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Mitteldeutschland Winter-Gaudi auf dem Annaberger Pöhlberg
Region Mitteldeutschland Winter-Gaudi auf dem Annaberger Pöhlberg
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14:03 19.02.2018
Skurril bergab: Rennveranstalter Till Schwabe auf einem Hitschen-Schlitten Marke Eigenbau. Quelle: dpa
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Annaberg-Buchholz

Einfach nur Rodeln ist den Erzgebirgern zu langweilig: Bereits zum fünften Mal stürzen sich am heutigen Sonnabend im „Hitschen Race“ wagemutige Rodler auf Schlitten der Marke Eigenbau den Pöhlberg in Annaberg-Buchholz hinunter. Entscheidende Bedingung bei diesem Rennen ist die Verwendung einer „Hitsch“, sächsisch für Fußbänkchen, erklärt Veranstalter Till Schwabe.

Als es die „Hitsch“ 2013 zum sächsischen Wort des Jahres gebracht habe, sei ihm die Idee gekommen, sagt Schwabe. Im Handumdrehen war der erste Hitschen-Schlitten zusammengeschraubt und es fanden sich weitere „Hitschler“ für die Winter-Gaudi. Allein auf der Fußbank rodelt allerdings keiner den Berg hinunter, verrät Schwabe. Stattdessen wird der sächsische Klassiker als Pilotensitz oder Accessoire verbaut. Vom Buckelbergwerk auf der Sackkarre über einen halben Trabi bis zum FC-Erzgebirge-Aue-Schlitten reichte die Kreativität der Teilnehmer in den vergangenen Jahren.

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Das nach Schwabes Meinung bislang skurrilste Gefährt geht heute bereits zum zweiten Mal an den Start: In ihrer „Badewanne des Todes“ will sich eine sechsköpfige Crew aus Leipzig erneut den Hang hinabstürzen. Das überdimensionierte Boot mit Totenkopf-Galionsfigur geht üblicherweise im Sommer bei Badewannen-Rennen an den Start, erläutert Frank Wendisch. Der Freundeskreis, der in der Gothic-Szene der Messestadt zu Hause ist und seit 20 Jahren an solchen Spaßrennen teilnimmt, habe kurzerhand Skier angeschraubt, um im Erzgebirge auch auf Schnee starten zu können. Und der stammt in diesem Jahr übrigens wirklich aus Annaberg-Buchholz – erst zum zweiten Mal. seit es das Rennen gibt. „In den vergangenen drei Jahren haben wir den Schnee extra aus Oberwiesenthal angekarrt“, berichtet Organisator Schwabe.

Los geht es am späten Nachmittag um etwa 17 Uhr mit einem Probelauf. Gegen 18.30 Uhr wird es dann beim ersten Wertungslauf ernst. Etwa eine Stunde später starten die bislang zehn angemeldeten Teams zum zweiten Durchgang.

Wer noch kurzfristig mitmachen wolle, könne sich einfach an der Strecke einfinden. Wer auf das Siegertreppchen will, muss allerdings fix unterwegs sein. Im letzten Jahr benötigte der Erstplatzierte für die 100 Meter lange Abfahrt gerade einmal 21 Sekunden.

Das Hitschen-Rennen ist längst nicht das einzige skurrile Rennen, das sich die Menschen im Gebirge ausgedacht haben. Nur 15 Kilometer weiter in Neudorf wird Jahr für Jahr die „Weltmeisterschaft im Arschleder-Wettruscheln“ ausgetragen. Die Idee dahinter, die es bereits seit der Wendezeit gibt: Nur auf dem traditionellen Hosenschutz der Bergleute, dem „Arschleder“, geht es in Rückenlage steil bergab. Das eigentlich für Sonntag geplante Wettrodeln auf dem Hosenboden fällt dieses Jahr allerdings wegen Schneemangels aus. Auch Wildenthal bei Eibenstock hat eine kuriose Disziplin im Angebot. Beim „Water Slide Contest“ Anfang des Monats mussten die 25 Starter auf Skiern oder Snowboards einen Hang hinab rauschen und dann über ein Wasserloch gleiten – nach Möglichkeit, ohne dabei nass zu werden.

Wer es in der verbleibenden Skisaison etwas gemütlicher angehen lassen will, kann in Altenberg auf einem Loipen-Pistenbully mitfahren – vorausgesetzt, der Winter meint es noch einmal gut mit Schnee. Denn derzeit reicht die Schneehöhe in Altenberg nicht ganz.

Von Claudia Drescher