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Umland BUND stellt sich bei S 177-Ortsumfahrung quer
Region Umland BUND stellt sich bei S 177-Ortsumfahrung quer
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16:36 19.12.2018
Noch endet die neue Statsstraße 177 am Fuße des Doberberges im Nichts.s. Quelle: Bernd Lichtenberger
Wünschendorf

Wann beginnt der Freistaat Sachsen mit dem Bau der S 177- Ortsumfahrung Wünschendorf/Eschdorf? Geplant war der Baustart für 2019. Aber nun steht wieder alles in den Sternen, denn der Landesverband Sachsen des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) hat im April dieses Jahres gegen das Vorhaben geklagt. Er sieht den Schutz seltener Fledermäuse und alter Bäume im Klemnitztal westlich von Wünschendorf ungenügend berücksichtigt.

Die Konsequenz: Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, kurz Lasuv, will den Baustart auf Eis legen und den Klageausgang abwarten, bestätigt Nicole Wernicke, Mitarbeiterin in der Lasuv-Pressestelle. Sie verweist auf die Landesdirektion Sachsen, die Anfang des Jahres nach langem Ringen – unter anderem mit den Naturschützern – den Planfeststellungsbeschluss bekannt gab. Und diese steht dazu, wie Ingolf Ulrich, stellvertretender Pressesprecher, auf DNN-Nachfrage versichert.

Die Umwelt- und Naturschützer plädieren für einen Tunnel

Am 30. November habe die Landesdirektion eine entsprechende Klageerwiderung beim Verwaltungsgericht Dresden eingereicht. Darin beantragt sie, die BUND-Klage abzuweisen, weil sie davon überzeugt ist, dass „zwingende Vorschriften des Naturschutzrechtes durch den Planfeststellungsbeschluss nicht verletzt werden“. Das Vorhabengebiet wurde umfassend auf seltene Tierarten hin untersucht, betont Ulrich. Dabei seien tatsächlich zahlreiche besonders geschützte Tierarten vorgefundenen worden, die dann auch Gegenstand umfassender Prüfungen waren. Die Ergebnisse dieser Prüfungen seien dann auch in die landschaftspflegerische Begleitplanung, in die faunistischen Sondergutachten und die Verträglichkeitsprüfung für ein Fauna-Flora-Habitat (FFH) eingegangen.

„Alle diese Unterlagen waren Teil des Antrages auf Planfeststellung und wurden im Planfeststellungsverfahren behandelt“, so der stellvertretende Landesdirektionssprecher. Deshalb sehe er auch keinen Grund für die alternativen Vorschläge, wie sie der BUND ins Gespräch gebracht hat. Die Umwelt- und Naturschützer plädieren für einen Tunnel durch den 294 Meter hohen Doberberg oder eine Grünbrücke übers Klemnitztal. Aber beides sei nicht ernsthaft erwogen worden, heißt es in einem BUND-Faltblatt.

Wolfgang Weiß, Ortsvorsteher von Wünschendorf, hat beim Thema S 177 zwei Seelen in der Brust. Einerseits sieht er den täglichen Verkehr, der sich mit dem vorgeschriebenen 30er Tempo durch den Ort quält, weil die Staatsstraße an vielen Stellen nicht mal einen Fußweg hat und manchmal direkt an den Grundstücksgrenzen verläuft. „Einfach nicht zumutbar“, sagt er.

Der tägliche Wahnsinn auf der Staatsstraße innerorts: Autokolonnen, darunter viele Schwerlaster, quälen sich durch Wünschendorf. Quelle: Bernd Lichtenberger

Andererseits kennt er auch das Klemnitztal. Ein kleiner, tiefer und kaum 20 Meter breiter Einschnitt in die Felder, in dem schöne alte Buchen und Eichen stehen. Dazwischen ein Rinnsal, der Klemnitzbach, und jede Menge Totholz. „Ein kleiner Urwald, der an einer weniger stark bewachsenen Stelle von der künftigen S 177 durchschnitten werden soll“. Schade. Aber Weiß kennt die Trassenpläne, die schon mehrfach geändert wurden, um Schäden für die Wünschendorfer und die Natur so gering wie möglich zu halten. Auch an Fledermaus-Schutzwände sei gedacht. Deshalb fordert er das Lasuv auf, trotz der BUND-Klage „auf Risiko zu bauen“.

Die Stimmung im Dorf ist „mies“

Bei der letzten Verkehrszählung im Jahre 2015 wurden auf der S 177 östlich von Radeberg 7300 Fahrzeuge pro Tag gezählt. Knapp acht Prozent davon waren Laster. Die allermeisten kamen aus Richtung Pirna und wollten zur A4. Aber diese Zahlen stimmen längst nicht mehr, ist sich Weiß sicher, weil der Verkehr seit Fertigstellung der Umfahrung von Bonnewitz deutlich zugenommen hat. Das Nadelöhr Bonnewitz hatte viele Brummis veranlasst, auf der Autobahn zu bleiben. Das ist Geschichte.

Der Ortsvorsteher kennt die Stimmung im Dorf und die sei ausgesprochen mies, weil die Wünschendorfer im jahrelangen Hickhack um die S 177 den Eindruck bekommen, dass „hier nichts funktioniert“. Deshalb müsse möglichst bald eine politische Entscheidung her. Zumindest müsse das eine Tonnage-Begrenzung sein, fordert er, befürchtet aber, „auch die wird nicht kommen“.

Deshalb hofft Weiß auf die Unterstützung durch den Landkreis, denn der setze sich beim sächsischen Wirtschaftsministerium für einen schnellen Baustart ein. Das bestätigt auf DNN-Nachfrage Heiko Weigel, Beigeordneter im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. „Dazu finden aktuell Gespräche statt“, erklärt Weigel. Wichtig sei vor allem, dass die zeitaufwändigen Vorbereitungen für den Bau – etwa die Kampfmittelbeseitigung – zügig vorangehen.

Von Bernd Lichtenberger

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