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Umland Ein Dippser erzählt von der Liebe zu seiner Simson
Region Umland Ein Dippser erzählt von der Liebe zu seiner Simson
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16:30 19.07.2019
Simson-Modelle werden bei eBay mittlerweile nicht mehr unter 1200 Euro verkauft. Quelle: Robert Weinhold
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Dippoldiswalde/Reinfeld

Man muss nicht in der DDR geboren sein, um sie zu kennen: Die Simson, gern auch „Simme“ genannt. Mittlerweile haben sich die DDR-Mopeds zu beliebten Maschinen entwickelt, die generationsübergreifend Fans gefunden haben.

So auch eine Gruppe von Simsonfreunden in Reinfeld, Schleswig-Holstein. Henning Liese barg im vergangenen Jahr eine Simson S51 aus der Scheune seiner Großeltern und machte sie wieder flott. Gemeinsam mit Kumpel Alex rief er den Internetblog „LassKnattern“ ins Leben.

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Von Opa zu Enkel weitergegeben

Und nicht nur das: Die beiden sind außerdem die Ideengeber für den diesjährigen ersten Simson-Tag am heutigen Freitag. „Wir haben letztes Jahr den Einfach-so-Tag am 27. August in den Medien als sehr präsent empfunden. Da haben wir uns gefragt, wie ein solcher Tag derart Aufmerksamkeit erregen kann und wie wir uns das zunutze machen könnten“, erzählt Liese. Zwar gibt es bereits Simson-Treffen und Veranstaltungen, allerdings nur regional, wie zum Beispiel in der Geburtsstadt Suhl. Der Simson-Tag soll die Szene nun überregional zusammenbringen und neue Aufmerksamkeit auf das DDR-Moped lenken.

So sieht das Simson-Logo aus:

Kultmarke aus dem Osten: Simson. Quelle: Anja Schneider

Und wie Sie hier lesen, ist das Konzept aufgegangen. Ich habe mich hierzulande auf die Suche nach einem Simson-Liebhaber gemacht, der mir die Geschichte zu seinem Moped erzählt. Fündig geworden bin ich bei Robert Weinhold. Seine S 50 begleitet den 29-Jährigen schon fast sein ganzes Leben lang.

Bevor sie in Roberts Besitz überging, gehörte sie seinem Opa. „Er ist damit jeden Tag zur Arbeit gefahren, auch wenn es nur zwei Kilometer waren“, erzählt der gebürtige Dippser. Schon mit zwei Jahren nahm er auf der Sitzbank Platz.

Robert Weinhold als Kind auf der Simson seines Opas. Quelle: privat

Auch seine liebste Kindheitserinnerung ist mit dem Moped eng verbunden: „Freitags bin ich nach der Grundschule immer zu meinen Großeltern gegangen. Nachmittags habe ich dann mit meiner Oma oben an der Gasse auf meinen Opa gewartet. Als er dann mit dem Moped kam, hat er mich bis zum Grundstück mitgenommen. Daher kommt wohl auch meine tiefe emotionale Verbindung zu dem Gefährt“, erinnert sich Robert.

Wer „Simme“ fährt, muss schrauben können

Sein Opa brachte ihm neben dem Fahrradfahren auch das Mopedfahren bei. Schon mit elf Jahren tuckerte Robert auf dem Privatweg seiner Großeltern im ersten Gang auf und ab. Mit 15 Jahren absolvierte er seinen Mopedführerschein und war damit der erste motorisierte Kumpel im Freundeskreis.

Und dieser brachte ihn auch zur Vernunft in Sachen Sicherheit. „Ein enger Freund verunglückte bei uns im Ort mit seiner Simme schwer . Die Ärzte sagten damals, er habe nur aufgrund seiner Schutzjacke mit Protektoren überlebt. Seitdem fahre ich nicht mehr ohne“, erzählt Robert.

Die Jacke hilft ihm allerdings nicht, wenn das geliebte Moped mal nicht mehr möchte. Und das kam nicht selten vor, wie eines morgens auf dem Weg zur Berufsschule nach Dresden: Auf der Bundesstraße 170 kurz vor Karsdorf gab seine S 50 plötzlich auf. Selbst der originale zerfledderte, nach Zweitaktöl stinkende DDR-Waschlappen und der Schraubendreher mit Holzgriff vom Opa halfen nicht. Getreu dem Motto „Wer die Simme liebt, der schiebt“ schaffte Robert das Moped zur nächsten Tankstelle und musste samt Schutzjacke und Helm in den Bus steigen.

Mit der S 50 hat der Energietechniker schon einiges erlebt, doch die vergangenen zehn Jahre verbrachte das Moped in der Garage. Das soll sich schon bald ändern: „Nächstes Jahr ziehen wir aufs Land, da wird die Karre wieder flottgemacht“, sagt Robert. Und dann kann er die Liebe zur Simme auch an seine zwei Söhne weitergeben.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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