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Mitteldeutschland Zwischen Berg und Tal: Im Erzgebirge wird Bahnfahren der Zukunft getestet
Region Mitteldeutschland Zwischen Berg und Tal: Im Erzgebirge wird Bahnfahren der Zukunft getestet
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23:28 26.03.2019
Das „advanced TrainLab“ rollt über das Markersbacher Viadukt: Der Diesel-ICE mit dieser Bezeichnung hatte bei seiner ersten Testfahrt durch das Erzgebirge Ende Dezember 2018 viele Neugierige angelockt. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
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Annaberg-Buchholz

Enge Kurven, beachtliche Höhenunterschiede und wechselnde klimatische Bedingungen: Die Strecke zwischen Annaberg-Buchholz und Schwarzenberg ist für den modernen Bahnbetrieb eine Herausforderung. Damit aber erfüllt die gut 24 Kilometer lange Trasse durch das Erzgebirge genau die Voraussetzungen, um das Bahnfahren der Zukunft zu erforschen. „Für die Testzwecke ist die Strecke ideal: Sie hat Steigungen, Gefälle, Kurven, unbeschrankte Bahnübergänge und wird ansonsten nur touristisch genutzt“, zählt Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) die Vorteile auf. Im unmittelbaren Umfeld entsteht in Annaberg-Buchholz der „Smart Rail Connectivity Campus“ (SRCC). Die noch im Aufbau befindliche Forschungsstätte „soll sich langfristig zum führenden europäischen Entwicklungs-, Prototypen- und Erprobungsstandort für digitalisierte, vernetzte, hochautomatisierte und nachhaltige Mobilität entwickeln“, heißt es.

Erstes digitales Stellwerk Europas

Die frühere Bergbaustadt kann überdies mit einem weiteren Argument für die Ansiedlung des Technologiezentrums punkten: Seit einem Jahr betreibt die Deutsche Bahn AG im Bahnhof Annaberg-Buchholz Süd das damals erste digitale Stellwerk Europas.

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Unter Führung der TU Chemnitz haben sich bereits 112 Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft in dem SRCC-Projekt zusammengeschlossen. Darunter sind neben der Bahn, dem Militärtechnik- und Transport-Konzern Thales auch Technologieunternehmen wie Vodafone, Siemens, Nokia und Komsa sowie das Fraunhofer-Institut, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und verschiedene Hochschulen.

Initiative darf auf Millionenförderung hoffen

Die Initiative gehört zu 20 ostdeutschen Projekten, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ auf eine Millionenförderung hoffen dürfen. Über die Bedingungen und wohl auch über die Höhe der Zuwendungen wollen die Uni und die Stadt Annaberg-Buchholz heute informieren. Maximal 15 Millionen Euro für fünf Jahre beträgt die Fördersumme.

Dann steht am Bahnhof Schlettau auch der Testzug „Lucy“ des Konzerns Thales für Probefahrten auf der Strecke parat, wo seit dem Jahr 1997 kein regelmäßiger Bahnverkehr mehr stattfindet. Im Dezember 2018 hatte die Deutsche Bahn mit einem Diesel-ICE auf dem Abschnitt Annaberg-Buchholz–Schwarzenberg in der ganzen Region für Aufsehen gesorgt.

ICE stellte im Erzgebirge seine Vielseitigkeit unter Beweis

Der ICE der Baureihe 605 wird von der Bahn als „advanced TrainLab“ genutzt. „Der Zug ist sehr flexibel einsetzbar“, sagte Tobias Fischer, Leiter Technik Fahrzeuge bei der Deutschen Bahn. Er könne 200 Kilometer pro Stunde schnell fahren und habe eine geringe Achslast. Bei der Fahrt über die Trasse im Erzgebirge stellte der ICE schon seine Vielseitigkeit unter Beweis. „Er kommt Radien entlang, wo andere Züge nicht fahren können“, erklärte Fischer. Auf der Strecke lasse sich mit dem Zug die Erkennung von Hindernissen bei 10 bis 15 Kilometer pro Stunde für den automatischen Fahrbetrieb erproben.

Von MARTIN KLOTH