Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Zahl der ausländischen Arbeitskräfte steigt in Sachsen deutlich
Region Mitteldeutschland Zahl der ausländischen Arbeitskräfte steigt in Sachsen deutlich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:48 21.01.2019
Zuwanderer helfen auch im medizinischen Bereich. Quelle: dpa
Anzeige
Leipzig

Sachsens Unternehmen profitieren zunehmend von der Zuwanderung ausländischer Arbeitskräfte. Jeder 22. Arbeitnehmer ist ausländischer Staatsbürger. Nach den neuesten Statistiken von Sommer 2018 sind im Freistaat 73 964 Ausländer sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das ist nach Berechnungen der Landesarbeitsagentur in Chemnitz der größte Anstieg innerhalb eines Jahres überhaupt und zwar um 13 905. Damit geht die Hälfte des Jobaufbaus auf das Konto ausländischer Staatsbürger, sagt Reinhilde Willems, Vizechefin der Landesarbeitsagentur.

In Thüringen ist die Anzahl der beschäftigten Ausländer im selben Zeitraum um 8017 auf insgesamt 39 814 gestiegen. Ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung macht 4,9 Prozent aus, ins Sachsen sind es 4,6 Prozent.

Anzeige

Immer mehr Sachsen gehen in Rente, immer weniger rücken nach

Die Wirtschaft in Sachsen entwickle sich seit Jahren sehr positiv. Dadurch ­seien Tausende neue Jobs entstanden, sagt Willems. Allerdings gehen weit mehr Sachsen in Rente als neue heimische Fachkräfte nachrücken. Nur ein Teil der frei werdenden Stellen könne durch Ausländer besetzt werden. So erfreulich der Anstieg auch sei. Gerade mit Blick auf die Demografie und den wachsenden Bedarf an Arbeitskräften im Land sei noch „viel Luft nach oben“. In ganz Deutschland liege der Anteil der ausländischen Staatsbürger an der Gesamt­beschäftigung im Schnitt bei 11,7 Prozent.

Sachsens Unternehmen würden zunehmend überregional nach Fachkräften suchen. In der Online-Jobbörse der Arbeitsagentur seien 96 000 freie Jobs verzeichnet. Gut beraten seien Firmen, die Unterstützung bei der Verbesserung der Sprache anbieten und Sensibilität für die unterschiedliche kulturelle Herkunft ihrer Mitarbeiter zeigen.

Polen, Tschechien und Rumänien

Die meisten ausländischen Arbeitskräfte kommen aus Polen, Tschechien und Rumänien, was auf die seit 2011 geltende Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU zurückzuführen ist. Wobei viele von ihnen nach Sachsen zur Arbeit pendeln. „Konkret sind das 19 600“, sagt Agentursprecher Frank Vollgold, „ein Anstieg von 4600 innerhalb eines Jahres.“

An vierter Stelle steht Russland, an fünfter Syrien und an sechster Vietnam. In den vergangenen zwölf Monaten haben 1263 Syrer eine zusätzliche Beschäftigung in Sachsen aufgenommen, der drittstärkste Zuwachs nach Polen und Tschechen. Aber auch 638 Menschen aus Afghanistan und 225 aus Eritrea fanden einen Job.

Der Zuwachs an ausländischen Beschäftigten in den letzten Jahren spreche auch für die Attraktivität Sachsens, seiner Betriebe und dem Leben im Freistaat. Die meisten arbeiten in Leipzig, Dresden, Görlitz, Bautzen und Chemnitz – etwa die Hälfte als Fachkraft mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, 3642 als Meister beziehungsweise Techniker und 10 469 als Experten, also mit einem akademischen Abschluss. Rund jeder dritte (25 333) arbeitet als Helfer. Das spiegelt sich auch in der Entlohnung wider. Ein in Sachsen in Vollzeit beschäftigter ausländischer Staatsbürger verdient im Monat im Schnitt 1882 Euro brutto, rund 600 Euro weniger als ein Einheimischer.

Von Andreas Dunte