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Umland Annäherung an barocke Farbenpracht
Region Umland Annäherung an barocke Farbenpracht
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18:02 22.03.2019
Ein Prunkstück von Schloss Moritzburg sind die Goldledertapeten im Monströsensaal. Quelle: Foto: Sebastian Kahnert, dpa
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Moritzburg

Mit Goldledertapeten ließ August der Starke (1670-1733) die Wände in 60 Zimmern von Schloss Moritzburg ausschmücken. Die einst barocke Farbenpracht ist nach rund 300 Jahren verblichen. Doch in der neuen SonderausstellungTapetenwechsel – Das goldene Leder im Schloss Moritzburg“ holen Kuratorin Margitta Hensel und Restauratorin Gabriele Hilsky ab diesen Sonnabend die Strahlkraft des edlen Wandschmucks zurück.

Der Unterschied von einst und heute lässt sich besonders im Zimmer des berühmten sächsischen Barockherrschers erahnen. „Die Ledertapeten in seinem Quartier blieben original erhalten“, berichtet Hilsky. Den Untergrund für die Tapetenmuster hatte man einst mit Silber bearbeitet und anschließend mit Farben und Goldlack verziert. Durch das Silber dunkelte der Wandschmuck über die Jahrhunderte stark nach. Aus Grün wurde Braun. Wie die Farben einst gestrahlt haben müssen, kann auf einer Staffelei in dem Raum besichtigt werden. Dort steht die Rekonstruktion eines einzelnen Lederteils, aus denen die Wandverzierung zusammengesetzt ist. Durch das Studium alter Rezeptsammlungen näherte sich Hilsky der ursprünglichen Farbgebung an, zeichnete sie am Computer nach und druckte sie auf Spezialpapier aus. Dies hat sie auch bei den Tapeten in anderen Ausstellungsräumen unternommen, damit die Besucher durch den Vergleich eine Vorstellung des einstigen Glanz bekommen.

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Auf einer Wandtafel hat Restauratorin Gabriele Hilsky den Unterschied zwischen dem heutigen Zustand (rechts unten) eines Ledertapetenteils und der rekonstruierten barocken Farbgebung veranschaulicht. Quelle: Silvio Kuhnert

Schloss Moritzburg beherbergt bis heute die weltweit größte Sammlung barocker Goldledertapeten. Für das Ausschmücken der Zimmer wurden die kostspieligen und repräsentativen Luxustapeten mit 17 verschiedenen Goldledermuster aus Venedig und den Niederlanden herangeholt. Verziert wurden sie mit Ornamenten und zum Teil auch mit Vogeldarstellungen. Durch die digitalen Farbrekonstruktionen sind alle Moritzburger Muster in der Ausstellung zu sehen.

Die Häute von rund 10000 Ziegen und Rindern hatten die Architekten August des Starken für das Auskleiden der Wände benötigt. In 13 Zimmern blieb der barocke Schmuck erhalten und kann in der Schau besichtigt werden. Die Tapeten in fünf Räumen wurden in den zurückliegenden Jahren restauriert, ein sechstes ist derzeit in Arbeit und die Ausstellungsbesucher können ab Mai werktags den Restauratoren über die Schulter schauen. Im Depot lagern laut Hilsky noch über 4000 Originalteile.

Gleich zu Reginn des Rundganges durch die Dauer- und Sonderschau thematisieren die Ausstellungsmacher die Herstellung von Goldledertapeten, die vom 16. bis 18. Jahrhundert europaweit in Mode waren. Medienstationen geben Auskunft über Materialien, Technologien und Arbeitsgänge.

Öffnungszeiten und Eintrittspreise

Barockausstellung (mit Schatzfund und Federzimmer) sowie SonderausstellungTapetenwechsel – Das goldene Leder im Schloss Moritzburg“: vom 23. März bis 3. November 2019 täglich von 10 bis 18 Uhr; Letzter Einlass: 17 Uhr

Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 6,50 Euro

Gruppentarif ab 15 Personen: 6,50 Euro pro Person

Kinder (von sechs bis 16 Jahren) und Schulklassen sowie Gruppentarif Schüler ab 17 Jahre im Klassenverband: 1 Euro pro Person

Öffentliche Führungen:

täglich 10.30, 12, 14 und 15.30 Uhr; 2 Euro Führungsgebühr zzgl. zum regulären Eintritt

Von Silvio Kuhnert