabend proppenvoll. Eltern waren mit ihren Kindern gekommen, um ihre Kritik an den Erweiterungsplänen vorzutragen. „Rettet den Waldgarten“, lautet ihre Forderung, die auf einem Protestplakat zu lesen war. Die Villen-Kita an der Meißner Straße verfügt mit 62 Quadratmetern pro Kind über das größte Außengelände zum Spielen aller Kitas in der Lößnitzstadt. Im Spielbereich stehen große Bäume. Durch einen Neubau an der Ostseite wird der Außenbereich auf 41 Quadratmeter pro Kind schrumpfen. Auf dem kleineren Areal werden zudem künftig 112 Mädchen und Jungen und damit 42 mehr als jetzt spielen. Für den Anbau werden einige der großen Schattenspender gefällt. Der Waldgarten geht verloren, befürchten etliche Eltern.

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Die Stadtverwaltung plant die Erweiterung der Thomas-Müntzer-Kita, weil bis Herbst 2021 die Kita „Harmoniestraße“ abgerissen werden muss. Sie weicht dem Neubau der Oberschule Kötzschenbroda und die Kinder von dort benötigen ein neues Domizil. Die Stadtverwaltung hat eine Machbarkeitsstudie mit mehreren Varianten für einen Anbau an die Villa an der Meißner Straße in Auftrag gegeben. Weil das Gebäude samt Park unter Denkmalschutz steht, benötigte sie eine Stellungnahme der zuständigen Behörde. Mit Schreiben vom 21. März 2019 liegt sie vor. Aus Sicht der Denkmalpfleger kommt nur Variante 2a, ein von der Villa versetzt stehender Erweiterungsbau auf der Ostseite des Grundstücks, in Frage.

Nach dem die Stellungnahme vorlag, ging die Verwaltung mit dem Thema in die Stadtratsgremien. Die letzte Vorberatung fand im Bauausschuss am 7. Mai 2019 statt. Danach informierte die Verwaltung die Eltern der Kita-Kinder – 14 Tage vor der Stadtratssitzung.

Der kurze Zeitraum zwischen dem Infoschreiben aus dem Rathaus und der geplanten Beschlussfassung stieß bei der Elternschaft auf Kritik. „Wir als betroffene Eltern wurden in den bisherigen Planungsprozess nicht einbezogen. Alternative Flächen und Konzepte für einen Neubau der Kita ’Harmoniestraße’ wurden nie öffentlich diskutiert, obwohl der Abriss bereits 2017 vom Stadtrat beschlossen wurde“, geißelte der Elternrat in einem Brief.

Durch die kritische Reaktion fühlte sich SPD-Fraktionschef Thomas Gey in seiner Auffassung bestätigt, dass noch ein erheblicher Informations- und Diskussionsbedarf bestehe. „Wir möchten gerne diese Frage noch einmal unter Einbeziehung aller Informationen beraten können und dabei auch mögliche Alternativen einbeziehen“, so Gey im Namen seiner und der Fraktion Bürgerforum/Grüne. Deshalb stellte er den Antrag auf Vertagung.

OB Bert Wendsche (parteilos) wollte eigentlich der Kita-Leitung und dem Elternrat Rederecht auf der Stadtratssitzung einräumen. Aufgrund der Absetzung des Tagesordnungspunktes kam es nicht dazu, was CDU-Stadtrat Wolfgang Jacobi bedauerte. „Wir hatten die Möglichkeit heute, alle Standpunkte öffentlich dargelegt zu bekommen.“ Diese Chance wurde seiner Meinung nach vertan, weil die Beratung in den Ausschüssen wieder hinter verschlossenen Türen stattfindet.

Von Silvio Kuhnert