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Mitteldeutschland Wahlkreisprognose für Sachsen: CDU holt auf, AfD büßt ein
Region Mitteldeutschland Wahlkreisprognose für Sachsen: CDU holt auf, AfD büßt ein
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16:55 01.03.2019
Am 1. September 2019 wird in Sachsen ein neuer Landtag gewählt. Quelle: Boris Roessler/dpa
Dresden

Laut einer neuen Analyse von www.wahlkreisprognose.de, die der LVZ exklusiv vorliegt, zeichnet sich ein weiterer Trend ab: Erstmals könnte es zu einem größeren Aufsplitten zwischen Erst- und Zweitstimme kommen – damit wären wiederum mehr Überhang- und Ausgleichsmandate und somit eine Vergrößerung des Landtags verbunden.

Neue Prognose: Innerhalb von zwei Monaten hat es deutliche Verschiebungen gegeben. Im Vergleich zur Januar-Prognose gewinnt die CDU aktuell 36 der 60 Wahlkreise, was einem Plus von acht Mandaten entspricht. Gleichzeitig baut die Union in einigen Wahlkreisen, in denen sie bereits vorn lag, ihren Vorsprung aus. Dagegen kommt die AfD nur noch auf 19 Wahlkreise, sie büßt damit neun ein und verliert selbst sicher geglaubte Führungen (Görlitz, Vogtland). Auch die Grünen müssen in zwei Wahlkreisen den Spitzenplatz (Leipzig, Dresden) abgeben, wovon wiederum die Linken (plus zwei) profitieren. Ein Novum ist: Die SPD könnte seit 15 Jahren erstmals wieder ein Direktmandat gewinnen. „Die Kandidateneffekte ziehen immer stärker“, kommentiert Meinungsforscher Valentin Blumert von wahlkreisprognose.de die Zahlen. Regional betrachtet, gibt es insbesondere im Raum Bautzen und im Erzgebirge größere Veränderungen – von der AfD zur CDU. Bei der Wahl 2014 hatte die Union 59 Wahlkreise gewonnen und musste sich nur im Leipziger Süden der Linken geschlagen geben.

Umkämpfte Wahlkreise: In drei Viertel der Wahlkreise ist mit einem engen Ausgang zu rechnen – das gab es noch nie. Besonders umkämpft sind Leipzig und Dresden. Während sich die Prognosegrafik für die Landeshauptstadt aber zusehends grau färbt, was für einen knappen CDU-Vorsprung steht, zeichnet sich in Leipzig ein Vierkampf zwischen CDU, AfD, Linken und Grünen um die sieben Wahlkreisen ab – das Quartett liegt im Stadtgebiet mit Werten um 20 Prozent nahezu gleichauf, die SPD (16 Prozent) folgt mit leichtem Abstand. Dabei stechen als Einzelkandidaten mit sehr guten Aussichten bislang nur die Landtagsabgeordneten Roland Pohle (CDU) und Juliane Nagel (Linke) heraus. In Dresden hat sich CDU-Fraktionschef Christian Hartmann ein kleines Polster verschafft.

Prominente Kandidaten: Doch nicht nur in den beiden Großstädten deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen an – spannend wird es häufig auch dort, wo landespolitische Prominenz an den Start geht. So liegen Vize-Ministerpräsident Martin Dulig (SPD), Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) und die AfD, die noch einen Bewerber aufstellen wird, in Meißen-Süd nahe beieinander. Aktuell hat Dulig mit 26,5 Prozent die Nase vorn und damit den Wahlkreis gekippt. Mit Petra Köpping haben die Sozialdemokraten ein weiteres heißes Eisen: Im Leipziger Land holt die Ministerin gegenüber dem CDU-Landtagsabgeordneten Oliver Fritzsche immer mehr auf und liegt nur noch um Haaresbreite zurück. Den größten Sprung hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in seiner Görlitzer Heimat hingelegt: War der Wahlkreis vor zwei Monaten noch fest in AfD-Hand, liegt der Regierungschef laut der neuen Prognose 6,5 Prozentpunkte vorn – allerdings will die AfD auch hier ihren Kandidaten erst im März aufstellen. Dagegen liegt AfD-Landeschef Jörg Urban im Wahlkreis Bautzen 5 deutlich vor dem CDU-Landtagsabgeordneten Marko Schiemann. „Es wird so spannend wie noch nie“, prophezeit Valentin Blumert schon jetzt. Sein dreiköpfiges Team hatte zuletzt bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen nach eigenen Angaben eine fast 97-prozentige Treffergenauigkeit erreicht.

Unterschiedliche Stimmenverteilung: Der Meinungsforscher macht mit Blick auf die jüngsten Erhebungen einen weiteren Trend aus, der erhebliche Folgen haben könnte: „Es ist mit einem Stimmensplittung zu rechnen, das es in dieser Form in Sachsen noch nicht gegeben hat.“ Hintergrund ist das sächsische Wahlrecht: Jeder kann zwei Kreuze machen – für einen Direktkandidaten im Wahlkreis (Erststimme) und für die jeweils favorisierte Partei (Zweitstimme). Ist das Votum in besonders vielen Fällen unterschiedlich, kommt es zu Abweichungen zwischen Erst- und Zweitstimmenergebnis. Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, könnte beispielsweise die CDU mehr Direktmandate holen als ihr anhand der Zweitstimmen möglicherweise zustehen würden. Die Folge wären Überhangmandate für die Union und Ausgleichsmandate für andere Parteien. „Unterm Strich wären es mehr Sitze im Landtag. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch“, erklärt Valentin Blumert. Das sieht auch der ehemalige Landeswahlleiter von Sachsen, Otto Wuttke, so: „Die Gesamtzahl steigt, umso größer die Differenz zwischen dem Anteil der Direktmandate der ,großen‘ Parteien und ihrem Zweitstimmenanteil ist“, erläutert Wuttke in der „Freien Presse“.

Größerer Landtag: In der sächsischen Verfassung ist der Umfang des Landtags geregelt: Es soll 120 Abgeordnete geben. In der laufenden Legislatur sind es 126 – weil 2014 auf die CDU aufgrund ihrer Dominanz in den Wahlkreisen drei Überhangmandate entfielen, erhielten Linke, SPD und AfD jeweils ein Ausgleichssitz. Otto Wuttke geht in seinem Modell, das er für die Chemnitzer Zeitung berechnet hat, von bis zu 164 Landtagsabgeordneten aus. Das wäre allerdings nur der Fall, wenn die Union alle Wahlkreise für sich entscheiden könnte und gleichzeitig nur bei 30 Prozent der Zweitstimmen landen würde. Realistischer ist eine Aufstockung um 10 bis 20 Sitze. Ein solches Plus würde jährlich zwischen zwei und vier Millionen Euro zusätzlich kosten.

Von Andreas Debski

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