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Polizeiticker Der Fall Josefine in Aschersleben: Haftbefehl wegen Totschlags gegen 14-Jährigen erlassen
Region Polizeiticker

Aschersleben: Josefine (14) tot - Polizei vermutet Verbrechen an 14-Jähriger

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17:58 11.11.2021
Sachsen-Anhalt, Aschersleben: Blumen, Kerzen, Bilder und Stofftiere liegen am Holzmarkt um ein Denkmal. Seit dem Vormittag kommen Menschen in die Innenstadt, um dort der getöteten 14-Jährigen zu gedenken und um Blumen niederzulegen oder Kerzen zu entzünden.
Sachsen-Anhalt, Aschersleben: Blumen, Kerzen, Bilder und Stofftiere liegen am Holzmarkt um ein Denkmal. Seit dem Vormittag kommen Menschen in die Innenstadt, um dort der getöteten 14-Jährigen zu gedenken und um Blumen niederzulegen oder Kerzen zu entzünden. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
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Aschersleben

Jugendliche weinen und umarmen sich, Männer und Frauen neigen ihre Köpfe: Auf dem Holzmarkt in Aschersleben im Salzlandkreis haben am Donnerstag Hunderte ihre Trauer über den Tod der zuvor vermissten 14-jährigen Josefine zum Ausdruck gebracht. Sie zündeten Kerzen an, legten Blumen und Stofftiere nieder. In einem gerahmten Brief heißt es: „Viel zu früh wurdest du aus dem Leben gerissen.“ In einem anderen: „Für immer beste Freunde.“

Am Vortag war die Leiche des Mädchens in einem riesigen Garagenkomplex, der trostlos und verfallen zwischen Industriegebiet und Friedhof liegt, gefunden worden. Die wenigen Passanten und Garagennutzer, die sich am Donnerstagmorgen in das Gebiet verirrten, waren bestürzt. Laut Polizei haben die Ermittlungen „auf die Spur von zwei 14-jährigen deutschen Jugendlichen geführt“.

Gegen einen der Verdächtigen wurde wegen Verdachts auf Totschlag ein Haftbefehl durch das Amtsgericht Magdeburg erlassen. Der andere Jugendliche wurde jedoch wegen mangelnder Beweise aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen. Weitere Auskünfte werden unter Berücksichtigung des Alters der Täter und den strengen Vorschriften des Jugendstrafrechts nicht von der Polizei erteilt.

Absperrband der Polizei sperrt einen Teil eines Garagenkomplexes ab, auf dem die Leiche von der 14-Jährigen gefunden wurde, die seit Tagen als vermisst galt. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Bis tief in die Nacht hat die Polizei in dem Garagenhof noch Spuren gesichert. Das Gebiet war weiträumig abgesperrt worden. Die Leiche des Mädchens werde nun obduziert und man setze die Ermittlungen im Umfeld des Opfers mit Zeugenbefragungen fort, hieß es seitens der Polizei. Die Ermittler hoffen auf neue Erkenntnisse. Aus ermittlungstaktischen Gründen machten die Beamten zunächst keine Angaben zu den genauen Umständen und zur Todesursache. Die Umstände deuteten aber auf ein Verbrechen hin.

Seit Donnerstag vermisst

Seit Donnerstag voriger Woche war die 14-Jährige vermisst worden. An diesem Tag hatte sie sich mit ihrem Ex-Freund treffen wollen, um persönliche Gegenstände abzugeben. Gegen halb vier an dem Tag hatte sie noch mit einem anderen Bekannten telefoniert, danach war sie nicht mehr zu erreichen. Ihre Eltern meldeten sie später als vermisst.

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Tagelang war intensiv nach dem Mädchen gesucht worden. Dabei wurden auch Bekannte, Angehörige und der Ex-Freund befragt. Ob er etwas mit dem Verbrechen zu tun hat, war noch völlig offen. Eine Polizeisprecherin betonte, dass man behutsam vorgehen müsse. Auch er ist demnach noch minderjährig.

Der Treffpunkt mit dem Ex-Freund und der Fundort der Leiche liegen den Angaben zufolge relativ weit auseinander. Es sei bislang nicht klar, ob sich Josefine noch mit anderen Menschen getroffen habe, hieß es seitens der Polizei.

Wildkameras als Chance für Fahndungserfolg

Zu Hinweisen auf den Täter oder die Täter könnten möglicherweise auch die Wildkameras führen, die an einzelnen Garagen angebracht sind. Der Komplex mit seinen verwitterten und verbarrikadierten Holztoren sei bekannt dafür, dass Dinge gestohlen werden, sagte ein Garagennutzer. Vor geraumer Zeit sei mal ein Auto in einer der Garagen angezündet worden. Auch das angrenzende Industriegelände ist nach Angaben der Ortskundigen mit Kameras ausgestattet. Die Polizei äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht dazu.

Der Fall erinnert an ein Verbrechen Mitte September in Sachsen. Dort war eine 16-Jährige in einem Garagenkomplex so schwer verletzt worden, dass sie starb. Als Tatverdächtiger wurde ein 15-Jähriger ermittelt. Der Teenager ist nun in einer Psychiatrie.

Von RND/dpa