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Mitteldeutschland Von Gerstengrund bis Gotha: Das sind die Hochburgen der Thüringer Parteien
Region Mitteldeutschland Von Gerstengrund bis Gotha: Das sind die Hochburgen der Thüringer Parteien
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18:32 28.10.2019
Blick auf den Neumarkt in Gotha. Die fünftgrößte Stadt in Thüringen ist eine Hochburg der Sozialdemokraten. (Archivfoto) Quelle: dpa
Erfurt

Ein ganzes Bundesland wählt rot – das könnte man angesichts der Wahlkarte in Thüringen denken. In 38 der 44 Wahlkreise hatte die Linke am Sonntag bei den Zweitstimmen die Nase vorn. Der Blick in die mehr als 3000 Wahlbezirke – also in die Wahllokale in Dörfern und Stadtteilen – offenbart aber auch Hochburgen der Konkurrenten.

Doch vorerst zum Wahlsieger Linke: Am rotesten war Thüringen am Sonntag eindeutig in einigen Straßenzügen von Hirschberg (Saale-Orla-Kreis): im Ortsteil Göritz strömten der Partei 54,5 Prozent Zustimmung entgegen. Dazu beigetragen haben genau 48 der 88 Göritzer, die zur Wahl gegangen waren. Ähnlich gut lief es nebenan im Remptendorfer Ortsteil Thierbach mit 54,1 Prozent und im Dörfchen Raila im Schiefergebirge mit 50,8 Prozent. In weiteren 100 Wahllokalen hieß es immerhin 40 Prozent plus X. Spitzenkandidat Bodo Ramelow ließ in seinem Erfurter Wahlkreis auch nichts anbrennen, zog dort mit 42,1 Prozent das Direktmandat. Weniger Freunde hat die Linke dagegen offenbar in Bremen, einem Ortsteil von Geisa (Wartburgkreis), wo nur 3,5 Prozent zum Wahlsieg beitrugen. In zwei weiteren Bezirken blieb die Linke auch unter fünf Prozent.

Zwei Drittel AfD-Wähler in Paska

In Paska am Hohenwarte-Stausee (Saale-Orla-Kreis) wohnen gut 100 Menschen, 59 von ihnen gaben am Sonntag ihre Stimme ab, 37 davon machten ihr Kreuz bei der AfD – am Ende gab es so 62,7 Prozent Zustimmung für die Rechtspopulisten. Rekord in Thüringen. In Kühdorf lief es etwas schlechter, hier lag die AfD bei 54,2 Prozent. In Cretschwitz am Rand von Gera waren es 51,4 Prozent. Dass es im ländlichen Raum aber auch anders geht, zeigte Gestengrund im Wartburgkreis mit null Prozent Zustimmung für die Rechtspopulisten. Die 66 Einwohner können sich deshalb jetzt übrigens über Freibier freuen – spendiert von der Satirepartei Die Partei. Insgesamt gab es noch vier weitere Wahlbezirke, in denen die AfD unter der Fünf-Prozent-Hürde blieb, allesamt in Jena. Klar gescheitert ist Spitzenkandidat Björn Höcke trotz 20,2 Prozent bei der Direktwahl im Eichsfeld. Wahlgewinnerin Christina Tasch (CDU) holte 41,5 Prozent.

Funfact: Die einzige Gemeinde, in der die verfickte AfD unter 5% erreicht hat (nämlich exakt 0%) und sich damit einer...

Gepostet von Die PARTEI Thüringen am Montag, 28. Oktober 2019

Was die Satiriker der Partei womöglich nicht wissen: Ihr Freibier im Gerstengrund trinken demnächst vor allem CDU-Wähler, denn das Örtchen ist sicherstes Unionsterritorium. 82,9 Prozent der abgegebenen Stimmen gingen dort an die CDU. Hinter Gerstengrund folgen Sickerode (Eichsfeld) mit 77,6 Prozent Zustimmung und der südöstliche Teil der Kleinstadt Geisa (Wartburgkreis) mit 70,1 Prozent als echte Unionshochburgen. Unter fünf Prozent blieb die Union nirgends, am wenigsten Zustimmung erhielt die frühere Regierungspartei in einem Teil von Jena und in Hohenwarte am Stausee mit jeweils knapp über der Sperrklausel. Ganz anders Spitzenkandidat Mike Mohring: Der konnte in seinem Wahlkreis im Weimarer Land mit 31,2 Prozent das Direktmandat gewinnen.

Gotha ist sozialdemokratisch

Für die SPD war der Sonntag wieder einmal ein gebrauchter Tag: Spitzenkandidat Wolfgang Tiefensee kam in seinem Wahlkreis in Gera mit 15,3 Prozent nur auf Platz drei – deutlich hinter AfD-Mann Wolfgang Lauerwald (32,9 Prozent). Die SPD-Wahlhochburg war stattdessen klar Gotha mit zum Teil 25 Prozent Zustimmung bei den Zweitstimmen und einem Direktmandat für Sozialdemokrat Matthias Hey. Ein Hauch von alter Stärke zeigte die SPD auch in Holzsußra (Kyffhäuserkreis, 22,8 Prozent) und im Dittersdorfer Ortsteil Dragensdorf (Saale-Orla-Kreis, 22,7 Prozent). Die Kehrseite: In mehreren Hundert der 3000 Wahllokale blieb die SPD unter fünf Prozent. In 14 fand sich gar niemand, der bei den Sozialdemokraten ein Kreuz machen wollte.

Anja Siegesmund, Thüringens Umweltministerin und Grünen-Spitzenkandidatin, trat zur Direktwahl in Jena an. Quelle: Robert Michael/dpa

Überraschend knapp war der Einzug ins Parlament letztlich bei den Grünen. Sicher ist: An den Wählern in Jena und Weimar hat dies keinesfalls gelegen, dort übersprang die Partei fast überall die 20-Prozent-Marke. In der Jenaer Innenstadt wählten gar 28,5 Prozent grün. Spitzenkandidatin Anja Siegesmund war hier angetreten, musste sich mit 24,7 Prozent Direktstimmen aber letztlich Linken-Kandidat Torsten Wolf geschlagen geben. In einem großen Teil der Thüringer Wahllokale blieben die Grünen am Sonntag aber auch deutlich unter fünf Prozent, in 111 Bezirken gab es gar keine Stimme für die Umweltpartei.

Thüringens Liberale mussten am Sonntagabend sehr lange Zittern – letztlich machten genau fünf von ihren insgesamt 55.000 Stimmen den Unterschied, sodass die FDP den Wiedereinzug in den Thüringer Landtag feiern konnte. Am besten lief es für die Partei in der Siedlung Willersdorf am Rand von Tanna (Saale-Orla-Kreis) mit 21 Prozent und in Göllnitz im Altenburger Land mit 20,7 Prozent FDP-Wählergunst. Spitzenkandidat Thomas Kemmerich erreichte im Erfurter Direktwahlkreis von Ministerpräsident Ramelow immerhin sieben Prozent. In sehr vielen Wahlbezirken blieben die Liberalen aber eben auch klar unter der Fünf-Prozent-Hürde, in 37 gab es gar keine Stimme für die FDP.

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