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Umland Bacchantische Fantasiefiguren aus Ton
Region Umland Bacchantische Fantasiefiguren aus Ton
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16:22 25.06.2019
Ines Hoferick steht neben ihrer Bacchusfigur. Für sie ist der Weingott kein alter Trunkenbold, sondern ein schöpferischer Jüngling. Quelle: Foto: Silvio Kuhnert
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Radebeul

Ihre nächste Ausstellung möchte sie in Radebeul machen, sagte die Keramik-Künstlerin Ines Hoferick den DNN vor einem Jahr. Und passend zur Garten- und Weinstadt sollte der Weinbau zentrales Thema sein. Daher schaute sie in den vergangenen Monaten den Winzern bei deren Arbeit aufmerksam über die Schulter, studierte Typen in Besenwirtschaften, um Vorlage für ihre mitunter karikaturesken aber immer auch liebevoll gemeinten Tonfiguren zu finden. Das Resultat ihrer kreativen Arbeit ist nun im Sächsischen Weinbaumuseum der Hoflößnitz zu sehen. Bis 25. August dieses Jahres zeigt die 56-jährige Radebeulerin unter dem Titel „Bacchus TONangebend“ ihre neuesten Werke.

Der Titelheld und Weingott darf in der Schau nicht fehlen. „Bacchus ist der Chef“, sagt Hoferick. In der Lößnitzstadt gibt er seit Jahrhunderten den Ton an. Wenn sie beispielsweise mit ihren Kursteilnehmern sprach, wie sie sich die griechische Gottheit des Weines vorstellen, fielen Charakteristika wie dick mit rundem Gesicht und roten Wangen – ein typischer Zecher halt. „So wollte ich ihn aber nicht darstellen“, meint Hoferick. Bei ihr kommt er als kreativer und schöpferischer Jüngling mit Lockenkopf daher. „Die Locken bestehen aus alten Weinreben. Ich habe sie aus den Hoflößnitzer Weinbergen geklaut“, sagt sie mit einem verschmitzten Lächeln.

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Im Weinberg fand sie bei einem Spaziergang mit ihrem Hund ein Schneckenhaus. „Darin wohnt der Weinbergschneck“, so Hoferick. Als kleiner König mit Krone schaut er aus seinem Gehäuse. Neben Fantasiefiguren zeigt sie in ihrer Schau im Erdgeschoss des Berg- und Lusthauses auch Gebrauchskeramik wie Teller und Weinplatten mit Sprüchen von Konfuzius bis Salvador Dali verziert.

Die gebürtige Karl-Marx-Städterin lebt seit 1986 in der Lößnitzstadt. An den Landesbühnen Sachsen war sie zunächst als Requisiteurin tätig. „Die Erfahrungen, die ich damals gesammelt habe, kommen mir noch heute zugute. Früher habe ich mit Holz und Pappmaché gearbeitet, jetzt mit Keramik“, sagt Hoferick, die seit 1994 freischaffende Künstlerin ist.

Die Ausstellung in der Hoflößnitz fällt mit dem 25-jährigen Gründungsjubiläums ihres Keramikstudios zusammen. In ihrem Haus an der Makarenkostraße gibt sie regelmäßig Kurse, in denen sie Interessierten die „Tonkunst“ beibringt. Vom Kind über Familien bis hin zum Senior vermittelt sie Aufbau- und Dekorationstechniken, die man für den künstlerischen Umgang mit Keramik, ohne an einer Töpferscheibe zu sitzen, benötigt.

Ein besonderes Verfahren bildet hierbei der Raku-Brand. Diese Brenntechnik, bei der Ton auf 1000 Grad Celsius erhitzt und durch plötzliches Aufreißen des Ofens einem Kälteschock ausgesetzt wird, stammt aus Japan. Am 14. Juli um 13 Uhr führt Hoferick diese Technik, die der Keramik eine individuelle Krakelee, ein Muster aus Sprüngen und Rissen auf der Oberfläche, verleiht, auf der Hoflößnitz vor.

Bis 25. August, Di-So 10-18 Uhr

Von Silvio Kuhnert