Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland 1200 Menschen bei Protestdemo gegen Neonazi-Aufzug in Weimar
Region Mitteldeutschland

Weimar: Hunderte Menschen bei Demo gegen Aufzug von Rechtsextremen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:17 07.08.2021
Hunderte Menschen demonstrieren in Weimar gegen Aufzug der rechtsextremen Szene.
Hunderte Menschen demonstrieren in Weimar gegen Aufzug der rechtsextremen Szene. Quelle: Sebastian Willnow/dpa
Anzeige
Weimar

Bei Protesten gegen einen angemeldeten Aufzug der rechtsextremen Szene in Weimar sind am Samstag nach Polizeiangaben rund 1200 Menschen auf die Straße gegangen. Sie zogen in einer Demonstration durch Teile der Innenstadt. Ein Aktionsbündnis hatte dazu aufgerufen. Am rechten Aufmarsch beteiligten sich nach Angaben eines Polizeisprechers zunächst rund 120 Teilnehmer, was etwa den erwarteten Zahlen entsprach. Weil sowohl die rechte Szene als auch das Aktionsbündnis im Internet ihre Anhänger bundesweit mobilisiert hatten, waren Stadt und Polizei auf deutlich mehr Teilnehmer auf beiden Seiten eingestellt.

Ein Großaufgebot der Polizei war in Weimar im Einsatz. Zu sehen waren auch Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern wie Bayern und Niedersachsen und der Bundespolizei, die Kontrollen von Bahnreisenden am Bahnhof angekündigt hatte.

Polizei fährt Wasserwerfer auf

Während der Protestdemonstration kam es immer wieder zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizisten. Zeitweise fuhr die Polizei einen Wasserwerfer in einer Entfernung von etwa 20 Metern vor den Gegendemonstranten auf, nachdem diese Pyrotechnik gezündet hatten. Unter anderem in der Nähe des Marktplatzes setzen Polizisten Pfefferspray und Schlagstöcke gegen Protestierende ein, mehrere Menschen wurden durch Sanitäter versorgt.

Es gab Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizisten. Die Polizei ließ einen Wasserwerfer auffahren. Quelle: Sebastian Willnow

Die Polizei sprach von mehreren Versuchen durch Gegendemonstranten, auf die Aufzugsstrecke der Rechten zu gelangen. Dabei seien auch etwa 25 Beamte aus Niedersachsen angegriffen worden, berichtete sie auf Twitter. Um dies zu unterbinden, hätten Polizeibeamte Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt. Im Gerangel bei einem Durchbruchsversuch habe ein Medienvertreter beim Fotografieren eine Platzwunde am Kopf davon getragen, sagte ein Polizeisprecher. Es seien auch Platzverweise gegen Gegendemonstranten erteilt worden. Teilweise hätten Gegendemonstranten auch gegen das Vermummungsverbot verstoßen.

„Großes, starkes, antifaschistisches Signal“

Ein Sprecher der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Thüringen (Mobit) zeigte sich erfreut, dass so viele Menschen aus verschiedenen Städten und Regionen in Deutschland gegen den Aufmarsch der Neonazi-Szene auf den Beinen waren. Dies sei in Thüringen erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie bei Protesten gegen Rechtsextreme oder die „Querdenker“-Bewegung gegen die Corona-Politik der Fall gewesen, schätzte ein Mobit-Sprecher in Weimar ein. Die Gegendemonstranten waren aus allen Regionen Thüringens sowie unter anderem aus Leipzig, Halle und Berlin nach Weimar gekommen. Die Linke-Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss bezeichnete dies als „großes, starkes, antifaschistisches Signal“.

Das Nachrichten-Briefing

Die Themen des Tages und besondere Leseempfehlungen: Das Nachrichten-Briefing vom RedaktionsNetzwerk Deutschland. Jeden Morgen um 7 Uhr.

Abonnieren
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Andererseits sei der Versuch der rechtsextremen Szene, auch eine größere Zahl von „Querdenkern“ zu mobilisieren, augenscheinlich nicht gelungen, so der Mobit-Sprecher. Es seien ausschließlich „klassische“ Rechtsextreme vor Ort gewesen.

Bereits am Freitagabend waren nach Polizeiangaben etwa 150 Menschen zu einer friedlichen Demonstration gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen gekommen.

Von RND/dpa