Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland War es Egon? Oder Gollum? So lacht das Netz über den Bruch ins #GrueneGewoelbe
Region Mitteldeutschland War es Egon? Oder Gollum? So lacht das Netz über den Bruch ins #GrueneGewoelbe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
17:33 26.11.2019
Die Olsenbande hat die Juwelen aus dem Grünen Gewölbe wahrscheinlich nicht gestohlen. Im Netz werden Egon und Co. aber als Täter hoch gehandelt. Quelle: dpa
Anzeige
Leipzig/Dresden

Mächtig gewaltig, was da am Montagmorgen in der Dresdner Altstadt über die Bühne ging. Für zahlreiche Kommentatoren in den Sozialen Medien war schon kurz nach dem spektakulären Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe klar, wer hinter dem dreisten Einbruch steckt: Egon, Kjeld und Benny – die legendäre Olsenbande. In 14 dänischen Kriminalkomödien gelangte das Trio zwischen 1968 und 1998 zu Weltruhm. Der Bruch in Dresden war nun vielleicht ihr 15. und größter Coup.

Erste Fahndungsfotos des Gauner-Trios wurden am Montag zumindest schon per Whatsapp, Twitter, Facebook und in anderen Netzwerken in Umlauf gebracht.

Anzeige

Allerdings: So ganz eindeutig sind die Spuren rings um das Residenzschloss wohl doch nicht. Hinter der Tat könnte auch Frauenschwarm George Clooney stecken, finden viele User. Gemeinsam mit Brad Pitt, Matt Damon und anderen Hollywood-Stars hat Clooney als Danny Ocean im Blockbuster „Ocean’s Eleven“ und den danach folgenden Sequels bekanntlich gleich mehrere, extrem gut gesicherte Casinos in Las Vegas ausgeraubt. Dagegen ist der Einstieg ins vergitterte Seitenfenster des Grünen Gewölbes ja praktisch ein Kinderspiel.

Doch wo ist der Schatz jetzt? Gegenüber LVZ.de hatte sich der Leipziger Kunst- und Antiquitätenhändler Fabian Kahl – bekannt aus der TV-Serie „Bares für Rares“ (ZDF) – zum Dresdener Fall geäußert und vermutet, dass es sich um eine Auftragsarbeit handelt. Das Diebesgut werde auch bestimmt nicht bei „Bares für Rares“ angeboten, so seine Vermutung. Die Kommentatoren im Netz sehen das allerdings anders. „Bares für Rares“, so heißt es auf Twitter, sei am Montagmorgen um 20 Folgen erweitert worden. Schließlich werden im Grünen Gewölbe ja bis zu 94 Einzelstücke vermisst.

Schatz? Mein Schatz? Genau, da war ja mal was. Fans des „Herr der Ringe“-Epos gaben der neuen Soko „Epaulette“ bei der Verfolgung der Täter auch schon wichtige Hinweise: Gut möglich, dass „Gollum“ oder ein anderer Hobbit hinter dem Einbruch steckt. Die zwischenzeitlich von einem Boulevardmedium veröffentlichte Täterbeschreibung würde auf jeden Fall genau auf das schizophrene Tolkien-Geschöpf passen. Gollum, von Statur eher klein, aber immer süchtig nach „mein Schatz“.

Nicht jeder war am Montag angesichts des Schadens, der den Staatlichen Kunstsammlungen „und allen Sachsen“ (Ministerpräsident Kretschmer) entstanden ist, zu Späßen aufgelegt. So auch das Satire-Fachmagazin „Der Postillion“, bekannt für seine seröse Art der Berichterstattung. Dort gab es Anteilnahme und gut gemeinte Hinweise, wie sich der Freistaat künftig vor solchen Diebstählen schützen kann: Einfach mal Tür abschließen! Macht Sinn.

Hat Netflix eigentlich schon im Dresdner Residenzschloss angerufen? Schließlich hat der US-Streamingdienst bei der Suche nach guten Geschichten spätestens seit der Verfilmung des Leipziger Drogenhandels „Shiny Flakes“ ein Auge auf Sachsen geworfen. Gut möglich, dass auch große Film-Studios schon Rücklagen zählen, um sich zeitnah die Rechte am Dresdner Bruch sichern zu können. Aber warum so weit schweifen? Vielleicht will der MDR ja doch als erstes zugreifen? „Endlich mal ein gutes Drehbuch für den Dresdner Tatort“, findet Blogger Sven Wernicke.

Aber mal im Ernst: Im Netz gibt es bei aller Häme und Satire auch Kritik, vor allem am vermeintlichen Versagen des Sicherheitsdienstes. Und es werden Vergleiche zum Cum-Ex-Skandal gezogen. Der Dresdner Fall sorge für einen riesigen Aufschrei, heißt es. Bei den Cum-Ex-Machenschaften bleibe der weitgehend aus. Dabei haben dort über Jahre hinweg Kriminelle den deutschen Fiskus um Milliarden Euro erleichtert, indem sie sich beim Handel von Aktien die gezahlte Kapitalertragsteuer gleich mehrfach erstatten ließen.

Von Andreas Dunte / Matthias Puppe