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Mitteldeutschland Umfrage: Sachsen sorgen sich weniger um Flüchtlinge - mehr um Rente
Region Mitteldeutschland Umfrage: Sachsen sorgen sich weniger um Flüchtlinge - mehr um Rente
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07:13 27.03.2019
Fast jeder Dritte in Sachsen wünscht sich mehr Einsatz bei Kitas und Schulen. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Dresden

Für die übergroße Mehrzahl der Sachsen muss sich die neue Landesregierung, die im Herbst gewählt wird, noch viel stärker als bisher um soziale Themen kümmern. Dagegen spielen die Flüchtlingsproblematik oder auch die Bekämpfung der Kriminalität im öffentlichen Bewusstsein offenbar nur noch eine marginale Rolle. Das geht aus dem aktuellen Meinungsbarometer der Leipziger Volkszeitung hervor.

Das beschäftigt die Sachsen

Danach gibt mehr als jeder dritte Befragte (34 Prozent) auf die Frage, welches Problem im Freistaat am dringendsten gelöst werden müsste, mehr Einsatz für Renten, Pflege und Gesundheitsversorgung an. Für die Frauen ist das Thema mit je 39 Prozent sogar von noch größerer Relevanz. Und unter den Schulabgängern bis zur Klasse 8 wird es von mehr als der Hälfte (57 Prozent) an vorderster Stelle genannt. Dabei gibt es feine Unterschiede zwischen den Wählern der einzelnen Parteien: Während 43 Prozent der AfD- und 33 Prozent der CDU-Wähler das Thema ganz oben auf die Agenda setzen, sind es bei der FDP nur 16 Prozent.

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Ein weiteres knappes Drittel (29 Prozent) der Befragten wählt mehr Einsatz für Kitas und Schulen zum Hauptthema. Bei den Frauen mit 30 Prozent erneut mehr. Vor allem Sachsen mit Abitur, Fach- oder Hochschulabschluss zeigen sich hier besorgt: Ein Drittel (33 Prozent) sieht Nachholbedarf. Allerdings waren es im August vergangenen Jahres sogar 37 Prozent aller Sachsen, die das Thema an die erste Stelle hoben.

"Abnehmende Gefahr von Geflüchteten"

Hans Vorländer, Politik-Professor am Institut für Politikwissenschaft der TU Dresden, bestätigt das: „Wir haben eine tendenziell abnehmende Zahl von Geflüchteten und in unserer Region – Gott sei Dank – im Augenblick keine terroristischen Anschläge, so dass die Fragen von Bedrohung und Sicherheit in Zusammenhang mit der Migrationsfrage im Augenblick keine Rolle spielen.“ All dies spreche dafür, dass die Frage von Migration und Integration nicht mehr den Stellenwert hat wie 2015 und in den Nachfolgejahren, so der Politik-Experte.

Mehr Engagement für Umweltschutz bewegt zumindest noch 12 Prozent der befragten Sachsen. Bei den Jüngeren bis 29 Jahre jedoch deutlich mehr (30 Prozent). Und naturgemäß auch mehr Grünen-Wähler: 33 Prozent. Den Ausbau des Nahverkehrs in Stadt und Land nennen 9 Prozent – und doppelt so viele Männer (12 Prozent) wie Frauen (6 Prozent) – als ihre Hauptsorge.

Zuwanderung nicht mehr beherrschende Thema

Hingegen sind nur noch 6 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Zuwanderung von Flüchtlingen begrenzt werden müsse. Im August vergangenen Jahres waren es noch mehr als doppelt so viel (15 Prozent). Selbst unter den AfD-Wählern kommt das Thema hinter den sozialen Problematiken nur auf Platz 3. Nur zwei Prozent aller Befragten meinen, dass mehr für die Integration von Flüchtlingen getan werden solle. Ein Drittel dessen, was im August 2018 dieses Thema votete.

Auch mehr Einsatz bei der Kriminalitätsbekämpfung bezeichnen überraschend nur sechs Prozent als dringendstes Problem. Bei den 18- bis 29-Jährigen spielt dieses Thema gar keine Rolle.

Studienleiter Andreas Czaplicki interpretiert das so: „Wir haben ja nach den drängendsten Problemen in Sachsen gefragt. Deshalb nennen die Befragten hier Probleme, an denen eine sächsische Landesregierung etwas bewegen könnte und wo man sie in der Pflicht sieht: Schulen, Kitas, Pflege und Gesundheitsversorgung.“ Dass die Flüchtlingszahlen seltener genannt werden, heiße nicht, dass es die Menschen nicht besorge. „Aber die Zuständigkeiten werden hier wohl eher in Berlin gesehen als in Dresden“, so Czaplicki.

Für den Stimmungstest waren in der ersten Märzhälfte 700 Sachsen über 18 Jahre repräsentativ vom Leipziger Institut IM Field im Auftrag der LVZ befragt worden.

Von Roland Herold