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Polizeiticker Mordprozess in Bayreuth: Starb Sophia erst in Frankreich?
Region Polizeiticker Mordprozess in Bayreuth: Starb Sophia erst in Frankreich?
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20:41 24.07.2019
Blick auf die Richterbank beim Mordprozess Sophia in Bayreuth. In der Mitte: Leitender Richter Bernhard Heim. Quelle: Matthias Puppe
Bayreuth/Leipzig

Am zweiten Prozesstag im Mordfall der Leipziger Tramperin Sophia in Bayreuth ist der Andrang der Medien im Landgericht verebbt. Statt der zahlreichen Korrespondenten und Fotografen aus allen Teilen der Republik füllt sich der Zuschauerraum mit Interessierten – darunter sind viele junge Frauen.

Denn in der Verhandlung geht es nicht nur um ein grausames Kapitalverbrechen, es geht vor allem auch um brutale Gewalt gegen Frauen. Am Mittwoch bekommen die Zuhörenden viele Fakten dazu präsentiert – und eine handfeste Überraschung. Starb Sophia nicht wie bisher vermutet in Deutschland?

Dass der Angeklagte Lkw-Fahrer Boujemaa L. die 28-jährige Studentin getötet hat, steht schon seit Prozessauftakt außer Frage. Von Mord, von vorsätzlicher Gewalt gegen die Leipzigerin, will er allerdings nichts wissen. Er streitet auch vehement den Vorwurf ab, eine sexuelle Zurückweisung könnte Auslöser des Blutbads gewesen war. Vielmehr behauptet er, die 28-Jährige habe ihn zuerst geschlagen. Es soll nach strafmildernder Affekthandlung klingen.

Zwei Angriffe – späterer Todeszeitpunkt

Die Fakten, die am Mittwoch im Gerichtssaal vom Bayreuther Chefermittler Peter Biersack präsentiert werden, sprechen eine andere Sprache – widerlegen die Angaben des Marokkaners in entscheiden Stellen. Biersack zitiert unter anderem aus dem Gutachten der spanischen Rechtsmedizinerinnen, in dem auch von multiplen Schlägen mit einem stumpfen Gegenstand gegen den Kopf die Rede ist – die zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten niedergingen.

Zwischen diesen Attacken wurde die 28-Jährige nachweislich an Armen und Beinen gefesselt, vielleicht damit sie sich nicht wehren oder flüchten kann. Erst die Schläge nach dieser Fesselung waren tödlich. Das stützt den Vorwurf der Vorsätzlichkeit.

Wann und wo starb Sophia?

Für überraschte Gesichter sorgt Biesack dann beim Zitieren des errechneten Todeszeitpunkts, der laut spanischer Ärzte frühestens fünf Tage und spätestens vier Tage vor Auffinden der Leiche liegt. Das bedeutet, Sophia starb erst zwischen dem 16. und 17. Juni irgendwo in Frankreich und nicht wie vom Angeklagten behauptet, schon direkt am Abend des 14. Junis auf dem Rastplatz Sperbes in Deutschland.

„Das ist eine Offenbarung der polizeilichen Arbeit, eine Demonstration des polizeilichen Versagens“, sagt Sophias Bruder Andreas im Anschluss an die Verhandlung. Seit Sophias Verschwinden kritisiert er die Behörden in Leipzig und Franken scharf, die viel zu behäbig gearbeitet hätten.

Angeklagter fotografierte heimlich Frauen

Der angeklagte Boujemaa L. blickt bei Biersacks Worten zu Boden, schlägt die Hände über den Kopf. Später werden noch Fotos und Videobilder aus dem Mobiltelefon des 42-Jährigen gezeigt. Vieles wurde unwiderruflich gelöscht – nicht aber heimlich gemachte Fotos von anderen Frauen auf einem Rastplatz nördlich von Leipzig.

Aktivisten haben zum Prozessauftakt vor dem Gericht gegen Sexismus und Gewalt an Frauen demonstriert. Quelle: Daniel Karmann/dpa

Zu den gelöschten Dokumenten gehörte offenbar auch ein sogenanntes „Secret Video“, bei dem nicht zu erkennen ist, das gerade überhaupt gefilmt wird. Der Chefermittler bestätigt dies erst auf Nachfrage von Sophias Bruder Andreas.

Urteil im September erwartet – auch Leipziger Zeugenaussagen

Zuvor hatte Bierack über Stunden minutengenau den Zeitablauf der Geschehnisse rekonstruiert. Insgesamt 34 Mal war der Angeklagte nach Sperbers noch angehalten, holte sogar Waren bei Kunden ab. Für die Verteidigung sind dies Indizien gegen ein planvolles Vorgehen des Angeklagten.

Am kommenden Montag wird der Prozess im Bayreuther Landgericht fortgesetzt, unter anderem stehen Videoaufnahmen von früheren Vernehmungen des Angeklagten auf dem Programm.

Später sollen weitere Zeugen und Sachverständige gehört, auch sächsische Beamte werden zu ihren Ermittlungen aussagen. Nicht zuletzt werden die spanischen Rechtsmedizinerinnen per Video zugeschaltet. Mit einem Urteil im Verfahren wird am 18. September gerechnet.

Von Matthias Puppe

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