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Mitteldeutschland Wurst-Achim und Käse-Maik: Marktschreier bangen um Existenz
Region Mitteldeutschland

Wurst-Achim und Käse-Maik: Marktschreier bangen um Existenz

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16:32 14.08.2020
Lautstark und wortgewandt richtet sich Wurst-Achim an die Kunden vor seinem Wagen auf dem Altmarkt in Plauen. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/
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Plauen

Bei Wurst-Achim verstehen die Marktbesucher ihr eigenes Wort nicht mehr. Mit lauter Stimme und vielen Witzen preist er Wildschweinsalami oder Schinken an. Auf dem Altmarkt im vogtländischen Plauen wirbt er bis Sonntagabend zusammen mit fünf Kollegen der Echten Gilde der Marktschreier vereint um Käufer. „Ich bin froh, dass wir überhaupt wieder arbeiten dürfen“, sagt er bei der Eröffnung am Freitag. Denn in den vergangenen Monaten herrschte Zwangspause wegen der Corona-Pandemie.

Fünf Monate – Kaum Umsatz

„Es läuft gut an, aber hinter den Marktschreiern liegt eine sehr schwierige Zeit“, berichtet Gilden-Chef und Manager Joachim Borgschulze. Rund fünf Monate seien die zwölf Mitglieder ausgebremst worden - und hoffen nun, von den üblichen 46 Veranstaltungen pro Jahr wenigstens noch zehn absolvieren zu können. Los geht es mit den besonderen Märkten der Gilde in Ostdeutschland, sagt Borgschulze. Nach dem Auftakt in Forst (Brandenburg) Anfang August nun der Blumen- und Fischmarkt im Vogtland, bevor es ins erzgebirgische Stollberg und weiter nach Freiberg geht.

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Neben Wurst-Achim, der aus Duisburg kommt und von TV-Sendern zum „lautesten Lebewesen der Welt“ gekürt wurde, sind auch Käse-Maik, Nudel-Anne, Aal-Ole, Knabber-Paul und der Holländische Blumenkönig mit von der Partie. „Jedes Bundesland hat andere Schutzbestimmungen, das macht es uns schwer. Aber wir wollen die Veranstaltungen unter den geänderten Rahmenbedingungen ermöglichen. Wir achten sehr darauf, dass alle Abstandsregelungen und andere Vorgaben eingehalten werden“, betont Borgschulze, in Personalunion auch Chef des Berufsverbandes der Marktschreier.

Kauflust der Menschen lässt nach

Nach seinen Angaben lebten die Protagonisten der Zunft zuletzt am Existenzminimum. Der Ansturm in Plauen zeigt, dass die Marktschreier den Menschen fehlten. „Ich würde mir ein positives Zeichen aus der Politik wünschen, das der Wirtschaft wieder Hoffnung gibt.“ Die Kauflust der Menschen habe spürbar nachgelassen. „Wir merken das genauso wie der Einzelhandel.“ Beim Holländischen Blumenkönig Roberto Saarloos wird wegen der Corona-Pandemie nicht mehr direkt aus dem Lkw verkauft. „Wir haben die Blumen am Verkaufsstand, und die Leute können sie sich selbst aussuchen“, sagt er. Seit 58 Jahren gibt es den Titel Holländischer Blumenkönig, normalerweise steht er auf dem Hamburger Fischmarkt.

Trotz der Ausfälle 2020 hat die Gilde der Marktschreier eine Zukunft, findet Borgschulze, der ihr seit 1998 vorsteht. „Wir präsentieren eine althergebrachte Veranstaltung und vertreten eine Tradition, die sich über die Jahrhunderte bewährt hat.“ Moderne Einkaufsmöglichkeiten wie Onlineshopping seien keine wirkliche Konkurrenz für die Marktschreier.

Ihre Gilde wurde Anfang der 1970er Jahre gegründet, inspiriert „durch das bunte Treiben auf dem Hamburger Fischmarkt“, wie Borgschulze erzählt. Um die Mitgliedschaft in der Echten Gilde der Marktschreier kann sich Jeder bewerben. „Voraussetzungen sind unter anderem ein vernünftiges Sortiment und sehr gute Ware.“

Von dpa