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Umland Die Pirnaer Hofnacht wird volljährig
Region Umland Die Pirnaer Hofnacht wird volljährig
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08:19 02.08.2019
Die Veranstalter hoffen, dass sich Menschen wie im vergangenen Jahr auf dem Marktplatz und in den Gassen der Altstadt dicht drängen.
Die Veranstalter hoffen, dass sich Menschen wie im vergangenen Jahr auf dem Marktplatz und in den Gassen der Altstadt dicht drängen. Quelle: Daniel Förster
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Pirna

Versteckte Winkel und sonst für Besucher verschlossene Innenhöfe öffnen sich an diesem Sonnabend in Pirnas Altstadt. Das erste Augustwochenende steht ganz im Zeichen der Hofnacht. Sie erlebt dieses Jahr ihre 18. Auflage.

Doch wer die Geschichte dieser Veranstaltung kennt, für den trübt sich ein wenig die Vorfreude beim Blick in den diesjährigen Programmflyer. Bis zum Druck hatten sich nur 18 Höfe beim Organisator gemeldet. Die Anzahl hat sich diese Woche noch auf 20 erhöht, teilte Karolina Manitz, Sprecherin der Kultur- und Tourismusgesellschaft Pirna (KTP) mit. „Es sind weniger Höfe als im Vorjahr“, räumt sie ein.

27 Höfe luden 2018 zum Verweilen ein. Ein paar Hofbetreiber seien dieses Mal aus privaten und persönlichen Gründen abgesprungen und nicht mehr mit von der Partie, so Manitz.

Eine Wandlung des Festes stellen etliche Pirnaer fest. Bei der ersten Ausgabe 2002 hatten 30 Privatleute ihre Höfe geöffnet. Im Vordergrund stand ein besinnlicher Abend bei Wein und Gemütlichkeit. Dazu gab es Unterhaltungsmusik von der CD oder live durch Musikschüler oder musikalische Familien dargeboten. All dies war familiär organisiert und auch von Vereinen getragen. Dies machte den Charme der Hofnacht aus. Pirnaer stellten für Pirnaer und Gäste ein Programm auf die Beine. Jetzt öffnen nur noch sechs private Höfe. Die meisten teilnehmenden Höfe sind inzwischen gastronomische Betriebe.

Das Pirnaer Urgestein Wolfgang Bieberstein hat sich über diese Entwicklung Gedanken gemacht. Zwischen der ersten Hofnacht und heute macht er eine „bemerkenswerte gesellschaftliche Wandlung“ aus. „Wenn seinerzeit Eigentümer und Mieter gemeinsam nach Jahren des fleißigen und teils kostspieligen Wiederherrichtens der baulichen Schönheiten mit Stolz ihre romantischen Höfe öffneten und mit handgemachter Musik und Limonade die Neugierigen bescheiden versorgten, ist die heute heranwachsende Generation von Mietern auf derlei Aktivitäten nicht mehr sonderlich erpicht“, stellt Bieberstein fest.

Zu erkennen sei das auch daran, dass heutige Bewohner der Altstadt kaum interessiere, was unter ihnen im Ladenlokal verkauft werde oder in welch kulturhistorisch wertvollem Hause sie wohnen. „Ja, wir leben in einer sich verändernden Welt, in der zunehmend ein Jeder vornehmlich sein Eigenwohl sucht. Da steht Engagement für das Gemeinwohl nicht mehr auf der Prioritätenliste“, meint Bieberstein. Die Schuld möchte er aber nicht einseitig den Altstadtbewohnern geben. In der Vergangenheit hätten sich Gäste unhöflich verhalten, indem sie sich „gar fordernd in die Höfe drängelten und Missfallen zum Ausdruck brachten, wegen angeblicher Unterversorgung“.

Das diesjährige Motto der Hofnacht lautet „18 Jahre Schwof im Hof – Pirnaer Hofnacht wird volljährig“. An diesem Sonnabend um19 Uhr geht es los und von leiser Hofatmosphäre bis zur Rock’n’Roll-Band und von Kerzenschein bis hin zu stimmungsvollen Lichteffekten sei etwas für jeden Geschmack dabei, teilt die KTP mit.

Das komplette Programm ist unter www.pirna.de zu finden. Der Eintritt ist frei. Wegen der Veranstaltung ist der Innenstadtbereich am Sonnabend von 19 bis 2 Uhr für den Durchgangsverkehr gesperrt.

Von Daniel Förster und Silvio Kuhnert