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Umland Eine Felsenampel gibt Auskunft über die Kletterbedingungen
Region Umland Eine Felsenampel gibt Auskunft über die Kletterbedingungen
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14:07 16.07.2019
Melanie Ziegelmeier steigt den Kletterweg Partisanenhangel am Gipfel Partisan in den Affensteinen.
Melanie Ziegelmeier steigt den Kletterweg Partisanenhangel am Gipfel Partisan in den Affensteinen. Quelle: Mike Jäger
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Sächsische Schweiz

Es mag ein schöner Tag sein, an dem die Sonne scheint. Aber ist der Fels im Elbsandsteingebirge trocken genug zum Klettern? Am Vorabend hatte es doch noch geregnet. – Vor diesem Dilemma stehen die Felskletterer in der Sächsischen Schweiz häufig. Besonders für auswärtige und gebietsfremde Besucher sind die Bedingungen an den Sandsteintürmen sehr schwer einzuschätzen.

Klettern bei Nässe ist verboten

Elbsandsteinklettern ist anspruchsvoll – und besonders. Es gelten spezielle Regeln, auch um den empfindlichen Sandstein zu schützen. Klettern am nassen Fels ist nicht erlaubt. Denn die empfindlichen Sandsteinformationen saugen sich voll Wasser, verlieren an Festigkeit und brechen bei Belastung ab. Das Verbot wurde Anfang der 1980er Jahre in die Regelordnung aufgenommen, nachdem es mehrere schwere Bergunfälle durch Griffausbrüche gegeben hatte.

Kluge Kletterer steigen schon aus Selbstschutz nicht bei Regen auf die Gipfel, denn sie wollen nicht mit einem nassen, porösen, abgebrochenen Griff herunterfallen und sich Hals und Bein brechen. Umso mehr wegen der in der Sächsischen Schweiz üblichen Sicherungsphilosophie, nur mit Seilschlingen und wenigen Sicherungsringen auszukommen. Die spärliche Sicherung erfordert Einschätzung seiner selbst sowie der Felsen. Aber es ist nicht zu verhehlen: Oft wird dennoch am feuchten Fels geklettert, besonders an gut gesicherten Routen, wo der Respekt fehlt.

Die hohe Frequentierung beliebter Klettereien führt dann zu abgesandeten und ausgetretenen Trittmulden. Besonders beim verpönten Toprope-Klettern (toprope bedeutet in der Klettersprache: Seil von oben) kommt es zu Felsbeschädigung. Bei diesem Begehungsstil kann eine große Anzahl Sportler Kletterspaß ohne Risiko haben. Selbsteinschätzung, ob man dem Kletterweg gewachsen ist, oder gar Rücksicht auf den Sandstein sind nicht unbedingt notwendig. Helle Abbruchstellen ausgeplatzter Griffe und Tritte in den üblicherweise dunklen Sandsteinwänden zeugen davon.

Präzise und mit Prognose

Der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) hat nun ein Warnsystem entwickelt – eine sogenannte Felsampel. Diese zeigt online an, ob und wann nach Niederschlägen wieder geklettert werden kann. Anhand der Informationen können Felskletterer ihren Kletterausflug in die Sächsische Schweiz planen oder gegebenenfalls verschieben bis wieder gute Kletterbedingungen herrschen.

Zehn über das Gebiet der Sächsischen Schweiz verteilte Messstationen mit Feuchtigkeitssensoren, Wind-, Regen- und Temperaturmessgeräten geben Auskunft über den Wassergehalt im Gestein und den Grad der Abtrocknung. Auf der Internetseite felsampel.de fließen viele meteorologische Daten zusammen und werden noch mit tatsächlichen Beobachtungen der Kletterer vor Ort kombiniert.

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So entsteht ein ziemlich präzises Bild der örtlichen Gegebenheiten und auch eine Prognose für folgende Tage wird möglich. Steht beispielsweise die Ampel für das Gebiet Großer Zschand in der Hinteren Sächsischen Schweiz auf Rot, können etwa im Bielatal die Felsen durchaus trocken sein und die Ampel Grün anzeigen. Damit wird besonders auswärtigen Kletterern eine Orientierungshilfe gegeben. Der Felskletterer Ulrich Schmidt aus Brandenburg, der oft im Elbsandstein klettert, meint: „Für mich ist schon interessant, ob ich von Norden in den Zschand oder von Süden ins Bielatal fahre. Eine Entscheidung ist einfach aufgrund der Ampel zu treffen.“

Wenn im gesamten Gebiet der Sächsischen Schweiz nasse Witterung ist, gibt es im Umfeld viele Klettergebiete mit hartem, festem Gestein, welches schnell abtrocknet, wie etwa das Müglitztal bei Glashütte. Bergsportler, die der Nässe wegen im Sandsteingebirge nicht klettern können, können dort ihrer Leidenschaft nachgehen.

„Im brüchigen und weichen Sandstein sollte wirklich erst nach durchgreifender Abtrocknung geklettert werden“, mahnt Ulrich Schmidt. Die Verhältnisse an den Türmen seien so speziell, dass immer jeder verantwortungsbewusst entscheiden müsse.

Von Mike Jäger