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Polizeiticker „Der Teufel hat mich überredet“ – Lkw-Fahrer gesteht Tötung an Leipziger Tramperin
Region Polizeiticker „Der Teufel hat mich überredet“ – Lkw-Fahrer gesteht Tötung an Leipziger Tramperin
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16:38 23.07.2019
Der Angeklagte Boujemaa L. im Gerichtssaal in Bayreuth. Quelle: Matthias Puppe
Bayreuth/Leipzig

Bayreuth putzt sich heraus, freut sich auf die Wagner-Festspiele. Während Touristen aus aller Welt zum musikalischen Singspiel an den grünen Hügel strömen, zeigen sich in der Stadt allerdings auch menschliche Abgründe – die kein Schauspiel, sondern bedrückende Realität sind. Seit Dienstag muss sich am Bayreuther Landgericht der 42-jährige Lastwagenfahrer Boujemaa L. wegen Mordes verantworten. Generalstaatsanwältin Sandra Staate wirft dem Marokkaner vor, die trampende Leipziger Studentin Sophia im Sommer 2018 mit roher Gewalt getötet und später auf einem Feld in Spanien verbrannt zu haben.

Boujemaa L. hat die Tat bereits zugegeben, legte auch zum Prozessauftakt im Gericht – im Angesicht der Eltern des Opfers – ein umfangreiches Geständnis ab und bat die Angehörigen um Entschuldigung. Die grausigen Details zum Ablauf, die Richter Bernhard Heim danach beim Angeklagten erfragte, ließen diese Abbitte schnell vergessen.

Angeklagter entschuldigt sich

Hager, gebückt, mit Fußfesseln an den Beinen betrat der 42-Jährige den Gerichtssaal. Kein Versuch, das Gesicht vor den Fotografen zu verstecken, so wie es Angeklagte sonst häufig tun. Boujemaa L. ist klar: Er wird für sehr lange Zeit ins Gefängnis müssen. Wie lange, das wird bis Mitte September an insgesamt zwölf Verhandlungstagen zu klären sein.

Die Generalstaatsanwältin wirft dem Mann kaltblütigen Mord vor, die Strategie der Verteidigung lässt eine Affekthandlung vermuten. Boujemaa L. soll Sophia am 14. Juni 2018 als Tramperin am Rastplatz Schkeuditzer Kreuz in Richtung Heimat im fränkischen Amberg mitgenommen haben. An einem Haltepunkt an der A9, so die Ermittlungen, wurde er sexuell übergriffig „und verging sich an unbekannter Weise an Sophia“. Die Studentin sei dabei verletzt worden. Der Lkw-Fahrer fesselte die 28-Jährige und dann „tötete er sie an einem nicht mehr genau feststellbaren Ort“ – weil er eine Anzeige fürchtete, so die Oberstaatsanwältin weiter.

Angeklagter schlägt mit Ratschenschlüssel zu

Am Dienstag im Gericht füllte der Angeklagte das noch Unbekannte bereitwillig mit Erklärungen, bestreitet allerdings vehement jegliche sexuelle Handlungen. „Sie war eine nette Frau“, sagt er eingangs seiner Ausführungen. Sophias Eltern nahmen dies und das Folgende fast regungslos zur Kenntnis. Boujemaa L. will der 28-Jährigen Bilder seiner Familie gezeigt, später auch einen Kaffee ausgegeben haben. Als er auf dem Rastplatz Sperbes (Franken) dann den Lastwagen kurz verließ, habe sich Sophia entspannt einen Joint angesteckt.

Als er wiederkam, soll die Situation plötzlich und unerwartet eskaliert sein. Die Studentin habe ihn beschuldigt, ihr Marihuana gestohlen zu haben. Es kam zum Streit, die 28-Jährige soll ihm sogar ins Gesicht geschlagen haben, behauptet er. Boujemaa L. reagierte mit einem Ratschenschlüssel – ein metallenes Werkzeug, wie es zum Festziehen von Radmuttern verwendet wird.

Wegen des Mordes an Sophia Lösche aus Leipzig steht ein Lkw-Fahrer aus Marokko vor dem Landgericht in Bayreuth. Ein Rückblick auf den Fall.

Der 42-Jährige schlug laut eigener Angaben auf den Kopf der Tramperin ein, die auf den Boden fiel und noch versuchte, ihn von weiteren Schlägen abzuhalten. „Ich habe sie viermal, fünfmal, vielleicht siebenmal geschlagen. Ich weiß es nicht mehr genau“, stammelte der 42-Jährige unter Tränen. Richter Heim fügte später hinzu: „Der Schädel wurde dabei zertrümmert.“

Der Angeklagte bestreitet dennoch, den Tod der Tramperin tatsächlich im Sinn gehabt zu haben. „Ich dachte, sie ist nur ohnmächtig“. Irgendwann sei ihm aber das viele Blut im Fußraum aufgefallen, behauptet er. Er zog Sophia komplett aus, fesselte sie mit einer Wäscheleine, säuberte mit ihren Textilien die blutüberströmte Fahrerkabine und hob die leblose junge Frau ins Schlafabteil. Was folgte, war eine Odyssee. Von angeblichen Gewissensbissen geplagt habe er lange mit sich gerungen, ehe er Sophia und Beweise beseitigen wollte. Er fuhr tagelang weiter durch Deutschland, anschließend durch Frankreich – immer mit dem Leichnam im Gepäck.

Leichnam mit Benzin übergossen

In Nordspanien wurde die 28-Jährige letztlich gefunden. „Der Teufel hat mich überredet“, gab der Angeklagte zu Protokoll. Er hievte den Leichnam laut Ausführungen an einer Tankstelle in der Provinz Alava ins Feld, entzündete ihn und fuhr weiter „pflichtbewusst“ in Richtung seiner Spedition ins marokkanische Tanger – angeblich weil sein Chef das verlangt habe.

Ein Motorschaden habe der Reise dann in Südspanien dennoch ein Ende gesetzt, sagt Boujemaa L. Das Fahrzeug fing sogar Feuer, der Wagen brannte aus, die spanische Polizei nahm ihn fest – auch weil in Deutschland inzwischen ein Haftbefehl bestand.

Wie dieser zustande kam und ob die Behörden in Sachsen und Bayern möglicherweise zu langsam ermittelten, soll in den folgenden Verhandlungstagen geklärt werden.

Bruder der Getöteten bezweifelt Aussagen

Andreas, Bruder der Getöteten und zusammen mit seinen beiden Eltern Elisabeth und Johannes Nebenkläger im Prozess, zeigte sich am Dienstag enttäuscht über den Prozessauftakt. „Heute haben wir erlebt, was der Verteidiger Karsten Schieseck schon im Vorfeld angekündigt hatte: Eine Märchenstunde aus ’Tausendundeiner Nacht’. Wir sind von der Wahrheit noch ganz weit entfernt“, sagte er zum Abschluss des ersten Verhandlungstages.

Er sei aber hoffnungsvoll, dass durch die Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen in den kommenden Tagen die Wahrheit doch noch ans Licht komme.

Von Matthias Puppe

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