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Mitteldeutschland Umfrage: Große Mehrheit will Regierung unter CDU-Führung
Region Mitteldeutschland Umfrage: Große Mehrheit will Regierung unter CDU-Führung
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22:10 24.03.2019
Eine künftige Koalition aus CDU (rechts Ministerpräsident Michael Kretschmer) und SPD (links Wirtschaftsminister Martin Dulig) können sich aktuell nur elf Prozent der Sachsen vorstellen. (Archivfoto) Quelle: dpa
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Leipzig

Die in Sachsen regierende große Koalition hat laut der neuen Umfrage der Leipziger Volkszeitung nicht nur ihre Mehrheit verloren – sondern fällt auch als potenzielles Bündnis nach der Landtagswahl am 1. September 2019 durch. Demnach wünscht sich nur etwa jeder neunte Befragte eine Fortsetzung der Koalition von CDU und SPD. Den meisten Zuspruch hat Rot-Rot-Grün mit 17 Prozent (August 2018: 15 Prozent). Allerdings ist die größte Gruppe (25 Prozent) noch unentschlossen, welche Regierung sie favorisieren soll.

CDU-Anhänger sind uneins, wen sie wollen – aber AfD wird ausgeschlossen

Das ergab eine LVZ-Umfrage, für die vom 4. bis 13. März 703 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte aus ganz Sachsen befragt wurden. Erhoben wurden die Daten durch die Leipziger IM Field GmbH in Kooperation mit der Forschungsberatung Dr. Andreas Czaplicki. „Welche Koalition im September realistische Chancen hat, die Regierung zu bilden, ist für die Wähler momentan kaum abzuschätzen. Entsprechend vielfältig sind die Wünsche zum jetzigen Zeitpunkt“, erklärt Meinungsforscher Czaplicki, der die Studie geleitet hat. Er prognostiziert: „Je näher der September rückt, umso klarer dürfte das Bild werden.“

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Vor allem die Wählerschaft der CDU ist uneins, welche Koalition für die Partei das Beste wäre: Zwar sprechen sich viele Unionsanhänger für die SPD als Partner aus (26 Prozent), doch jeder zweite CDU-Sympathisant (49 Prozent) würde gern die FDP mit in die Regierung holen – in unterschiedlichen Konstellationen mit den Grünen, der SPD und den Freien Wählern.

SPD-Sympathisanten neigen zu Rot-Rot-Grün

Bei der Umfrage zeigt sich auch, dass unter den SPD-Sympathisanten ein Bündnis mit der Linken und den Grünen einen gewissen Reiz besitzt: Für Rot-Rot-Grün würden sich aktuell mehr Anhänger als für eine Fortsetzung der großen Koalition entscheiden. Dagegen gibt es bei den Grünen-Wählern die Tendenz, es lieber mit der CDU und der SPD zu versuchen, als sich auf Rot-Rot-Grün einzulassen. Eindeutige Präferenzen gibt es nur bei der AfD-Anhängerschaft, die sich allein ein Bündnis mit der CDU vorstellen kann – das stößt bei deren Wählern aber auf gar kein Interesse.

Jüngere favorisieren Grüne und SPD – entweder mit CDU oder Linker

Auffällig ist, dass sich insbesondere Ältere und Befragte mit niedrigeren Schulabschlüssen mit einer Entscheidung schwer tun – und im Zweifel keine Koalition favorisieren. Demgegenüber scheinen sich Akademiker bereits relativ einig: Sie wünschen sich ein Bündnis von Grünen und SPD entweder mit der Linken oder der CDU.

Diese beiden Konstellationen werden auch klar von Jüngeren und von vielen Frauen bevorzugt. Dabei gibt es in der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahre den eindeutigen Favoriten unter allen: 34 Prozent sprechen sich für eine Allianz aus CDU, SPD und Grünen aus, auch Rot-Rot-Grünt liegt mit 19 Prozent über dem Durchschnitt. Unter den Jüngeren ist gleichzeitig der Anteil der Unentschlossenen mit nur 12 Prozent am geringsten. Dagegen können sich überdurchschnittlich viele Männer mittleren Alters eine Regierungsbeteiligung der AfD vorstellen, die auf der weiblichen Seite dagegen klar durchfällt.

Was sich schon sagen lässt: Eine Vierer-Koalition ist wenig realistisch und könnte zur Unregierbarkeit führen. Aufgrund der Umfragewerte würde momentan nur ein CDU/AfD-Bündnis oder mindestens eine Dreier-Allianz unter Unionsführung mit verschiedenen Partnern möglich sein. „Insgesamt lässt sich sagen: Es ist wahnsinnig viel Dynamik drin, und es kommt auf die nächsten Monate an“, sagt die Politikprofessorin Astrid Lorenz von der Universität Leipzig. Es zeichne sich aber ab, „dass SPD und Grüne das Zünglein an der Waage sein könnten“.

In der Umfrage erreicht die CDU 27 Prozent. Dahinter wird es sehr eng. Zweitstärkste Kraft ist die AfD mit 18 Prozent, sie rutscht damit im Vergleich zum August 2018 um sechs Prozentpunkte ab. Dahinter folgen die Linke (17 Prozent) und die Grünen (16 Prozent), die mit so vielen Stimmen wie nie zuvor in Sachsen rechnen können, sowie die SPD (11 Prozent). Für die FDP (5 Prozent) und die Freien Wähler (2 Prozent) wird es knapp, um in den neuen Landtag einziehen zu können.

Von Andreas Debski