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Umland Dürresommer könnte Sachsenwein teurer machen
Region Umland Dürresommer könnte Sachsenwein teurer machen
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15:23 14.01.2019
Symbolfoto. Quelle: Monika Skolimowska, dpa
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Radebeul

Weine aus Sachsen könnten teurer werden. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur zur Weinbilanz des Jahres 2018 philosophierte der Unternehmenssprecher des Staatsweingutes Schloss Wackerbarth, Martin Junge, Ende Dezember erstmals über mögliche Preissteigerungen für sächsischen Rebensaft. Der heiße und trockene Sommer sei schuld, dass Konsumenten zumindest für Spitzenweine möglicherweise noch tiefer in die Tasche greifen müssen. Junge spricht von einem Mehraufwand für Bewässerung von Junganlagen sowie für Boden- und Laubarbeiten.

Der Weinbauverband Sachsen antwortet auf Nachfragen zur möglichen Preisentwicklung zurückhaltend. Verbandschef Michael Thomas – ein Kollege von Junge im Staatsweingut – spricht ebenfalls von möglichen „Preisanpassungen bei einzelnen Weinen“. Der Verbandschef verweist auf die aufwendige Bewirtschaftung in Steillagen. Zugleich stellt er klar: Für „Top-Wein aus einer Steillage oder einem Terrassenweinberg mit einer außergewöhnlichen Qualität“ könnten die Winzer „auch einen höheren Preis verlangen, als für einen Basiswein aus einer Direktzuganlage.“

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Ferner führt Thomas aus: „Witterungsextreme wie Winter- und Spätfröste, Hagel, extreme Niederschläge oder langanhaltende Trockenheit stellen die sächsischen Winzer zusätzlich vor Herausforderungen.“ Diese könnten, wie in 2018 geschehen, den „Bewirtschaftungsaufwand erhöhen“. Oder sie führten zu Ertragseinbußen und bedrohten damit die Existenz der Winzer. „Im Gegensatz zum gesamtdeutschen Durchschnitt von 91 Hektoliter pro Hektar betrug der durchschnittliche Ertrag der sächsischen Winzer seinen Angaben zufolge in den zurückliegenden zehn Jahren nur bei 44 Hektoliter je Hektar.

Thomas sieht Qualitätssteigerungen bei sächsischen Weinen. Er verweist auf Auszeichnungen und Prämierungen: „Diese positive Qualitätsentwicklung lässt vermuten, dass Preise auch steigen können.“ Thomas wirbt passend dazu in seiner Antwortmail als Verbandschef für seinen Arbeitgeber Wackerbarth als „Deutschlands bester Sekterzeuger“. Der Sekt-Award wird von einem Branchenverband und einer Weinpublikation veranstaltet. Was die Branche gerne verschweigt: Nicht jede Verkostung und nicht jede Beziehung zwischen Verkoster und Winzer ist tatsächlich transparent für Verbraucher nachvollziehbar.

Sachsenwein gilt bereits als vergleichsweise preisintensiv. Der Weinbauverband erklärte dazu: „Die Einstiegspreise sind doppelt so hoch wie die Durchschnittspreise für Weine im Lebensmitteleinzelhandel.“

In den Kellern in Sachsen liegt reichlich Wein. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie berichtet seit Jahren schon von steigenden Weinbeständen. Seit mehreren Jahren haben die Winzer an den Elbhängen kaum Ernteausfälle zu beklagen. Michael Thomas resümiert: „Jedes Weingut ist für seine Preis-Kalkulation selbst verantwortlich.“ Der Verband habe keinen Einblick, zu welchen Preisen einzelne Weine – etwa im Großhandel – angeboten würden. Die sächsischen Winzer könnten nur überleben, wenn sie wirtschaftlich arbeiteten und Geld verdienten, so der Angestellte im Staatsweingut.

Von Lars Müller