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Mitteldeutschland Zeckenbiss: Immer mehr Borreliose-Infektionen in Sachsen
Region Mitteldeutschland Zeckenbiss: Immer mehr Borreliose-Infektionen in Sachsen
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15:19 26.07.2019
Zecken übertragen in vielen Fällen den Borreliose-Erreger. (Archivfoto) Quelle: dpa
Leipzig

Kopf- und Muskelschmerzen, gerötete Hautstellen, Fieber, auch Monate später noch schmerzhafte Gelenkentzündungen – die Folgen einer Borrelien-Infektion sind mehr als nur unangenehm. Jahr für Jahr leiden in Sachsen Tausende Menschen nach Zeckenbissen unter den Bakterien des Typs „Borrelia burgdorferi“, erkranken an der sogenannten Lyme-Borreliose. Vor allem in besonders heißen Sommern schnellen die Zahlen nach oben.

Im Vergleich zum FSME-Virus, der auch durch Zecken übertragen werden kann, mag eine bakterielle Borreliose zwar weniger schlimm erscheinen. Eine schwerwiegende Hirnhautentzündung, wie bei FSME möglich, muss hier nicht befürchtet werden. Allerdings tritt Borreliose um ein vielfaches häufiger auf und lässt sich auch nicht durch Schutzimpfungen verhindern. Hier hilft nur Achtsamkeit und Aufklärung. Die ist umso wichtiger, weil die Infektionszahlen trotz gleichzeitigem Bevölkerungsrückgang im Freistaat immer weiter ansteigen.

Rekord seit Einführung der Meldepflicht

Insgesamt 2146 Sachsen mussten im vergangen Jahr aufgrund einer Borreliose-Infektion behandelt werden. Das waren zehn Prozent mehr als im Jahr zuvor und bedeuteten den zweithöchsten Stand seit der Jahrtausendwende. Nur im heißen Sommer 2006 lag die absolute Zahl noch höher, damals lebten aber auch eine Viertel Millionen Menschen mehr im Freistaat. Gerechnet auf 100.000 Einwohner wurden vergangenes Jahr 53 Menschen infiziert – sächsischer Rekord seit Einführung der Meldepflicht. Laut Angaben des Robert-Koch-Institut (RKI) sind 26 bis maximal 41 Infizierte pro 100.000 Einwohner üblich.

Kinder sind besonders gefährdet, ab 40 Jahren steigt das Risiko einer Infektion noch einmal erheblich an. Studien des RKI zeigen, dass mit zunehmenden Alter Frauen häufiger als Männer betroffen sind. Im Gegensatz zum FSME-Virus gibt es bei Borreliose auch keine gesonderten Risikogebiete. Das heißt: In allen Wäldern, aber auch in städtischen Parks und Grünanlagen lauert die Gefahr einer Ansteckung. Die meisten Infizierten-Fälle wurden zuletzt aus der Stadt Dresden und den Landkreisen Sächsische Schweiz, Mittelsachsen und Erzgebirge gemeldet.

Linke fordert Aufklärung schon in Kitas

„Die Zahl der Borreliose-Erkrankungen liegt weiter auf einem besorgniserregend hohen Niveau, ein Zeckenbiss ist keine Kleinigkeit“, sagt die Landtagsabgeordnete Susanne Schaper (Linke). Die gelernte Krankenschwester fragt regelmäßig bei Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) aktuelle Fallzahlen ab und fordert nach dem erneuten Anstieg: „Sachsen muss den Kampf gegen die Zecke ausrufen und auf frühe Prävention setzen, am besten schon durch Aufklärung in den Kitas. Schon lange Kleidung bietet ein gewisses Maß an Sicherheit.“

Darüber hinaus müsse der Freistaat auch den zuletzt besparten Öffentlichen Gesundheitsdienst wieder handlungsfähig machen. „Andererseits sind Kommunen in Risikogebieten stärker zu unterstützen, damit sie Schutzmaßnahmen umsetzen können – etwa das regelmäßige Mähen von Hundewiesen, denn auch Haustiere können die gefährlichen Tiere weitertragen“, so Schaper.

Ministerium: Schwankungen sind normal

Im sächsischen Gesundheitsministerium ist man beim Thema eher gelassen: „Es gibt Jahre auf hohem Niveau und solche auf niedrigem Niveau“, sagt Sprecherin Maria Kelch. Die Schwankungen hätten auch damit zu tun, „in wie weit Mensch und Zecke zusammenkommen. Ist es überwiegend kühl und nass, halten sich die Menschen im Allgemeinen nicht so ausgiebig im Freien auf und sind die ungeschützten Kontakte mit Zecken eher geringer.“

In FSME-Risikogebieten – wie hier in Brandenburg – warnen zum Teil auch Schilder vor den Parasiten. Borreliose-Infektionen sind allerdings überall möglich. (Archivfoto) Quelle: dpa

Die Adjektive kühl und nass wurden zuletzt in Wetterberichten zumindest seltener verwendet. „Das Patientenaufkommen in unserer Borreliose-Ambulanz ist über die letzten Jahre ungebrochen hoch, weshalb wir die normalen Schwankungen in der Erkrankungshäufigkeit, wie sie aktuell zu verzeichnen sind, nur unterschwellig merken“, sagt Prof. Dr. Bernhard Ruf, Chefarzt der Infektiologie im Klinikum St. Georg in Leipzig. Grund für außergewöhnliche Besorgnis sieht er dennoch nicht. Von den 100 Menschen, die von Zecken gebissen werden, erkranke nur ein Prozent letztlich auch an Borreliose. „Diese ist, wenn gleich erkannt, auch gut therapierbar“, sagte Ruf.

Der Infektionsexperte rät deshalb dazu, bei Aktivitäten in der Natur insbesondere Kinder auf Zecken abzusuchen und eventuell zeitnah zu entfernen, „damit der Zeitraum für einen Übertritt der Bakterien möglichst gering gehalten wird“. In den ersten Stunden nach dem Biss des Parasiten sei die Wahrscheinlichkeit einer Infektion noch gering.

Die vom US-Forscher Willy Burgdorfer benannten schraubenförmigen Bakterien sind bis zu 20 Mikrometer lange Lebewesen – die zur Gruppe der Borrelien gehören. Die Parasiten kommen in Zecken und kleinen Säugetieren vor, können aber nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden. Bei einer Infektion können Haut, das Nervensystem und die Gelenke geschädigt werden. Eine Schutzimpfung gibt es bisher nicht.

Etwa ein Prozent der von Zecken gestochenen Menschen leiden in der Folge an der Lyme-Borreliose – benannt nach einer Kleinstadt im Südosten der USA, wo diese in den 1970er Jahren erstmals gehäuft auftrat.

Ab April steigt das Risiko einer Infektion an, erreicht im Juni und Juli den Höhepunkt und lässt danach bis Jahresende wieder allmählich nach. Die Inkubationszeit nach einer Infektion beträgt zwischen drei und 30 Tagen. In den meisten Fällen führt die Krankheit zu Hautreizungen und Gelenkschmerzen, kann aber auch den das Herz angreifen (Lyme-Karditis).

Von Matthias Puppe

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