Würgegriff vor Leipziger LVB-Straßenbahn: Was wir wissen – und was nicht
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Würgegriff vor Leipziger LVB-Straßenbahn: Was wir wissen – und was nicht

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18:00 20.07.2020
LVB Straßenbahnlinie 7 an der Haltestelle Am Waldplatz in der Jahnallee in Leipzig Foto: Andre Kempner
LVB Straßenbahnlinie 7 an der Haltestelle Am Waldplatz in der Jahnallee in Leipzig Foto: Andre Kempner Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Die Leipziger Polizei ermittelt weiterhin zu einem Vorfall in und vor einer Leipziger Straßenbahn am Donnerstagabend, der damit endete, dass ein 56 Jahre alter Kontrolleur der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) einen 28-jährigen Fahrgast im Würgegriff am Boden hielt. Ein Video des Geschehens, das zwei Redakteure des Stadtmagazins Kreuzer am Freitag auf Twitter veröffentlichen, sorgte am Wochenende in Leipzig und darüber hinaus für Gesprächsstoff und harsche Kritik an den LVB, die den Kontrolleur noch am Freitag suspendierten.

Die Polizei ermittelt seitdem wegen des Anfangsverdachts der gefährlichen Körperverletzung gegen den Kontrolleur – aber auch wegen weiterer Delikte, sowohl gegen den 28-Jährigen als auch seine 27 Jahre Begleiterin sowie gegen Unbekannt. Noch würden Zeugenaussagen und Videos ausgewertet, informierte Polizeisprecher Olaf Hoppe am Montag über den Zwischenstand der Ermittlungen. Nach aktuellem Erkenntnisstand stelle sich die Lage wie folgt dar:

Am Donnerstagabend wurden der aus Australien stammende, seit 2019 in Leipzig lebende 28-Jährige sowie seine 27 Jahre alte, isländische Begleiterin in einer Straßenbahn der Linie 7 einer Fahrscheinkontrolle unterzogen. Beide konnten kein gültiges Ticket vorweisen, ebenso führten sie keine Ausweise mit sich, sodass die Identität der beiden vor Ort nicht festgestellt werden konnte. Wie in solchen Fällen üblich, wurde deshalb die Polizei von den Kontrolleuren gerufen. Um 17.47 Uhr ging ein entsprechender Anruf bei der Behörde ein, in dem auch berichtet wurde, die Fahrgäste würden sich „renitent“ verhalten, sich also unkooperativ zeigen. Die Polizei schickte daraufhin einen Streifenwagen zur Haltestelle Waldplatz.

Keine Hinweise auf körperliche Auseinandersetzung in der Bahn

Hinweise auf eine körperliche Auseinandersetzung innerhalb der Straßenbahn gebe es nach aktuellem Stand nicht, so Hoppe. Vor der Bahn hingegen soll der 28-Jährige versucht haben, zu fliehen. Was genau dann geschah, muss nun noch geklärt werden. Fest steht, dass der Australier im Würgegriff des Kontrolleurs am Boden landete. Mehrere Passanten, darunter zwei Redakteure des Kreuzers, waren vor Ort und versuchten die Situation aufzulösen, indem sie auf den Kontrolleur einredeten. Der ließ jedoch erst von dem 28-Jährigen ab, als dieser schon rot angelaufen war und einer der Passanten die Polizei rief. Dieser Notruf wurde fünf Minuten nach dem ersten registriert. Im Zuge dessen wurde auch ein Rettungswagen angefordert. Als die Beamten vor Ort waren, hatte sich die Situation bereits aufgelöst.

Ermittelt wird nun nach wie vor gegen den 56-Jährigen wegen des Anfangsverdachts der gefährlichen Körperverletzung. Gegen den 28-Jährigen wurde vor Ort ebenfalls eine Anzeige wegen Körperverletzung – wohl gegen den Kontrolleur – aufgenommen. Gegen ihn und seine Begleiterin wird zudem wegen des Erschleichens von Leistungen ermittelt. Und außerdem gegen Unbekannt: Ein Fahrkartenkontrollgerät soll vor Ort entwendet worden sein und sei bis heute nicht wieder aufgetaucht.

Unklar ist weiterhin, ob sich der 28-Jährige vor der Bahn körperlich zur Wehr setzte oder den Kontrolleur gar attackierte, bevor es zum Würgegriff kam, oder ob der Griff nur angesetzt wurde, weil der Fahrgast sich vom Ort entfernen wollte. Dies müssen nun weitere Ermittlungen und Zeugenbefragungen klären.

Von LVZ