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Mitteldeutschland Wer ist Stephan B.? – Was wir bisher über den Attentäter aus Halle wissen
Region Mitteldeutschland Wer ist Stephan B.? – Was wir bisher über den Attentäter aus Halle wissen
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14:33 10.10.2019
Stephan B. hat am 9. Oktober 2019 in Halle zwei Menschen erschossen. Sein ursprüngliches Ziel war ein Massaker in der Synagoge. Er scheiterte aber an der verschlossenen Tür. Das Bild entstammt einem Video, das der Täter selbst von seinem Attentat aufgenommen hat. Quelle: Screenshot Webvideo
Halle

Am Mittwoch hat ein 27-Jähriger in Halle zwei Menschen erschossen. Zuvor wollte er offenbar in die Synagoge eindringen – wo gerade die Feierlichkeiten zum Jom Kippur, dem jüdischen Versöhnungsfest, stattfanden. Am Mittwochnachmittag konnte Stephan B. von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) überwältigt werden. Folgende Fakten sind bisher über den Attentäter bekannt.

Wer ist Stephan B.?

Stephan B. ist Deutscher, 27 Jahre alt und wurde in der Nähe von Eisleben geboren. Seine Eltern leben noch in der Region, am Donnerstag fand in der Wohnung der Mutter in Benndorf eine Hausdurchsuchung der Polizei statt. Stephan B. soll mindestens zehn Jahre lang auch in Benndorf gewohnt haben, lebte zuletzt aber in Halle.

Der 27-Jährige soll ein Chemie-Studium angefangen haben, musste dies aber später abbrechen. Danach arbeitete er als Umwelttechniker und lebte offenbar sehr zurückgezogen. Von etwaigen Vorstrafen ist nichts bekannt. Bisher galt Stephan B. als unauffällig.

Was war die Motivation des Attentäters?

Ein rechtsextremer und antisemitischer Hintergrund der Tat ist offensichtlich, der Generalbundesanwalt verwendet beide Begriffe auch bei seinen Ermittlungen. Hinweise darauf sind neben dem Versuch, in die Hallenser Synagoge einzudringen, vor allem ein etwa 35 Minuten langes Video, dass der Täter selbst aufgenommen und über das Live-Streaming-Portal Twitch am Mittwoch veröffentlicht hat.

Zu Beginn des Videos macht Stephan B. – bereits startklar in seinem Auto sitzend – einige einführende Bemerkungen. Er beginnt mit den Worten: „Hallo, mein Name ist unbekannt und ich denke, der Holocaust fand niemals statt.“ Weiter behauptet er, der Feminismus führe zu einem Geburtenrückgang im Land, eine Masseneinwanderung zu einem Bevölkerungsaustausch. „Und der Grund für all diese Probleme ist der Jude“, so Stephan B. weiter. Danach startet der Attentäter den Motor seines Wagens und fährt zur Synagoge.

Darüber hinaus kursiert ein Dokument im Netz, das ein angebliches Manifest des Attentäters sein soll – ähnlich, wie es der norwegische Rechtsterrorist Anders Behring Breivik einst bei seinen Attentaten im Juli 2011 gemacht hat. Allerdings ist das vorliegende Dokument weitaus kürzer und noch ist unklar, ob die PDFs tatsächlich von Stephan B. stammen. Darin abgebildete Waffen ähneln zumindest denen, die am Mittwoch beim Attentat verwendet wurden.

In dem Dokument wird beschrieben, wie die Hallenser Synagoge als Ziel ausgesucht wurde – einfach, weil sie in der Nähe war. „Es ist der nächstgelegene Ort mit einer großen Anzahl an Juden“, schreibt der Verfasser. Ursprünglich sei eine weniger bewachte Moschee oder ein antifaschistisches Zentrum als Ziel in Frage gekommen. Allerdings, so schreibt der Verfasser, würde „selbst das Töten von 100 Golems keinen Unterschied ausmachen“, weil täglich weitere nach Europa kommen. Der einzige Weg zu gewinnen sei, dem ZOG den Kopf abzuschneiden. Anmerkung: ZOG wird in rechtsextremen Kreisen als Abkürzung für eine angeblich zionistisch unterwanderte Regierung verwendet und „Golem“ ist ein Begriff aus der jüdischen Literatur

Was ist zum Attentat bekannt?

Stephan B. fuhr am Vormittag des 9. Oktober 2019 mit einem Mietwagen vor der Synagoge in der Humboldstraße vor. Er führte selbst gebaute Waffen bei sich – darunter mehrere Gewehre und Handgranaten. Seine Versuche, gewaltsam in die nicht von der Polizei nicht bewachte Synagoge einzudringen, scheiterten an verschlossenen Türen. In der Folge erschoss der 27-Jährige eine Passantin, die zufällig an seinem Fahrzeug vorbeiging und ihn ansprach. Später versuchte er noch auf einen Kurierfahrer zu schießen, allerdings hatte seine Waffe Ladehemmung.

Der Attentäter suchte nun nach einem alternativen Ziel. In der wenige Hundert Meter entfernten Ludwig-Wucherer-Straße bemerkte Stephan B. den Schnellimbiss „Kiez Döner“ und setzte dort sein Attentat fort. Erst versuchte er einen Sprengsatz ins Restaurant zu werfen, allerdings prallte die Granate ab und explodiert auf der Straße. Stephan B. ging hinein, die Gäste flüchteten in den hinteren Teil des Schnellimbisses. Er tötet einen Mann, der sich hinter einem Kühlschrank in Sicherheit bringen wollte.

Als er aus dem Laden kam, schoss er zunächst auf Passanten, verfehlte sie aber. Nun traf die Polizei am Tatort ein. Es kam zu Schusswechseln, der 27-Jährige wurde am Hals getroffen, konnte allerdings mit seinem Auto entkommen. Auf der Flucht wurden in einer Werkstatt zwei weitere Menschen angeschossen. Stephan B. tauschte dort seinen Fluchtwagen mit einem gerade reparierten Taxi und versuchte über die Autobahn 9 und später auf der Bundesstraße 91 in Richtung Süden zu flüchten. An einer Baustelle konnte der Attentäter letztlich vom SEK gestoppt und festgenommen werden.

Von Matthias Puppe/Jan Sternberg

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