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Mitteldeutschland Weiter Mitgliederverlust in Sachsens Kirchen – aber Trend schwächt sich ab
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Weiter Mitgliederverlust in Sachsens Kirchen – aber Trend schwächt sich ab

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07:26 08.01.2022
Auch weiterhin treten Sachsen aus der Kirche aus – aber der Trend schwächt sich ab.
Auch weiterhin treten Sachsen aus der Kirche aus – aber der Trend schwächt sich ab. Quelle: Matthias Rietschel/dpa
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Dresden

Die Zeiten mit hohen Mitgliederverlusten der großen Kirchen in Sachsen sind aus Sicht des Leipziger Universitätsprofessors Gert Pickel weitgehend vorbei. Die Kirchenfeindlichkeit der DDR habe die Säkularisierung der Gesellschaft im Osten Deutschlands beschleunigt. Die Kirchengemeinden seien jetzt weitgehend auf einen stabilen Kern abgeschmolzen, sagte der Professor für Religions- und Kirchensoziologie an der Universität Leipzig in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. In den westdeutschen Gemeinden sei dieser Abwärtstrend hingegen noch in vollem Gange.

Niedrigster Wert der vergangenen Jahren

Das Bistum Dresden-Meißen zählte nach eigenen Angaben im Jahr 2020 rund 139 200 Mitglieder. Das waren gut 1100 weniger als 2019 - der niedrigste Stand der vergangenen Jahre und entsprach in etwa dem Stand von 2010 mit damals rund 139 900 Katholiken. Zwischenzeitlich war die Mitgliederzahl bis 2016 sogar wieder auf 142 800 angestiegen. Das sei vor allem durch den Zuzug von katholischer Christen zustande gekommen, sagte Bistumssprecher Michael Baudisch.

Das Bistum hat von 2017 bis 2020 auf den Schwund reagiert. „Die Anzahl unserer Pfarreien wurde von 97 auf heute 37 reduziert“, sagte Baudisch. Damit sollten die Ressourcen besser genutzt und die Kräfte gebündelt werden. Es gebe 73 Priester, 2 weniger als 2016. Die Ehrenamtlichen würden immer wichtiger, hieß es. Sie engagierten sich für das Gemeindeleben, trügen als Kirchenvorstände Verantwortung, übernähmen Aufgaben bei der Verwaltung der Pfarreien und der Seelsorge. Seit Jahren würden Frauen und Männer als Beauftragte zur Leitung von Wortgottesdienstfeiern ausgebildet und beauftragt.

Das Bistum Görlitz verzeichnete 2020 aufgrund des Zuzugs von Katholiken aus Polen einen leichten Zuwachs um 179 auf derzeit 29 790 Mitglieder. Aktuell gibt es im Bistum 29 630 Katholiken.

Gottesdienstbesuch vergleichsweise gut

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens zählte Ende 2020 noch gut 647 200 Mitglieder - rund 16 000 weniger als im Jahr zuvor. Dennoch sind die Kirchenaustritte rückläufig. 2020 verließen 6627 Mitglieder die Gemeinden. Das sind 1000 weniger als im Jahr zuvor.

Einer Sprecherin des Landeskirchenamtes zufolge verschärften neben der fortschreitenden Säkularisierung die Alterung der Gesellschaft und der Wegzug junger Familien den Mitgliederschwund. Dennoch gebe es in Sachsen noch immer viele starke Gemeinden und auch der Gottesdienstbesuch sei vergleichsweise gut.

Ein Teil der Verluste wird auch der Corona-Pandemie zugeschrieben. So seien etwa die Taufen im Jahr 2020 verglichen mit 2019 von 4885 auf 2950 zurückgegangen. 2018 waren es noch mehr als 5400. „Viele Taufen wurden von den Familien aufgeschoben, weil die Feierlichkeiten während des Lockdowns nicht möglich waren“, sagte Landesbischof Tobias Bilz.

Die Folge des „Kleinerwerdens der Kirche“, wie Bilz formulierte: Gemeinden und kirchliche Einrichtungen müssten mit weniger Geld und Mitarbeitern auskommen. Er sehe mit großer Sorge, dass es da oft Überforderung gebe. „Wir müssen neu schauen, was mit weniger Mitteln und Menschen gut zu leisten ist, und Kräfte und Energien vielleicht auch ganz neu ausrichten.“

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Erste Überlegungen zur Anpassung der kirchlichen Strukturen gab es schon 2015. Nach Beschlüssen von Kirchenleitung und Landessynode seien Regionen mit mindestens 4000 Gemeindegliedern gebildet worden, hieß es. Die Gemeinden hätten sich zu Einheiten zusammengeschlossen, die längere Zeit stabil bleiben sollen und in denen mehrere Pfarrerinnen und Pfarrer sowie Mitarbeiter für Gemeindepädagogik, Kirchenmusik und Verwaltung als Team zusammenarbeiten.

Dem Religionsexperte Pickel zufolge trifft die zunehmende politische Spreizung der Gesellschaft auch die Gemeinden. „Das Spektrum reicht von AfD-Anhängern bis zu jenen, die eher den Grünen nahe stehen.“ In den Gemeindevorständen müssten sie gemeinsam Probleme lösen. Die Kirchenleitung müsse sich vor diesem Hintergrund öffentliche Aktionen und Äußerungen immer gut überlegen und sie gut begründen.

Von RND/dpa