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Umland 1879 kamen in Freital 276 Bergleute ums Leben – Ausstellung auf Schloss Burgk
Region Umland 1879 kamen in Freital 276 Bergleute ums Leben – Ausstellung auf Schloss Burgk
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12:43 16.07.2019
Die Schau widmet sich auch der Nachgeschichte und dem Gedenken an das Grubenunglück vom 2. August 1869. Quelle: Repro: Grubenunglück in Freital
Freital

„Die Frau hatte keine Tränen, mit versteinertem Antlitz zog sie ihren Passionsweg, aber dieser stumme Schmerz, die ergreifende tränenlose Verzweiflung, sie waren erschütternd und haben sich in meinem Gedächtnis unauslöschlich eingebrannt. (…) ,Die Frau dort’, flüsterte mir der alte Bergmann zu, ,hat mit einem Schlag den Mann, drei Söhne und drei Brüder verloren. Sie ist von Niederhäslich am südlichen Fuße des Windbergs“ – so eine von vielen Nachrichten, die die Leser der Zeitschrift „Gartenlaube“ 1869 zum Unglück am 2. August des Jahres lesen konnten.

Schlagwetter-Explosionen im „Segen Gottes“- und „Neue Hoffnungs“-Schacht

So wurde zum Grubenunglück auch festgehalten: „...die Körper, welche die Dampfmaschine jetzt emporwindet, gehörte den Opfern des Neue Hoffnung-Schachtes an. (…) Sie waren weniger verbrannt, verkohlt, zerrissen, zerschlagen. (…) die Leiber hielten noch zusammen in ihrer Grubenkleidung (…), [waren] aber von der Verwesung, welche in weitem Umkreis ihren Pesthauch entsandte (…) oft genug bis zur Unkenntlichkeit zersetzt und zerflossen“.

150 Jahre ist das Grubenunglück her, entsprechend widmen sich die Städtischen Sammlungen Freital in Schloss Burgk noch bis 4. August diesem einschneidenden Ereignis der Stadtgeschichte, bei dem 276 Bergleute bei Schlagwetter-Explosionen im „Segen Gottes“- und „Neue Hoffnungs“-Schacht ihr Leben verloren.

Erhellt wird zum einen, wie es zur Katastrophe kam, aber auch, wie der Opfer dann gedacht wurde. Eine Welle der Solidarität setzte damals ein. So ist etwa in der Chronik der Festung Königstein notiert: „Heute fand hier zum Besten der Hinterlassenen der bei Dresden verunglückten Bergarbeiter ein Konzert statt. Der Ertrag wurde an den Kommissionrat Hartmann in Dresden zur weiteren Verfügung eingesendet...“

209 Witwen und vaterlose 484 Kinder

Wie zu lesen ist, wusste man anfangs lange nicht, wie viele Opfer das Unglück gekostet hatte, „weil von den etwa 400 zur Frühschicht eingeteilten Personen, über 100 Bergleute vom sonntäglichen Besuch der Dresdner Vogelwiese stark gezeichnet, den Schichtbeginn versäumt hatten“. So dauerte es, die exakte Opferzahl festzustellen. Der jüngste Tote war ein 15-jähriger Grubenjunge aus Burgk, der älteste ein Zauckeroder Hauer von 65 Jahren.

Wie die Schau vermittelt, hinterließen die gestorbenen Bergarbeiter 209 Witwen und 484 Kinder unter 14 Jahren, außerdem gab es viele alte und gebrechliche Leute, die nun ihren Unterstützer verloren hatten. Bereits am 3. August trat im Döhlener Gasthof „Rote Schänke“ ein Zentralkomitee zusammen, das über die Zahlungen der von Burgkschen Knappschaftskasse hinaus öffentliche Spendensammlungen zur Unterstützung der Hinterbliebenen organisierte. Diesem Gremium gehörten überregional einflussreiche Persönlichkeiten, Direktoren von Banken, Bergwerks- und Industrieunternehmer sowie die Gemeindevorstände der betroffenen Ortschaften an. Etwa ein Drittel der Bergleute stammte aus den Orten Deuben und Burgk, je mehr als zehn Tote kamen aus Niederhäslich, Potschappel, Döhlen, Kleinnaundorf und Neucoschütz.

Kronprinz und Prinzessin am Unglücksort

Nicht nur aus dem Inland trafen Spenden ein, sondern auch aus anderen europäischen Ländern, ja sogar aus den USA und Australien. Es gab ansehnliche Einnahmen wie die eines Benefizkonzerts der im Holsteinschen beheimateten „Itzehoer Liedertafel 1841, aber auch kleine Spenden, wie die Pfennige, die sich eine ansonsten bettelarme, aber eben helfen wollende Potschappelerin vom Munde abgespart hatte.

Die Spendenbereitschaft schuf einen veritablen Hilfsfonds von etwa 470.000 Talern. Mit dem bei der Altersrentenbank angelegten Vermögen entwickelte das Zentralkomitee 1871 einen 20 Jahre laufenden Verteilungsplan, welcher je nach Dienststellung, Lebensalter und Verwandtschaftsverhältnis zum Opfer gestaffelte Unterstützungen auswies. Diese reichten von zehn Talern lebenslangem, monatlichen Auszahlbeitrag an eine Beamtenwitwe bis zu 1,5 Talern an jugendliche Doppelwaisen. Die wirtschaftliche Betreuung des Unterstützungsfonds übernahm der Direktor der Gußstahlfabrik Döhlen, Richard Grahl, der für diese Tätigkeit das Ritterkreuz des Alterordens erhielt.

Noch am Tag des Unglücks war, wie darlegt wird, der sächsische Kronprinz Georg an den Ort der Katastrophe gereist, um sein Mitgefühl zu bekunden. Tags darauf erschienen die sächsischen Minister für Kultus, Justiz und Finanzen. Sachsens Kronprinzessin Carola reiste am 6. August nach Deuben, um sich dort beim zuständigen Pfarrer und Gemeindevorstand sowie bei den Damen des humanitär wirkenden Albertvereins nach Hilfsmöglichkeiten für die Familien zu erkundigen.

Wer war Schuld?

Heikel war die Schuldfrage: Die Werksadministration ließ, wie bei derartigen Unglücksfällen üblich, durch den technischen Direktor, Obereinfahrer Zobel, das Freiberger Oberbergamt benachrichtigen. Noch am selben Tag nahm eine hochrangige bergamtliche Untersuchungskommission die Arbeit auf.

Elf Tage lang wurden Überlebende befragt (es gab deren fünf), wurden Administrationsvorgänge sowie die für das Unglück relevanten technischen Gegebenheiten kontrolliert. Zur Sprache kamen das Fehlen von Barometern, die Behinderung des Wetterzuges durch temporäre Arbeitsbühnen im „Neue Hoffnung“-Schacht sowie unregelmäßige Wetterstockungen auf der Tagesstrecke des Oberen Reviers. Letztlich kam man zum Schluss, dass man „weder einem Arbeiter noch einem Grubenbeamten, noch der technischen Oberleitung eine vorschriftswidrige Handlung, Anordnung oder Unterlassung beimessen“ könne, welche die Katastrophe veranlasste.

Entlastet war auch der Baron von Burgk. So ist verbürgt, dass sich ein Burgker Bergarbeiter namens Thiemann mit einem Fremden prügelte, der die Beamten der Burgker Steinkohlenwerke schlecht machte und den Baron einen Halunken nannte. Auch die Pfarrer von Döhlen und Pesterwitz versuchten, von ihren Kanzeln die vom Unglück betroffenen Freiherren von Burgk, welche ihnen als Kirchenpatronatsherren nahestanden, zu verteidigen und die Bevölkerung zu beruhigen.

Ein Denkmal für die Opfer

Die Arbeit ergab unter anderem auch, dass 141 Männer direkt den Folgen der Explosionen erlegen waren – und 135 Bergleute teilweise qualvoll in den darauffolgenden Stunden erstickt sein müssen. Die Identifizierung gestaltete sich schwierig, der Hauer Peter Noack konnte, wie eine Beschreibung vermittelt, bei der Bergung anhand „einer birkenen Tabakdose“ in der Lichttasche, einem blaugedruckten Brottuch aus einer Schürze und zwei großen neu aufgenähten Flecken auf dem rechten Hosenbein identifiziert werden.

Ein Jahr nach dem Unglück, am 2. August 1870, wurde ein Denkmal für die Opfer, eingeweiht. Es befindet sich in Kleinnaundorf in der Siedlung „Am Segen“. In der Mitte der parkähnlichen Anlage befindet sich ein Sandsteinobelisk mit der Inschrift: „Dem Andenken der Beamten und Arbeiter gewidmet, welche treu ihrem Berufe in der Tiefe der Erde am 2. August 1869 verunglückten.“ Um die Stele sind halbkreisförmig Tafeln angeordnet, die Namen und Alter aller Verunglückten tragen. Die gesamte Anlage steht als orts- und bergbaugeschichtlich bedeutend sowie als Teil der denkmalpflegerischen Sachgesamtheit „Bergbaumonumente Freital“ unter Denkmalschutz.

Ausgestellt sind allerlei Fotos zum Monument wie auch Stiche bei der Einweihung, aber auch „poetische Gedanken“. In einem Gedicht heißt es unter anderem: „Fast an dreihundert Leute, / Manch Vater, mancher Sohn, / Sie wurden hier die Beute / Des Todes frühe schon. / Sie wurden All’ erschlagen / Von bösen Wettern schnell / Und soll für sie nun ragen / Ein Denkmal hoch zur Stell’.“

Bis 4.8., Dienstag bis Freitag, 13 bis 16 Uhr, Sa. u. So. 10 bis 17 Uhr

Von Christian Ruf

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