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Mitteldeutschland Zugunglück im tschechischen Erzgebirge: Lokführer festgenommen
Region Mitteldeutschland

Zugunglück im tschechischen Erzgebirge: Lokführer festgenommen

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13:18 08.07.2020
Zwei Züge stehen nach einer Kollision ineinander verkeilt auf einem Gleis. Beim Frontalzusammenstoß zweier Personenzüge auf einer Strecke durch das Erzgebirge zwischen Tschechien und Deutschland hat es Tote und Verletzte gegeben. Quelle: Slavomír Kube?/CTK/dpa
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Karlsbad

Nach dem tödlichen Zugunglück im tschechischen Grenzgebiet zu Deutschland steht die Suche nach der Ursache im Mittelpunkt. Zwei Personenzüge waren am Dienstagnachmittag auf einer eingleisigen Strecke im Erzgebirge frontal ineinander gefahren. Bei dem Unfall kam ein Deutscher ums Leben, wie eine Sprecherin der Polizei in Karlsbad (Karlovy Vary) bestätigte. Dabei handele es sich um einen 49 Jahre alten Sachsen aus dem Erzgebirge. Auch ein Tscheche starb bei der Kollision.

Nach einer Bilanz des Rettungsdienstes wurden zudem neun Menschen schwer und 15 leicht verletzt. Vier Personen werden weiter im Kranknenhaus Plzen behandelt. Sie seien in einem stabilen Zustand und außer Lebensgefahr, sagte eine Kliniksprecherin am Mittwoch nach Angaben der Agentur CTK. Die übrigen Verletzten konnten inzwischen nach Hause entlassen werden. Insgesamt befanden sich 33 Personen in den beiden Zügen. Der Schaden an den Fahrzeugen wurde auf mindestens 20 Millionen Kronen, umgerechnet knapp 750 000 Euro geschätzt.

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Lokführer festgenommen

„Es ist offensichtlich, dass es zu menschlichem Versagen gekommen ist“, sagte der tschechische Verkehrsminister Karel Havlicek dem Sender CT. Er war noch am Abend an den Unglücksort geeilt. Die Polizei nahm einen der beiden Lokführer fest. Der Verdacht laute auf fahrlässige Gefährdung der Allgemeinheit, sagte eine Sprecherin. Der Leiter der Eisenbahninspektion, Jan Kucera, sagte am Mittwoch im Rundfunk, der Mann habe noch nicht verhört werden können. Aus Tonaufzeichnungen der Funkkommunikation zwischen ihm und dem Fahrdienstleiter gehe hervor, dass der Lokführer im Bahnhof Pernink auf den entgegenkommenden Zug hätte warten müssen.

„Was habe ich nur getan“

Der Mann soll nach ersten Erkenntnissen zu früh losgefahren sein. Er habe neben den Gleisen gesessen und gesagt „Was habe ich nur getan, was habe ich nur getan“, berichtete ein Augenzeuge der Zeitung „Pravo“. Auch die Eisenbahninspektion nahm Ermittlungen zur Unglücksursache auf.

Eingleisige Strecke

Der eine Zug war auf der eingleisigen Strecke unterwegs vom westböhmischen Bäderort Karlsbad ins sächsische Johanngeorgenstadt, der andere in umgekehrter Richtung. Viele der Reisenden wollten einen Ausflug in die Berge machen. Die kurvenreiche und hügelige Trasse führt über den Erzgebirgskamm. Die beiden Züge sollten sich eigentlich erst im nächsten Bahnhof kreuzen.

Unglück im schwer zugänglichen Waldstück

Die Unglücksstelle in einem Waldstück zwischen den Gemeinden Pernink und Nove Hamry war für die Rettungskräfte nur schwer zugänglich. Die Feuerwehr musste die Verletzten über die Gleise zu Fuß in den nächsten Bahnhof tragen. Mehrere Rettungshubschrauber waren im Einsatz, darunter auch einer aus Sachsen, um die Schwerverletzten in Kliniken zu bringen.

Pernink: Rettungskräfte versorgen verletzte von dem Zugunglück in der Nähe der Unfallstelle. Quelle: Staatliche Eisenbahnverwaltung Tschechiens (SŽDC)

Keine besondere Sicherung

Auf Fotos war zu sehen, dass die beiden Fahrerbereiche komplett demoliert waren. Der Verkehr auf der Strecke wird im vereinfachten Betrieb ohne besondere sicherungstechnische Einrichtungen betrieben. Dafür ist die Höchstgeschwindigkeit auf 90 Kilometer pro Stunde begrenzt.

Der Verkehrsexperte und Gewerkschaftsfunktionär Jindrich Berounsky kritisierte die fehlenden automatischen Sicherheitseinrichtungen auf vielen Strecken im Land: „Wie viele Opfer muss es noch bei Eisenbahnunglücken geben, damit das Verkehrsministerium endlich eine systematische Lösung des Sicherheitsproblems findet, die des 21. Jahrhunderts würdig ist?“

Veraltete Infrastruktur

Tschechien verfügt laut Eurostat über eines der dichtesten Eisenbahnnetze in Europa. Doch große Teile der Infrastruktur sind veraltet. Vor zwei Jahren stellte der Rechnungshof fest, dass 35 Prozent des Wagenmaterials älter als 30 Jahre ist.

Von Michael Heitmann