Die evangelische St.-Petri-Kirche in Bad Gottleuba ist bei Kurgästen sehr beliebt
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Die evangelische St.-Petri-Kirche in Bad Gottleuba ist bei Kurgästen sehr beliebt

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16:52 28.08.2020
Die evangelische St.-Petri-Kirche in Bad Gottleuba.
Die evangelische St.-Petri-Kirche in Bad Gottleuba. Quelle: Tomas Gärtner
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Bad Gottleuba

Am tiefsten beeindruckt haben Daniel Lamprecht damals die Fresken. 2005, als er neuer evangelischer Pfarrer in der Gottleubaer St.-Petri-Kirche wurde und nach vorn ging. Da zogen sie seinen Blick unwillkürlich nach oben. Dort im Gewölbe des Chorraums hat ein unbekannter Maler zentrale Figuren des Alten und Neuen Testaments dargestellt. Um 1527 müssen sie entstanden sein, wie Kunsthistoriker vermuten. Zu einer Zeit, als Luthers Reformation sich verbreitete, doch noch bevor sie im albertinischen Sachsen eingeführt wurde. 1539 war das.

Jahrhundertelang verborgene Bilder

Daniel Lamprecht schaut hinauf. Dorthin, wo Salomo zu sehen ist. Das Zepter in seiner Hand weist ihn als König des Reiches Israel aus. Vor fast 3000 Jahren regierte er es, mit einer Weisheit, die sprichwörtlich wurde. Bis heute erinnert die Redewendung vom „salomonischen Urteil“ daran.

Pfarrer Daniel Lamprecht vor dem Altarraum der St.-Petri-Kirche in Bad Gottleuba mit dem im 16. Jahrhundert bemalten Gewölbe. Quelle: Tomas Gärtner

Daneben ist David zu erkennen, mit Harfe. Diesem König werden viele der Psalmen zugeschrieben. Die Eltern des Jesus Christus sind zu erkennen: Josef mit einem Stab, Maria mit Kelch. Auf der anderen Seite erscheinen die heiligen drei Könige aus dem Morgenland, die dem gerade geborenen Jesuskind Geschenke bringen.

Andreas, einer der zwölf Jünger Jesu, hält vor sich jenes Schrägbalkenkreuz, an dem er zur Zeit Kaiser Neros sein Leben gelassen haben soll. Als Andreaskreuz ist es vor Bahnübergängen zum Verkehrszeichen geworden.

Seinem Bruder, dem Fischer Simon, gab Jesus den Namen Petrus, was „Fels“ bedeutet. Er ist Namenspatron der Gottleubaer Kirche, die auf Fels über dem Tal der Gottleuba steht. Auf dem Bild daneben sieht man, wie Christus Petrus zum Hirten weiht. Nach der Kreuzigung und Auferstehung Jesu leitete er die Gemeinde in Jerusalem. Die katholische Kirche betrachtet ihn als ersten Bischof und führt das Papstamt auf ihn zurück. Zu erkennen ist er am Schlüssel in seiner Hand. Gleich zwei Mal sehen wir ihn damit, ein drittes Mal mit Stabkreuz.

Als einer der wichtigsten Apostel ist außerdem Paulus dargestellt, der vom jüdischen Christenverfolger Saulus zu ihrem berühmtesten Prediger wurde und die Botschaft von Jesu Tod und Auferstehung in Kleinasien und Griechenland verbreitete. Erkennbar ist er am Schwert.

Um den Schnittpunkt der Gewölberippen gruppieren sich in runden Bildern die Symbole der Verfasser der vier Evangelien: der Mensch oder Engel für Matthäus, der geflügelte Löwe für Markus, der Stier für Lukas, der Adler für Johannes. Gelagert sind die Gewölberippen an den Wänden auf vier mittelalterlichen Köpfen.

All diese Bilder, die wesentliche Kernelemente des Christentums darstellen, waren Jahrhunderte lang verborgen. Erst 1869, als die Gemeinde das Innere neu gestalten ließ, wurden sie wieder entdeckt, freigelegt und restauriert.

Die Geschichte der Kirche reicht aber weiter zurück, wie Pfarrer Lamprecht erzählt. Er tritt an eine der großformatigen Tafeln unter der Orgelempore, die darüber Auskunft geben. Einst muss sich hier oben auf der Höhe ein Fronhof mit befestigter Wehranlage befunden haben. Straßenbezeichnungen wie „Vogtei“ oder „Wallstraße“ deuten darauf hin.

Archäologen schätzen, dass die ältesten Teile vom Anfang des 13. Jahrhunderts stammen. Die eingemeißelte Jahreszahl 1577 findet sich am Torhaus, durch das man das Areal betritt, auf dem die Kirche steht. Zum Ältesten zählen auch die Fundamente der Ringmauer, die es umgibt. Der Chorraum der Kirche, wo der Altar steht, könnte einmal ein Wohngebäude gewesen sein. Der seltsam an der Südwestecke platzierte Kirchturm mit barocker Haube war einst Wehrturm.

Im 16. Jahrhundert wuchs das Kirchenschiff mit drei Jochen, also Gewölbe-Elementen. Mit der Reformation 1539 kam die schlichte Kanzel rechts hinein. Altar und Taufstein ließ die Gemeinde 1890 in neugotischem Stil anfertigen. Eine Orgel gab es da bereits. Deren barocke Verkleidung, der Orgelprospekt, stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. 1908 bauten Emil und Bruno Jehmlich aus Dresden eine neue Orgel da hinein.

Kurgästen äußern sich freimütiger zu den Predigten

So wie die Fresken im Altarraumgewölbe mit den Figuren aus dem Alten Testament an die jüdische Religion erinnern, aus der das Christentum gewachsen ist, so tun es die zwei Leuchter zu beiden Seiten des Altartischs aus dem Jahr 1903. In ihrer Gestalt mit sieben Armen erinnern sie an die Menora, wie sie im 25. Kapitel des 2. Buches Mose beschrieben ist.

Inzwischen ist auch der Kirchenvorraum an der Nordseite einladend mit historischen Orgelpfeifen und einem Hungertuch aus Bolivien neu gestaltet worden. Zu verdanken sei das dem sehr aktiven Ortsausschuss der Kirchgemeinde Gottleubatal, sagt Pfarrer Lamprecht. „Das sind Leute, die das selbstständig in die Hand genommen haben.“

Häufig sieht der Pfarrer unbekannte Gesichter in den Gottesdiensten. Kurgäste aus den Klinik besuchen sie. Hinterher schauen sich die Kirche genauer an. Dabei führe er mit ihnen gelegentlich tiefschürfende Gespräche. Er bekomme freimütige Reaktionen auf seinen Predigt, etwas, das alteingesessene Gemeindemitglieder sich selten trauen.

Mit Menschen außerhalb von der Kirchgemeinden in besonderer Lebenslage wird Daniel Lamprecht künftig häufiger zu tun haben. Er wechselt als Krankenhausseelsorger in den Kirchenbezirk Bautzen-Kamenz. Seine Frau, Pfarrerin Dorothee Fleischhack, mit der er sich eine Stelle hier geteilt hat, ist bereits 2019 ins Kirchspiel Dresden-Neustadt gegangen.

Verabschieden wollen sich beide am 30. August, 14 Uhr – hier, in St. Petri in Bad Gottleuba.

St.-Petri-Kirche für Besucher geöffnet von Mittwoch nach Ostern bis Ende Oktober, mittwochs 15 bis 17 Uhr, sonnabends 9.30 Uhr bis 11.30 Uhr, oder mit Vereinbarung über die Telefonnummern 035023/62336 und 035023/51525. Zur Kirchgemeinde Gottleubatal mit 914 Gemeindemitgliedern gehören auch die Kirchen in Berggießhübel, Cotta, Markersbach und Oelsen. Mehr Infos gibt es unter www.kg-gottleubatal.de.

Von Tomas Gärtner