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Umland Die Seele Radebeuls erhalten
Region Umland Die Seele Radebeuls erhalten
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19:04 20.05.2019
Weinberge, wie der an der Oberen Bergstraße Ecke Hohe Straße, dürfen nach Meinung von Jens Baumann nicht bebaut werden. Quelle: privat
Radebeul

Bismarckturm, Denkmalschutz und Neubauten in Radebeul – im DNN-Interview berichtet Jens Baumann, Vorsitzender des Vereins für Denkmalpflege und neues Bauen, wann der neue Aussichtsturm in der Lößnitzstadt öffnet und warum Radebeul an die Grenzen der Entwicklung neuer Wohnstandorte stößt.

Frage: Die für den 19. Mai geplante Eröffnung des Bismarckturmes musste erneut verschoben werden: Waren Sie bei der Zeitplanung zu optimistisch?

Jens Baumann: Am Anfang gingen wir von anderen Kosten aus, sie haben sich erhöht und wir mussten dreimal weitere Spenden einwerben. Insgesamt sind rund 300000 Euro für das rein bürgerschaftlich getragene Projekt zusammengekommen. Hierbei sind wir anfangs vielleicht etwas optimistisch an das Vorhaben herangegangen, vor allem was die Entwicklung der Baupreise betrifft. Die Fertigstellung der Aussichtsplattform war eigentlich so abgesprochen, dass sie bis Ende April eingebaut ist. Jedoch hat die Baufirma das Material nicht zu dem verabredeten Termin vom Zulieferer erhalten. Es scheint mir, dass eine ehemals geschätzte deutsche Eigenschaft – Qualität und Zuverlässigkeit – verloren geht. Bei Bus und Bahn verlangt man auch Pünktlichkeit. Warum dies im Baugewerbe nicht mehr funktioniert, ist mir nicht ganz verständlich.

Als neuer Eröffnungstermin ist der 8. September 2019 ins Auge gefasst. Wird dieser zu halten sein?

Ja! Alle Gewerke – rund zehn sind es, die noch Arbeiten im Turm zu erledigen haben – sind aufeinander abgestimmt. Dieses Mal wird es klappen und der Bismarckturm kann zum Tag des offenen Denkmals würdig eröffnet werden.

Der Verein für Denkmalpflege und neues Bauen ist in den vergangenen Jahren vor allem mit dem Bismarckturm-Projekt in der Öffentlichkeit wahrgenommen worden. Wenn dieses Vorhaben abgeschlossen ist, steht bereits ein neues Projekt in den Startlöchern?

Wir sind nicht nur ein Turmverein, unsere Anliegen in Radebeul sind viel weiter gefasst. Es geht insgesamt um die Stadtgestaltung. Parallel zum Bismarckturm haben wir ein weiteres Großprojekt realsiert, und zwar die Neugestaltung des Eduard-Bilz-Platzes. Plätze gibt es in Radebeul noch genügend, die auf eine Verschönerung warten. Bereits länger im Gespräch ist unser Geschenk an das Sport- und Freizeitzentrum „Krokofit“ - die Skulptur „Die Knieende“. Hier war es schwer, einen Standort zu finden. Sie soll nun ihren Platz im Saunagarten bekommen. Allerdings müssen zuvor noch ein paar Fragen zur Gestaltung des Umfeldes geklärt werden. Ziel ist es, die Figur im September dort aufzustellen. Aus der Bevölkerung kam die Anregung, an bestimmten, für die Stadtgeschichte bedeutsamen und besonderen Häusern Hinweistafeln anzubringen. Dies wird eines unserer neuen Projekte sein. Darüber hinaus beteiligen wir uns am Bauherren- sowie am Moritz-Ziller-Preis und wir werden auch in Zukunft weiter Vorträge anbieten. Sehr gut kamen in diesem Jahr unsere Fachvorträge zum Thema Fachwerk an. An Aufgaben wird es uns auch künftig nicht mangeln.

Sie sprachen den Bauherrenpreis an. Hier warten die Stadt und der Verein auf Vorschläge, oder?

Zum bereits 18. Mal haben wir ihn gemeinsam ausgelobt. Er ist eine Anerkennung für herausragende und ortstypische Baugestaltungen oder Sanierungen von Bauvorhaben innerhalb des Radebeuler Stadtgebietes. Er wird in maximal drei Kategorien – Denkmalpflege und Sanierung, neues Bauen sowie Garten- und Freiflächengestaltung – vergeben. Bis Ende Juni können Vorschläge unter Beifügung von aussagekräftigen Fotos und kurzer schriftlicher Begründung beim Verein oder bei der Stadtverwaltung eingereicht werden.

Der Vereinsname setzt sich aus den Begriffen „Denkmalschutz“ und „neues Bauen“ zusammen. Worauf liegt mehr der Fokus in der Vereinsarbeit?

Für viele Mitglieder steht der Denkmalschutz sicher im Mittelpunkt. Der Verein hat seine Wurzeln in der Diskussion um den Abriss von Altkötzschenbroda am Ende der DDR und in der Wendezeit. Viele Radebeuler haben sich damals für den Erhalt und die Sanierung des Dorfangers und der Häuser dort eingesetzt. Daher war ein ursprünglicher Schwerpunkt unserer Vereinsarbeit die Bewahrung wertvoller Bausubstanz und die denkmalgerechte Instandsetzung. Jetzt geht es uns auch darum, dass die dazugehörigen Grundstücke in ihrer Größe erhalten bleiben und nicht bebaut werden. Eine Villa benötigt einen entsprechenden Raum drumherum, einen Garten. Was wir uns des Weiteren stärker zuwenden müssen, ist die Neubaudiskussion.

Ist jede Art von Neubau erwünscht?

Mit dem Bauherrenpreis versuchen wir bereits, positive Beispiele für neue Gebäude hervorzuheben, die von ihrer Form her zu Radebeul passen und keine x-beliebige Architektur darstellen. Wir müssen aufpassen, dass nicht mit jedem Allerweltsneubau der Charakter unserer Stadt, weshalb der Eigentümer eigentlich hierher zieht und viel dafür zahlt, verbaut wird. Neue Häuser müssen sich nicht nur von der Größe her in das vorhandene Gefüge einordnen, sondern auch vom Aussehen und der Gestaltung her. Mit der Gestaltungssatzung kann in Altkötzschenbroda eigentlich nichts schief gehen. In Wahnsdorf haben wir eine Gestaltungsfibel. Derartige Leitlinien gilt es, auch für andere Stadtgebiete etwa für die Villengebiete Ober- und Niederlößnitz durchzusetzen.

Im Stadtrat war wiederholt die Auffassung zu hören, dass Radebeul eigentlich die Grenzen der baulichen Erweiterung erreicht hat, wenn die Stadt ihre Charakter als Garten- und Villenstadt nicht verlieren will. Wo kann denn noch gebaut werden?

Eine innerstädtische Verdichtung ist an manchen Stellen möglich. Beispiele wären Glasinvest oder Wasa-Park, perspektivisch auch auf dem Areal des ehemaligen Sportplatzes an der Kötitzer Straße. Es gibt sicher noch Freiflächen und die ein oder andere Baulücke in der Stadt. Aber den Reiz unserer Stadt machen Weinberge, Wiesen und Felder aus, die in und zwischen den Wohngebieten liegen. Solche Flächen wie beispielsweise der Bussard-Weinberg oder der Weinberg an der Oberen Bergstraße Ecke Hohe Straße sollten erhalten bleiben. Sie machen die Seele von Radebeul aus und sollten nicht als Bauflächen ausgewiesen werden. Mit um die 35000 Einwohner hat Radebeul eine gute Bevölkerungszahl erreicht. Ein Zuwachs um weitere 5000 würde die Stadt nicht verkraften. Hier setzt auch die dafür erforderliche Infrastruktur Grenzen. Unsere Sportstätten sind bereits jetzt schon zu klein und für den Bau neuer Schulen und Kitas ist der Platz nicht wirklich vorhanden.

Wo sehen Sie Radebeul in zehn Jahren?

Schön wäre es, wenn die Meißner Straße durchsaniert ist. Das Zentrum von Radebeul-West sollte belebt sein mit Geschäften und möglicherweise auch der Bibliothek im Bahnhofsgebäude. Die Grundstücksgrößen in den Villenbereichen oberhalb der Meißner Straße bleiben erhalten und es gibt nicht nur ein Einordnen nach Maß, sondern auch nach Aussehen. Die Schwimmhalle ist saniert und eventuell sogar vergrößert. Naundorf bewahrt seinen ländlichen Charakter. Wenn uns dies gelingt, hätte Radebeul viel gewonnen.

Von Silvio Kuhnert

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