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Mitteldeutschland Kommt der große Regen jetzt auch nach Sachsen?
Region Mitteldeutschland

Unwetter: Kommt der große Regen jetzt auch nach Sachsen?

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18:12 15.07.2021
Der völlig vom Ahr-Hochwasser überflutete Ort Altenburg in Altenahr (Rheinland-Pfalz). Solche Bilder rufen in Sachsen böse Erinnerungen an die Fluten von 2002 und 2013 wach.
Der völlig vom Ahr-Hochwasser überflutete Ort Altenburg in Altenahr (Rheinland-Pfalz). Solche Bilder rufen in Sachsen böse Erinnerungen an die Fluten von 2002 und 2013 wach. Quelle: dpa/Polizei
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Leipzig/Döbeln/Rötha

Bäche, die zu reißenden Flüssen werden, einstürzende Häuser, vom Wasser eingeschlossene Menschen und Orte, Tote, Vermisste. Die Bilder aus Städten und Dörfern in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen treiben den Menschen in Sachsen und Mitteldeutschland Sorgenfalten auf die Stirn. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an die schweren Hochwasser von 2002 und 2013. Und die sind durchaus vergleichbar mit der aktuellen Lage in Teilen Westdeutschlands, sagt Dominik Jung vom Portal wetter.net. Drohen nun auch in Sachsen erneute Sturzfluten?

DWD-Experte: „Die Luftmasse gibt schon was her“

Am Donnerstag und am Freitag seien im Freistaat noch kräftige Gewitter und Starkregen möglich – und das kann auch zu lokalen Überflutungen führen, erklärt Henry Geyer vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Örtlich einzugrenzen seien diese Ereignisse zurzeit aber noch nicht. Das verantwortliche Tiefdruckgebiet zieht vom Südosten in den Nordwesten Sachsens könne regional durchaus Regenfälle bis zu 60 Liter pro Quadratmeter bringen. „Die Luftmasse gibt schon was her“, sagt Geyer, der beim DWD für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zuständig ist.

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Bis zum Freitag können aus dem Bergland Schauer und Gewitter heranziehen, dann verliert das Tief langsam an Kraft und löst sich allmählich auf. Zwar sind auch Sonnabend noch Regen und Gewitter möglich. Die Lage werde sich aber insgesamt beruhigen, so Geyer. „Ab dem Wochenende wird es auch sonniger“, sagt auch Dominik Jung, „die Unwetter machen Pause.“

Fünf-B-Wetterlage derzeit ausgeschlossen

Die Situation in Sachsen sei nicht vergleichbar mit dem, was gerade im Westen des Landes passiert, betont Meteorologe Geyer. Eine so genannte Fünf-B-Wetterlage, wie es sie unter anderem beim schweren Hochwasser vor 20 Jahren gab, hatte auch der DWD noch am vergangenen Sonnabend für diese Woche als denkbares Szenario gesehen. „Die ist aber derzeit auszuschließen“, erklärt Meteorologe Geyer.

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Zuletzt hatte es die heftigsten Regenfälle in Freiberg gegeben, wo am Dienstag binnen einer Stunde 41 Liter Regen pro Quadratmeter fielen – Dienstag und Mittwoch waren es dort in Summe 44 Liter. Auf diese Summe kam auch der Ortsteil Heinersgrün in Weischlitz (Vogtlandkreis).

„Das Wetter bringt immer mal wieder neue Rekorde“

Karsten Schwanke hatte am Mittwoch in den Tagesthemen erklärt, eine Wetterlage wie derzeit im Westen habe er noch nie erlebt. Der ARD-Meteorologe bringt die Unwetter auch mit dem Klimawandel in Verbindung. DWD-Mann Geyer sieht das anders. „Ein statistischer Beitrag kann schon dabei sein“, so der Meteorologe. „Aber so ein Ereignis komplett auf den Klimawandel zu schieben, halte ich für gewagt.“ Die Niederschlagsmengen in NRW und Rheinland-Pfalz seien zwar außergewöhnlich. „Aber das Wetter bringt immer mal wieder neue Rekorde – so wie in Sachsen 2002 und 2013 werden jetzt dort Rekorde gebrochen.“ Tiefdruckgebiete als Großwetterlage seien grundsätzlich nichts Ungewöhnliches.

Auch die Landestalsperrenverwaltung gibt Entwarnung: „Wir haben eine erhöhte Wasserführung, das ist aber nichts Ernstes“, sagt Betriebsleiter Axel Bobbe. Am Wochenende war die Lage kritischer – wegen teils schnellen Pegelerhöhungen nach starken Niederschlägen. Besonders die Freiberger Mulde reagiert auf solche Situationen sensibel. In Döbeln wurde deshalb von Sonntag bis zum heutigen Donnerstag Wasser in die Flutmulde geleitet. Das 15 Millionen Euro teure Schutzbauwerk wird eigentlich erst im September fertig gestellt, musste aber bereits mehrere Male genutzt werden, um Situationen zu entschärfen, sagt Bobbe. Im Döbelner Stadtgebiet wäre die Mulde in den vergangenen Tagen ohne diese Maßnahme über die Ufer getreten; Straßen hätten 20 bis 30 Zentimeter unter Wasser gestanden, vermutet Bobbe.

Nun ist also erstmal Entspannung angesagt. Aber: Ende Juli wird es wieder wechselhaft, neue Gewitter sind möglich. „Der Unwettersommer geht weiter“, sagt Meteorologe Jung.

Von Björn Meine