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Umland 450 Jahre Papiertradition in Königstein
Region Umland 450 Jahre Papiertradition in Königstein
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15:51 28.06.2019
Die Papierfabrik liegt im Bielatal zu Füßen der Festung Königstein. Quelle: Giesecke+Devrient
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Königstein

Der einstige Königsteiner Pfarrer Albrecht Weißenberger schrieb 1577 „unter den Hämmern und Mühlen im Bielatal eine Gießhütte sampt der Pappiermühle“. Sein Bericht war eine Rückschau auf das Jahr 1569 und ist die erste urkundliche Erwähnung der Königsteiner Papiermühle. An diesem Sonnabend blickt mit einem Festakt der Nachfolgebetrieb auf 450 Jahre Papiertradition zurück. Königstein zählt damit zu den ältesten aktiven Papierstandorten in Deutschland.

Die Papierfabrik im Bielatal gehört seit 1991 zum Sicherheitskonzern Giesecke+Devrient. 1997 verschmolz das Unternehmen den Betrieb mit seiner Tochtergesellschaft Louisenthal, einem international tätigen Hersteller von Banknoten- und Sicherheitspapier sowie Sicherheitselemente mit Sitz in Gmund am Tegernsee. Die Zahl der Mitarbeiter ist in Königstein von 217 in 1991 auf jetzt 320 gestiegen. Sie stellen im Jahr circa 13 000 Tonnen Papier her und tragen somit über die Hälfte zur jährlichen Gesamtproduktionsmenge bei Louisenthal von rund 22 000 Tonnen bei.

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Die Königsteiner sind spezialisiert auf die Herstellung von Papier für Geldscheine. „Louisenthal beliefert mehr als 100 Länder mit Banknoten- und Sicherheitspapier“, informiert Werksleiter René Steiger. 2009 investierte Giesecke+Devrient in eine neue Rundsiebpapiermaschine, bis heute einer der modernsten und produktivsten Papiermaschinen weltweit. Allein durch die neue Maschine und die damit verbundene Werkserweiterung sind rund 60 neue Stellen und mehr als zehn zusätzliche Ausbildungsplätze entstanden. „Und wir wachsen weiter“, sagt Steiger.

Die PM 4 steht seit 2009 in der Werkshalle. Sie ist heute noch eine der modernsten Papiermaschinen weltweit. Quelle: Stefan Schiefer, Giesecke+Devrient

In Zeiten von Geld- und Kreditkarten, Online-Banking und der Möglichkeit, mit dem Smartphone zu bezahlen, stellt sich allerdings die Frage, ob bei der Spezialisierung auf Banknotenpapier die Papierherstellung Zukunft für weitere 450 Jahre in Königstein hat. Steiger erinnert an die Debatten zu Beginn der Digitalisierung: „Mit der starken Verbreitung der Computer wurde vor zig Jahren überall von der papierlosen Gesellschaft gesprochen. In Wirklichkeit wird heute mehr denn je Papier produziert.“

Die Weltbevölkerung, vor allem in Bargeld-orientierten Schwellen- und Entwicklungsländern, wachse rasant. „Auch aus diesem Grund ist Bargeld ein Wachstumsprodukt“, so Clemens Berger, Vorsitzender der Geschäftsführung Louisenthal. „Jedes Jahr steigt die Bargeldmenge im Umlauf durchschnittlich um circa fünf Prozent“, führt Berger weiter aus.

Königstein gehört über Louisenthal zum Geschäftsbereich Currency Technology (CT) von Giesecke+Devrient. CT machte im vorigen Jahr einen Umsatz von 1,059 Milliarden Euro, 2017 waren es 1,017 Milliarden Euro. „Wir gehen davon aus, dass wir das gute Gruppenergebnis von 2018 wieder erreichen“, sagt Steiger in Bezug auf die Umsatzerwartungen für dieses Jahr.

Von Silvio Kuhnert