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Mitteldeutschland Schwere Unfälle mit Radfahrern: So werden Städte sicherer
Region Mitteldeutschland Schwere Unfälle mit Radfahrern: So werden Städte sicherer
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20:18 23.05.2019
Die Unfallstelle in der Jahnallee Höhe Kleinmesse-Einmündung (großes Foto): Die 20-jährige Fahrradfahrerin war auf dem Geh- und Radweg unterwegs, als sie ein rechtsabbiegender Laster-Fahrer offenbar übersah und mit seinem tonnenschweren Gefährt erfasste (kleines Foto). Quelle: Fotos: Dirk Knofe
Leipzig

Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen mit Radfahrern in Sachsen. Am Donnerstag überfuhr ein Lkw einen 54 Jahre alten Radfahrer an der Stauffenbergallee in Dresden. Der Radler erlag noch am Unfallort seinen Verletzungen. Am Mittwochmittag starb eine junge Frau in Leipzig, als sie ein Lkw erfasste. Der 57-jährige Fahrer des Lasters hatte die junge Leipzigerin offenbar übersehen, als er in der Jahnallee auf das Kleinmesse-Gelände abbiegen wollte. Unfallforscher Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer im Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, fordert im Interview mehr Investitionen in Abbiegeassistenten für Brummis. Aber auch die Kommunen sollten für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen.

Der tödliche Unfall vom Mittwoch war nicht das erste derartige Unglück in der Messestadt. Und auch anderswo sterben Radfahrer, weil sie von Lkw-Fahrern nicht gesehen wurden. Würden Abbiegeassisteten diese Unfälle verhindern?

Ja, Abbiegeassistenten in Lkw können diese Unfälle beinahe vollständig verhindern. Diese Technik muss also schnell in die Lkw-Flotte. Das Nachrüstprogramm des Bundesverkehrsministeriums war da sicher gut, um das anzuschieben, aber mit fünf Millionen Euro viel zu schwachbrüstig bestückt. Die Gelder waren sofort weg. Ich hoffe, dass nicht nur für dieses, sondern auch für die nächsten Jahre weitere Mittel bereitgestellt werden. Denn diese Technik muss schnell kommen, um Leben zu schützen. Die Lkw-Unfälle, auch wenn sie zumeist tödlich enden, sind aber nicht das Hauptproblem für Radfahrer.

Sondern?

Es stoßen weit mehr Radfahrer mit Pkw zusammen. Rund 60 Prozent aller verletzten Radfahrer kollidierten mit einem Pkw. Im vergangenen Jahr betrug der Anstieg getöteter Radfahrer rund 14 Prozent, was auch darauf zurückzuführen ist, dass immer mehr das Fahrrad nutzen – ob in der Freizeit oder auf dem Weg zur Arbeit. Die Gestaltung der Infrastruktur hält mit dieser Entwicklung aber nicht Schritt. Solange da nicht gegengesteuert wird, wird die Zahl der Radfahrerunfälle weiter steigen.

Parkende Autofahrer öffnen, ohne sich umzusehen, die Tür und Radfahrer stürzen. Ist da die Kommune nicht hilflos?

Keineswegs, sie muss mehr sichere Radwege bauen. Viel zu oft führen Radspuren direkt an Parkflächen vorbei. Notwendig wäre hier ein Sicherheitstrennstreifen von 75 Zentimetern Breite. Außerdem kann die Kommune dafür sorgen, dass mehr Parkflächen vom öffentlichen Raum in Parkhäuser verlegt werden. Die Politik sollte zudem für alle Pkw Systeme vorschreiben, die den Fahrer bei Annäherung eines Radfahrers warnen oder die Autotür sogar bremsen. Dann gäbe es weniger Dooring-Unfälle. So heißen diese Unfälle in der Fachwelt, bei denen Autofahrende durch das Öffnen der Autotür Radfahrende zum Sturz bringen. Ihr Anteil an allen Fahrradunfällen liegt zwar bei unter zehn Prozent. Innerorts sind das aber erheblich mehr und Dooring-Unfälle führen sehr häufig zu schweren und mitunter auch tödlichen Verletzungen.

Die meisten Unfälle ereignen sich an Kreuzungen. Wie können diese Unfallschwerpunkte entschärft werden?

Da wo Autos und Radfahrer auf- einandertreffen, also an Kreuzungen, Einmündungen und Grundstücksausfahrten, passieren in der Tat die meisten Unfälle. Hier sind gute Sichtbeziehungen besonders wichtig. Kreuzungen sollten deshalb so umgestaltet werden, dass die Radwege frühzeitig an die Fahrbahn verlegt werden.

Sollten Radwege farblich sein?

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass farbige Radwege sicherer sind. Ich meine aber, Farbe kann nicht schaden.

Wie breit sollten Radwege sein?

Sie sollten so breit sein, dass Radfahrer beim gegenseitigen Überholen nicht auf die Fahrbahn ausweichen müssen. Wir meinen 1,85 Meter sind das Mindeste. Viele Anlagen, auch neuere, sind aber schmaler. Breite Radwege können aber den Verkehr auch beschleunigen, an der nächsten Kreuzung kann das dann zum Problem werden. Wichtig wären auf jeden Fall getrennte Abbiegeströme.

Das heißt?

Wir brauchen eine separate Ampelschaltung: Wenn der Radfahrer Rot hat, hat der Autoverkehr Grün und umgekehrt. Das ist in den meisten Städten eher selten.

Weil das die Flüssigkeit des Verkehrs an den Kreuzungen einschränkt?

Planer führen dieses Argument oft ins Feld. Das war auch lange von der StVO gedeckt. Jetzt aber müssen zuerst die Sicherheitsaspekte berücksichtigt sein, bevor man an die Flüssigkeit des Verkehrs denkt. Das ist noch nicht bei allen Planern angekommen. Oft ist es so: Da wo viele Radfahrer unterwegs sind, kann ohnehin kaum ein Auto während der gemeinsamen Grünphase abbiegen. Getrennte Abbiegeströme können an diesen Stellen durchaus sogar für eine steigende Leistungsfähigkeit sorgen. Im Zweifelsfall kann den Planern bei der Entscheidung hier eine Simulation des Verkehrs helfen.

Auf den Straßen sind immer mehr Pedelecs unterwegs …

Was auch zu mehr Unfällen mit diesen Fahrrädern führt. Pedelecs werden sehr gern von Älteren gekauft. Viele bleiben so auch im Alter mobil. Eine gute Sache, finde ich. Nur leider lässt die Art der Unfälle darauf schließen, dass oftmals das Pedelec nicht hinreichend beherrscht wurde. Es gibt viele sogenannte Alleinunfälle, sprich es ist kein weiterer am Unfall beteiligt. Insgesamt nahm die Zahl der Pedelec-Unfälle mit Personenschaden deutlich zu – und zwar zuletzt um 30 Prozent.

Wie können derartige Unfälle verhindert werden?

Ich könnte sagen, das müssen wir in Kauf nehmen, weil Senioren dadurch mobiler werden. Besser wäre aber ein Zähmen der Technik. Wenn jemand, der mit dem Fahrrad mangels Muskelkraft auf ebener Strecke nicht dauerhaft 25 Stundenkilometer schafft, sollte er das auch auf dem Pedelec nicht können.

Von Andreas Dunte

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