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Mitteldeutschland Zastrow auf Wahlkampftour - Die FDP will im Landtag wieder punkten
Region Mitteldeutschland Zastrow auf Wahlkampftour - Die FDP will im Landtag wieder punkten
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12:29 08.08.2019
FDP-Spitzenkandidat Holger Zastrow auf Wahlkampftour in Delitzsch. Quelle: Peter Endig/dpa
Delitzsch

Holger Zastrow ist mit 50 Jahren schon so etwas wie ein Urgestein in Sachsens Politik. Als 20-Jähriger gründete er die FDP-Nachwuchsorganisation Julia in Dresden mit. Mit 29 übernahm er die Freien Demokraten nach ihrem Absturz auf 1,1 Prozent bei der Landtagswahl. Zastrow avancierte zum Hoffnungsträger einer verunsicherten Partei.

Fünf Jahre später schaffte er den Wiedereinzug ins Parlament, fünf weitere Jahre darauf saßen die Liberalen sogar als Juniorpartner der CDU in der Regierung. Doch 2014 scheiterten sie im Schlepptau einer trudelnden Bundespartei an der Fünf-Prozent-Hürde und mussten wieder in die außerparlamentarische Opposition.

„Wir haben derzeit keinen Rückenwind“

Jetzt, gut drei Wochen vor der Wahl, steht Zastrow auf dem Marktplatz von Delitzsch, um Bürgern Rede und Antwort zu stehen. Es ist nicht so, dass Wähler den bekanntesten Liberalen im Freistaat bestürmen. Aber hin und wieder suchen Leute das Gespräch mit ihm oder FDP- Generalsekretär Torsten Herbst, der seit 2017 ein Bundestagsmandat besitzt. Zastrow verweist auf das Problem, dass eine Partei, die nicht im Landtag vertreten ist, in der Öffentlichkeit keine große Präsenz entfalten kann: „Wir haben derzeit keinen Rückenwind. Die Grünen werden von einer öffentlichen Stimmung getragen, wir nicht.“ Noch ein anderer Punkt macht ihn mit Blick auf den Wahlausgang unsicher.

„Es gibt durch neue Kräfte eine Zersplitterung im bürgerlichen Lager, die auch für uns eine Herausforderung ist“, sagt Zastrow, dessen Liberale in den jüngsten Umfragen konstant bei 5 Prozent der Zweitstimmen lagen. Dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) wirft er vor, schon seit eineinhalb Jahren Wahlkampf zu machen und das Land nicht mehr zu regieren. Persönlich finde er Kretschmer und auch den SPD-Chef und Wirtschaftsminister Martin Dulig zwar angenehm. Doch wenn Dulig landauf, landab erkläre, warum dieses oder jenes Vorhaben nicht vorangehe, dann sei das keine gute Politik.

Zastrow gilt als Macher. Das hat der Inhaber einer PR- und Eventagentur auch in seinem Berufsleben oft bewiesen. Als er 2016 den maroden Gasthof Hofewiese in der Dresdner Heide reanimierte und dort einen Biergarten etablierte, wurde ihm das von vielen Dresdner Einwohnern hoch angerechnet. Noch ist viel an dem Gebäudeensemble zu machen, Zastrow beklagt eine überbordende Bürokratie. Eigentlich kümmert sich ja seine Frau Ariane um den Laden, doch am Wochenende steht auch Zastrow am Zapfhahn und liest die liegengebliebenen Kippen auf. Irgendwie ist die Hofewiese auch eine Wahlkampfarena, denn natürlich wird Zastrow von vielen Gästen auf Politik angesprochen.

Fehler zugeben und es besser machen

Die Analyse zur Wahl 2014 fällt bei der FDP recht deutlich aus: „Wir wissen, wo wir Fehler gemacht haben, wo wir falsch abgebogen sind. Dort würden wir nicht noch einmal falsch abbiegen“, sagt der Parteichef. Man habe als Juniorpartner der CDU zu viele Kompromisse gemacht und Dinge akzeptiert, die man nicht hätte akzeptieren dürfen. Auch persönliche Fehler räumt Zastrow ein: „Im Rückblick muss ich eingestehen, dass auch ich ein Stück Bodenhaftung verloren hatte. Auch ich bin in einen Politiksprech verfallen, habe versucht, Dinge zu erklären, die sich nicht erklären lassen.“ Man erhalte als Partei nicht oft eine zweite Chance, aber die gelte es nun zu nutzen.

Generalsekretär Herbst listet auch Punkte auf der Haben-Seite auf. „Die Partei ist nach der Abwahl aus dem Landtag nicht zerbrochen. Das Team blieb bei der Stange. Wir haben die Erfahrung von 2014 konserviert.“ Natürlich hätten manche Mitglieder die FDP enttäuscht verlassen, dafür seien aber auch viele junge Leute dazugekommen. Einer von ihnen ist Nicas Frank. Der 19-Jährige hat zur Europawahl entschieden, sich politisch zu engagieren. Als er dafür einen Wahl-O-Mat bediente, landete er bei der FDP. Eigentlich sei das Video des Youtubers Rezo über die CDU der Auslöser gewesen. „Krass, wie Rezo mit einfachen Worten so viele Leute erreichen konnte.“

Dass Rezo seine Botschaft nicht mit Argumenten und Fakten unterlegte, hat Nicas Frank gestört. Deshalb will der künftige Informatik- Student bei den Liberalen nun tiefgründiger Politik machen. Für die Sommertour der FDP auf sächsischen Marktplätzen hat er sich mit anderen Mitstreitern ein weißes T-Shirt mit der Aufschrift „Einfach Machen!“ übergestreift. Es soll das Macher-Image der Freien Demokraten verdeutlichen. Tourleiter Hai Bui - Sohn vietnamesischer Gastarbeiter, der in Chemnitz als Direktkandidat antritt und auf der Landesliste auf Platz 9 steht - sieht sich mit einer Themenfülle konfrontiert: Bildung, Sicherheit, Umweltschutz stehen ganz vorn.

Weniger Anfeindungen als gedacht

„Es gibt eine starke Polarisierung. Wir als Liberale stehen dazwischen“, sagt Bui. Viele Bürger würden deutlich machen, dass sie zwar noch nie die AfD gewählt haben, aber nun bei dieser Partei ihr Kreuz machen wollen: „Und viele sagen auch ganz klar, dass sie mit ihrer Stimme gerade die AfD verhindern wollen.“ Oft würden Bürger die Entscheidungsbefugnisse von Bund, Land und EU vermischen. Eine positive Erfahrung hat Bui bislang aber gemacht: „Es gibt viel weniger Anfeindungen als gedacht. Die Leute wollen informiert werden und begegnen uns mit viel Offenheit.“

„Schon ein Zweierbündnis ist manchmal nicht einfach. Je mehr Partner eine Rolle spielen, umso schwieriger wird es. Die FDP wird sich ihrer Verantwortung stellen. Man muss sich aber auch die Frage stellen, ob der Wähler das so will. Deshalb ist auch ein Nachdenken über eine Minderheitsregierung erforderlich, die ich persönlich bevorzuge. Ich glaube, die Zeit der starren Blöcke ist vorbei.“ Anders als bei der Regierungsbeteiligung 2009 wäre Zastrow bereit, dieses Mal auch als Minister anzutreten.

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