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Umland Arbeitskräftemangel sorgt für ein Millionen-Defizit im Haushalt Radebeuls
Region Umland Arbeitskräftemangel sorgt für ein Millionen-Defizit im Haushalt Radebeuls
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09:24 24.09.2019
Eine Luftaufnahme vom Dichtervierte in Radebeul. Der Stadt gehen die Arbeitskräfte aus. Quelle: Jürgen-M. schulter
Radebeul

Mit einem Foto begann Radebeuls OB Bert Wendsche (parteilos) auf der jüngsten Stadtratssitzung seinen Vortrag über die demografische Entwicklung. Auf einem Schild war vor einer Gaststätte zu lesen: „Heute Ruhetag aufgrund von Mitarbeitermangel“.

Dass Restaurants und Betriebe keine offenen Stellen mehr besetzen können und deshalb ihre Tätigkeit runterfahren oder gar aufgeben müssen, dass Busse, Züge und Straßenbahnen stehen bleiben oder Kitas die Betreuungszeiten reduzieren, weil Personal fehlt, ist ein zunehmendes Problem. „Der demografische Wandel ist das Thema, was alle anderen Themen in den nächsten Jahren überlagern wird“, mahnt das Stadtoberhaupt.

6000 Arbeitskräfte werden fehlen

Seit nunmehr fast zwei Jahren macht Wendsche immer wieder darauf aufmerksam, dass Radebeul, der Landkreis Meißen, Sachsen und Ostdeutschland nicht mit einem Fachkräfte-, sondern mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen haben. Das Wort Fachkräftemangel suggeriere, dass offene Stellen durch Qualifizierung und bessere Bezahlung wieder besetzt werden könnten.

Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche Quelle: Dietrich Flechtner

„Wir haben dagegen einen Arbeitskräftemangel. In den nächsten 31 Jahren werden Radebeul in der Altersgruppe der Beschäftigten, also im Alter von 25 bis 65 Jahren, fast 6.000 Personen fehlen“, darauf weist Wendsche bereits seit Monaten wiederholt hin. Über ein Drittel der derzeit vorhandenen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in der Lößnitzstadt können nicht wieder durch Radebeuler besetzt werden.

Der Grund für diese Entwicklung ist neben der Abwanderung junger Arbeitskräfte in den Nachwendejahren vor allem der gleichzeitig stattgefundene Geburtenknick.

Mehr Renteneintritte als Geburten

Ein Blick auf die Alterspyramide macht dies deutlich. 627 Radebeuler – 306 Frauen und 321 Männer – sind Jahrgang 1964. Sie kamen im bislang geburtenreichsten Jahr in der jüngeren Geschichte Deutschlands auf die Welt. Dagegen haben nur 142 Einwohner – 57 Frauen und 85 Männer – als Geburtsjahr 1993 in ihrem Ausweis stehen. In den Folgejahren steigen die Jahrgangszahlen zwar allmählich wieder, doch die nachrückenden Generationen können den Verlust an Arbeitskräften durch Renteneintritt nicht kompensieren.

Im Schnitt verlassen in den nächsten Jahren 450 Radebeuler jährlich den Arbeitsmarkt, weil sie das Rentenalter erreicht haben. Jedoch die durchschnittlichen Jahrgangsgrößen der heutigen Kinder und Jugendlichen sind mit 346 (sechs bis 18 Jahre) sowie 327 (null bis sechs Jahre) weit geringer. Durch Studium und Ausbildung außerhalb Radebeuls gehen im Schnitt 20 Prozent der jungen Menschen dem heimischen Arbeitsmarkt pro Jahrgang verloren.

Anzahl potenzieller Mütter sinkt

Ein Anstieg der Jahrgangszahlen durch mehr Geburten ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil: durch den Geburtenknick Anfang der 1990er Jahre geht die Anzahl potenzieller Mütter – Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren – in der Zeit von 2009 bis 2025 allein in Radebeul um ein Viertel zurück, sie sinkt von 4162 auf 3200.

Mit einem Schwund an Arbeitskräften hat der gesamte ländliche Raum im Freistaat zu kämpfen. Bis zum Jahr 2025 wird nur für die beiden Großstädte Dresden und Leipzig ein Anstieg der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter prognostiziert. Bei den Landkreisen wird dagegen von einem Rückgang zwischen zehn und fast 20 Prozent ausgegangen. Die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter reduziert sich allein im Kreis Meißen in den kommenden fünf Jahren um 10,7 Prozent. Dies ist eine alarmierende Entwicklung, denn zwei Drittel der Industriearbeitsplätze in Sachsen befinden sich im ländlichen Raum.

Lösungen bislang nicht in Sicht

OB Wendsche machte auf die Folgen des demografischen Wandels für den städtischen Haushalt aufmerksam. Ein Drittel weniger Arbeitskräfte in der Lößnitzstadt lässt die Einnahmen allein aus der Einkommensteuer um rund fünf Millionen Euro sinken. Auch die Erlöse aus Umsatzsteuer und anderen Abgaben reduziert sich um weitere fünf Millionen Euro. Das heißt, die Stadträte müssen sich darauf einstellen, dass ihnen im Vergleich zu heute künftig zehn Millionen Euro weniger an Mitteln für Verwaltung, Betrieb- und Instandhaltungskosten sowie Investitionen zur Verfügung stehen.

Lösungen, wie dem demografischen Wandel begegnet werden kann, gibt es derzeit nicht. Auf dem Arbeitsmarkt sind keine stillen Reserven vorhanden. Im Gegensatz zu den alten Bundesländern gehen Frauen im Osten in der Regel bereits einen Beruf nach. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt stetig. Auch die Zuwanderung fällt in Ostdeutschland weit geringer aus als in den alten Bundesländern.

Von Silvio Kuhnert

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