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Umland 140 Hektar großer Gewerbepark bei Pirna wird zum Streitobjekt
Region Umland 140 Hektar großer Gewerbepark bei Pirna wird zum Streitobjekt
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12:00 30.01.2019
Anwohner und Umweltschützer demonstrieren gegen den Industriepark Oberelbe. Dahinter laufen die Maschinen für die Probebohrungen. Quelle: Daniel Förster
Pirna

Trotz Schneeschauern und eiskaltem Wind laufen die schweren Maschinen auf dem Acker zwischen Pirna, Heidenau und Dohna. Zentimeter für Zentimeter dringt der Bohrkopf in den gefrorenen Boden ein. Seit vergangener Woche durchlöchert das „Bohrunternehmen Hubert“ das Areal am Autobahnzubringer, um den Baugrund zu erkunden. Denn dort, wo heute noch Landwirtschaft betrieben wird, soll ein großes Gewerbegebiet entstehen – der Industriepark Oberelbe (IPO).

Bohren für ein 3D-Modell

Jürgen Opitz (CDU), Vorsitzender des gegründeten IPO-Zweckverbandes und Bürgermeister von Heidenau, hat sich am Dienstag vor Ort ein Bild von den Arbeiten gemacht. „Die 15 Bohrungen sollen bis zum En­de der Woche durchgeführt werden. Dann lassen wir das entnommene Gestein auf seine Zusammensetzung untersuchen“, erklärte Opitz. Die gewonnenen Daten sollen bis März in ein digitales Geländemodell eingearbeitet werden. Das Modell wiederum bildet die Grundlage für die weitere Planung des Industrieparks. Die Erschließung des Geländes soll ab 2021 erfolgen, die Ansiedlungsphase für Firmen zwischen 2023 und 2027.

Die entnommenen Gesteinsproben sollen auf ihre Zusammensetzung untersucht werden. Quelle: Daniel Förster

Der IPO ist in den vergangenen Monaten zum Politikum geworden, zur 140 Hektar großen Streitfläche. Die Kommunen Pirna, Heidenau und Dohna halten trotz Erschließungskosten in Höhe von etwa 110 Millionen Euro an dem interkommunalen Industriepark fest. Sie sehen in dem Projekt große wirtschaftliche Chancen – immerhin sollen bis zu 3000 neue Arbeitsplätze entstehen und große Investoren an Land gezogen werden. Doch innerhalb der Bevölkerung regt sich Unmut, vereinzelt gar aktiver Widerstand. Die IPO-Gegner sind unterschiedlich organisiert, mit verschiedenen Zielen und Argumenten.

Protest gegen den Industriepark

Einige Kritiker des Großprojekts protestierten am Dienstag unweit des Autobahnzubringers gegen den IPO. Unter ihnen waren besorgte Anwohner, Landwirte, Vertreter des Naturschutzbundes und der Bürgerinitiative Oberelbe. „Stoppt Industriepark“ stand auf einem gebastelten Plakat, „Grün statt Beton“ auf ei­nem anderen.

Die IPO-Gegner kritisieren, dass der Ackerboden einer derart großen versiegelten Betonfläche weichen soll. „Stattdessen sollten lieber bestehende Industriebrachen in Heidenau aufgewertet werden“, fordert Sebastian Schmidt vom NABU. „Dann könnten sich dort Firmen neu ansiedeln.“

Landwirt Frank Schnutz ist gleicher Meinung. Rund 20 Prozent seiner Felder liegen auf dem geplanten IPO-Areal. „Die Politiker begreifen nicht, dass diese landwirtschaftlichen Nutzflächen für immer verschwinden, wenn sie einmal mit Beton versiegelt sind“, meinte Schnutz. Die betroffenen Landwirte be­fürchten zudem, dass der Zweckverband ihre Ackerflächen enteignet, wenn diese nicht verkauft werden.

Der betroffene Landwirt Frank Schnutz sieht den Industriepark kritisch, zumal landwirtschaftliche Nutzflächen für immer verschwinden würden, sagt er. Quelle: Daniel Förster

Opitz versuchte zu besänftigen: „Wir sind mit den Eigentümern in Verhandlung und werden über die Konditionen sprechen.“ Die Kommunen dürfen die Flächen laut Satzung des Zweckverbandes zwar tatsächlich enteignen, Opitz betonte jedoch: „Das wäre die denkbar schlechteste Lösung. Wir wollen nicht gegen, sondern mit den Landwirten arbeiten.“ Der Zweckverband will neben dem großen Industrieareal rund 100 Hektar Ausgleichsfläche schaffen. Wanderwege sollen konzipiert, Bäume neu gepflanzt und geschützte Wiesen angelegt werden.

Kirche besorgt um Totenruhe

Damit sind aber noch nicht alle Sorgen aus der Welt geschafft. Mittlerweile hat sich auch die Evangelisch-Lutherische Kirchgemeinde Pirna zu Wort gemeldet. Mit dem Bau des IPO könnte die Totenruhe auf dem Pirnaer Friedhof durch zunehmende Verkehrsbelastung gestört werden, heißt es in einer Stellungnahme. Denn die Dippoldiswalder Straße, die an das Friedhofsareal angrenzt, soll als Verbindungstrasse zwischen Pirna und dem IPO fungieren.

Außerdem sorgt sich die Gemeinde um den parkartigen Charakter des Friedhofs. Insbesondere die Vogelwelt, der Wasserhaushalt und die Kaltluftströme dürften durch den IPO nicht beeinträchtigt werden. „Der Friedhof muss ein Ort würdigen Gedenkens bleiben, die Erholungsfunktion muss gewähr­leistet bleiben“, fordert der Kirchenvorstand.

Bürger haben Mitspracherecht

Die Kommunen lassen die Bürger indes am Planungsprozess teilhaben. Nach dem Vorentwurf des Bebauungsplans sowie nach der Erarbeitung des Entwurfs können Bürger ihre Stellungnahme abgeben, die bei der weiteren Planung zu prüfen ist. Auch die Diskussion bei den Infoabenden ist seitens der Kommunen weiterhin erwünscht. Die nächste Veranstaltung findet am 12. Februar, 18.30 Uhr, in der Aula der Oberschule Dohna statt. Ein weiterer Infoabend ist am 19. März, 19 Uhr, im Pestalozzi-Gymnasium Heidenau geplant.

„Allen drei Kommunen war von Beginn an eine frühzeitige Kommunikation über dieses Projekt wichtig. Dass es mehr als eine Meinung gibt, steht außer Frage“, sagte Opitz. „Wir müssen abwägen, ob wir Wachstum brauchen oder ob wir Landwirtschaft zur heiligen Kuh machen. Die politische Entscheidung über den IPO muss letztendlich auf den Fakten beruhen, die auf dem Tisch liegen.“

Von Junes Semmoudi

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