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Mitteldeutschland Michael Kretschmer: „Wir leben im besten Deutschland, das es je gegeben hat“
Region Mitteldeutschland Michael Kretschmer: „Wir leben im besten Deutschland, das es je gegeben hat“
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22:29 08.02.2019
Willkommen bei der 475. Schaffermahlzeit in der Hansestadt Bremen: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU, r.) wird von Friedrich Lürßen, Mitinhaber der Bremer Werftengruppe Lürssen, als Ehrengast begrüßt. Im Festsaal des Rathauses stoßen beide mit dem traditionellen Schaffer-Bier im Silberbecher an. Quelle: Frank Thomas Koch
Bremen

Fünf Stunden, fünf Gänge, zwölf Reden. Das war – ganz vereinfacht gesagt – die 475. Schaffermahlzeit, die am Freitagabend im altehrwürdigen Bremer Rathaus-Festsaal über die Bühne ging. Wie in jedem Jahr am zweiten Freitag des Monats Februar trafen sich 100 Kapitäne, 100 Kaufleute und 100 Gäste, um bei einem Festessen über Gott und die Welt zu reden und Geld für bedürftige Seeleute zu sammeln. Ehrengast: Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), der erst ganz zum Schluss das Wort ergreifen durfte.

Vorgelagert war ein Fünf-Gänge-Menü – die Schaffermahlzeit, die in der guten alten Zeit der christlichen Seefahrt das Abschiedsessen darstellte, das begüterte Reeder und Kaufleute alljährlich am Ende des Winters ihren Kapitänen gaben, bevor diese nach der durch Sturm und Eis erzwungenen Liegezeit wieder in ferne Länder aufbrachen.

Wie einst, so gab es auch am Freitag deftige bremische Seemannskost wie Hühnersuppe und Stockfisch, Braunkohl und Pinkel, Rigaer Butt und Käse – fünf Gänge, dazu Rot- und Weißwein und mittendrin in großen schweren Silberpokalen das Seemannsbier. Beim Trinken stehen sich jeweils zwei Herren am Tisch gegenüber, kreuzen die Humpen und sagen: „Backbord, Steuerbord, gute Reise!“

Die Schaffermahlzeit ist das älteste Brudermahl der Welt

Damit das „älteste Brudermahl der Welt“ jedes Jahr abgehalten werden kann, müssen immer drei Bremer Kaufleute als amtierende Schaffer die Sache organisieren und ausrichten. Über die Höhe der Kosten wird Stillschweigen vereinbart, aber Dieter Harald Berghöfer (82), der einmal ein Pharma-Unternehmen lenkte, hatte Anfang der 1980er-Jahre die Ehre und weiß, was das damals in D-Mark ausmachte. „50 000 Euro kommen heute wohl zusammen“, sagt er und fügt hinzu: „Dafür essen Sie dann in den folgenden Jahren immer kostenlos.“ Denn es gilt: Wer einmal von der Stiftung „Haus Seefahrt“ zum Schaffer berufen worden ist, bleibt es für immer.

Während des Essens wird in großen Messingbüchsen Geld gesammelt, das dem „Haus Seefahrt“ zugute kommt. Die Stiftung betreibt in Bremen mit dem Seefahrtshof eine Wohnanlage, in der pensionierte Seeleute mit ihren Frauen den Ruhestand verleben können. Derzeit betreut die Stiftung auch 90 Seemannswitwen, die genauso auf dem Seefahrtshof mietfrei wohnen können, wenn eine Bedürftigkeit vorliegt.

Die auswärtigen Gäste dürfen nur ein einziges Mal teilnehmen

In diesem Jahr waren die drei berufenen gastgebenden Schaffer Matthias Zimmermann (Geschäftsführer Weser Wohnbau GmbH), Thilo Schmitz (Inhaber Handelsholding Carpe Diem Bremen) und Hermann Schünemann (Verleger Schünemann KG). Bevor Kretschmer ans Rednerpult durfte, gab Schünemann ihm mit auf den Weg: „Genießen Sie es, es ist das letzte Mal, es sei denn, Sie werden Bundespräsident, dann haben Sie die Chance, noch einmal wiederzukommen.“ Denn die auswärtigen Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur dürfen in der Regel nur ein einziges Mal in ihrem Leben am Schaffermahl teilnehmen, es sei denn ...

„Glück auf, Gott schütze die ehrbaren Schaffer und alle Menschen“

Die drei amtierenden Schaffer lobten in ihren Reden „auf den Bundespräsidenten und das Vaterland“, auf „Handel, Schiffahrt und Industrie“ oder „auf Bremen und den Senat“ die hanseatischen Kaufmannstraditionen, den globalen Welthandel, Demokratie und Marktwirtschaft. Dem schloss sich Kretschmer an, als er am Schluss seiner Rede betonte: „Wir leben im besten Deutschland, das es je gegeben hat. Glück auf, Gott schütze die ehrbaren Schaffer und alle Menschen!“

Zuvor hatte er Bremens positive Entwicklung gewürdigt, etwa als er sagte, man erlebe hier die Internationalität, die der Stadt zu Wohlstand verholfen habe. Neben dem technologischen Fortschritt, den Firmen wie Airbus oder Daimler in Bremen verkörperten, sei generell ein „positives Zupacken“ zu spüren, das „wir in der gesamten Bundesrepublik viel mehr brauchen“.

Offensichtlich vor dem Hintergrund der am 1. September in Sachsen anstehenden Landtagswahlen, appellierte Kretschmer: „Ich rate uns allen, mutiger und offener zu sein; lassen Sie uns den Kampf angehen mit denjenigen, die als Populisten immer die schnellen einfachen Lösungen propagieren.“

Kretschmer sprach sich gegen Diesel-Fahrverbote aus

Der Regierungschef mahnte zugleich zu mehr Sachlichkeit in der politischen Auseinandersetzung: „Ein trockener Sommer ist noch kein Klimawandel.“ Oder: „Nur 0,3 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes kommt aus Deutschland, aber in China wird jede Woche ein neues Kohlekraftwerk aufgemacht.“

Mehrfach vom Beifall der Kauf- und Seeleute begleitet, berichtete Kretschmer von seinen Erfahrungen aus Sachsen: „Als ich neulich im Erzgebirge war und sagte, mein nächstes Auto wird wieder ein Diesel sein, habe ich frenetischen Beifall bekommen. Meine Damen und Herren, Dieselfahrverbote sind nicht das, worauf die Menschen warten und worauf wir setzen sollten.“

Von Jan Emendörfer

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