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Umland Damast aus Großschönau: Beim Tod eines Herrschers war Stoffwechsel angesagt
Region Umland Damast aus Großschönau: Beim Tod eines Herrschers war Stoffwechsel angesagt
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07:44 09.09.2019
Das Motiv beweist, dass Frieden den Menschen schon früher durchaus am Herzen lag. Quelle: Foto: Faltblatt
Großschönau

Schon so manche Frau, die mal eben in die Stadt aufbrach, um sich was gegen Halsschmerzen zu kaufen, kehrte mit Stoff zurück. Nur gern brachte so manche Tochter Evas mitunter mit ein Teil aus Seide heim, auch ohne dass sie Kenntnis von einem arabischen Sprichwort hatte, das da lautet: „Seide wurde erfunden, damit die Frauen nackt in Kleidern gehen können.“

Ein Entwurf kostete soviel wie ein ganzer Webstuhl

Auch Damast gilt als edler Stoff, gefertigt und verarbeitet wurde er über Jahrhunderte hinweg auch in Großschönau. In keinem anderen Ort Deutschlands wurde so viel und ab 1666 so lange echter Damast gewebt. Maßgeblich waren es die Brüder Christoph und Friedrich Lange, die diese Webtechnik einführten.

Zeitweise waren fast 1000 Zugwebstühle in Betrieb. Es gab hier eine Manufaktur, die über Jahrhunderte hinweg etliche bedeutende Herrscherhäuser mit Wappen-Damasten belieferte: so um 1726 den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation oder 1821 den König von Großbritannien. 1782 kostete, wie in der Ausstellung des Damastmuseums in Großschönau zu lesen ist, allein der Musterentwurf für Damaste mit russischem Wappen staatliche 600 Taler – das entsprach damals dem Gegenwert eines sehr guten Webstuhls.

Das Museum wurde 1905 gegründet. Es befindet sich seit 1946 im sogenannten Kupferhaus, errichtet zwischen 1807 und 1809 als Wohn- und Geschäftshaus des Damastfabrikanten Christian David Waentig. 1996 erfolgte die Weiterentwicklung zum Deutschen Damast- und Frottiermuseum.

Auch sonst wurde im Ort viel in Sachen Textiltechnologie unternommen. 1864 erfolgte die Gründung der Oberlausitzer Webschule, die bis 1954 den Nachwuchs schulte.

Erwähnung in den Inventaren der sächsischen Kunstkammern

Wie den Besuchern vermittelt wird, waren auch an der kurfürstlich-sächsischen Tafel die dynastischen Verhältnisse jederzeit sichtbar: Beim Amtsantritt eines Herrschers gingen in Großschönau stets Großbestellungen für Damaste mit den neuen Insignien ein. Auch als August III. 1733 seinem Vater August den Starken auf dem Thron Polens nachfolgte, war ein Stoffwechsel vonnöten. Es gab also (wenn auch erst 1735, denn gut Ding braucht Weile) neue Tisch- wie Bettwäsche zwecks Demonstration des Machtanspruchs.

Zentrales Motiv einer Serviette war etwa der bekrönte polnische Wappenschild, in dessen Mitte sich ein weiterer kleiner Wappenschild befindet, der den sächsischen Kurschild mit gekreuzten Schwertern und die Streifen Sachsen-Wittenbergs enthält. Darüber ist der Kurhut abgebildet. In den Ecken sind eine Krone und darunter die Jahreszahl 1735 eingewebt. Im Oval befindet sich das Monogramm A.R. für Augustus Rex (König August).

Damast war so wertvoll, dass der Stoff wiederholt in den Inventaren der sächsischen Kunstkammern erwähnt wird, in dem der Silberkammer von 1789 findet sich der Eintrag: „Damast mit Wappen, Damast mit allerhand Mustern, ordinairer Damast, Damast aus alten Stücken gefertigt, damastene Wappen-Tafeltücher, damastene Wappen-Servietten, fein damastenes Herrentücher mit Königskrone, extra superfein damastene Tafeltücher und extra superfein damastene Servietten ...“

Acht Monate Fertigungszeit für eine Garnitur

Wenn es um Luxus in Sachen Tisch- und Bettbezug aus Damast ging, dann war Großschönau zeitweise das Maß aller Dinge. Nur hier gab es, wie auf einer Texttafel versichert wird, „ausreichend Weber, Stuhlbauer, Musterzeichner und -einleser, um Großaufträge, zum Beispiel bei Herrscherwechseln, relativ zügig zu realisieren.“ Habe doch allein die Fertigung einer einzigen Damast-Garnitur, bestehend aus Tafeltuch und mehreren Servietten, bis zu acht Monate dauern können.

Hier und da wurden von den Großschönauer Damast-Produzenten Motive aus der Region aufgegriffen, wie dieses Werk (Ausschnitt) bezeugt. Quelle: C.R.

An Arbeit war kein Mangel, denn nach den Adelskreisen leisteten sich zunehmend auch bürgerliche Haushalte zunehmend die exquisite Oberlausitzer Ware als Luxusgut und Wertanlage. Den Segen des spitzzüngigen Literaten Oscar Wilde, der sein Faible für Teures einmal mit dem Bonmot „Man umgebe mich mit Luxus. Auf das Notwendige kann ich verzichten“ Ausdruck verlieh, hätten sie gehabt.

www.ddfm.de

Von Christian Ruf

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