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Umland Ehemaliger „Weinmacher“ wegen Betruges auf Bewährung verurteilt
Region Umland Ehemaliger „Weinmacher“ wegen Betruges auf Bewährung verurteilt
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11:57 26.03.2019
Der 58-Jährige wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt Quelle: dpa/Uli Deck
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Meißen

Ronald N. ist ein Mann mit vielen Talenten und Ideen und einer Vorliebe für guten Wein. Damit feierte er vor einigen Jahren auch Erfolge, bereits für seine erste Kollektion wurde er ausgezeichnet. Ein Newcomer auf dem Weg nach oben. N. bezeichnete sich selbst als „Winemaker“. Er kaufte Wein auf und ließ von einem Küfer edle Tropfen keltern. Sein großer Traum: tolle Weine in der eigenen Kellerei auf dem eigenen Weingut machen. Auf Schloss Taubenheim bei Meißen wollte er das verwirklichen.

Allerdings hatte sein Traum einen großen Haken: So eine Kellerei ist ein kreatives aber auch sehr kostspieliges Unterfangen und ihm fehlte das nötige Kleingeld. Was nützt es, wenn man die schönsten Ideen im Kopf aber ein leeres Portemonnaie hat? Allerdings ignorierte „Weinmacher“ N.dies konsequent.

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Ein Kreislauf aus beschwichtigen, verhandeln, Geld besorgen

Seine Weine trugen tolle Namen: „Zuverlässig“ zum Beispiel oder „Besonnen“. Tugenden die er hätte wörtlich nehmen sollen, da wäre ihm einiges erspart geblieben. Zum Beispiel der Platz auf der Anklagebank des Amtsgerichts. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Betrug und Computerbetrug vor. Der 58-Jährige, der sich zuvor nie etwas zu Schulden kommen ließ, hat für seinen Traum einige Leute übers Ohr gehauen. Er prellte Handwerker, Händler, Vermieter und Gläubiger.

So orderte er im großen Stil Maschinen und Geräte zur Weinherstellung. Geliefert wurde zwar nur eine Presse für 36 000 Euro. Bezahlt hat er sie nicht – wovon auch. Er nahm ein Darlehen auf, das er nicht bedienen konnte, bestellte weitere hochwertige Objekte für eine Ausstellung und stellte sogar einen Weinverkäufer ein – nur hatte er das Geld dafür nicht. Er bediente sich vom Konto seiner Lebensgefährtin, betrog eine Tischlerei und einen Elektrohändler.

Die Leute wurden ungeduldig, Ronald N. musste beschwichtigen, verhandeln, Geld besorgen. Er riss immer neue Löcher auf, um andere zu stopfen und kam doch auf keinen grünen Zweig. Ein Leben wie im Hamsterrad. „Tunnelblick“ nannte es der Verteidiger. „Das ganze Projekt ist gekippt, die Einnahmen blieben aus“, erklärte der Angeklagte. Er verdient sich jetzt als Kurierfahrer seine Brötchen, um seine Schulden zu tilgen, einen Teil davon hat er schon abgestottert.

Der 58-Jährige wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem muss er den Schaden wieder gut machen – rund 67 .000 Euro. Er ist nach seinem schönen Traum ziemlich hart gelandet.

Von Monika Löffler