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Mitteldeutschland Tempolimit? Einsatzkräfte in Sachsen sehen ganz andere Unfallgefahr
Region Mitteldeutschland Tempolimit? Einsatzkräfte in Sachsen sehen ganz andere Unfallgefahr
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11:58 30.01.2019
Höchstens 120 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf der Landstraße: Geht es nach der Deutschen Umwelthilfe, dann könnte das Tempolimit auf dem Klageweg doch noch kommen. Quelle: dpa
Leipzig

Kommt doch noch das Tempolimit in Deutschland auf dem Klageweg? Nachdem die Bundesregierung allen Vorstößen für Tempo 130 auf Autobahnen eine klare Absage erteilt hat, will die Deutsche Umwelthilfe (DUH) unverdrossen weiter für höchstens 120 km/h auf Autobahnen und 80 km/h auf Landstraßen kämpfen. Man prüfe auch den Klageweg, hieß es bereits im Vorfeld der Regierungsabsage. Zudem fühlt sich die DUH beispielsweise durch eine Kampagne der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) unterstützt, die eine Tempolimit-Petition ankündigte. Ab Aschermittwoch (6.März) will die EKM dafür insgesamt 50 000 Unterstützer-Unterschriften sammeln. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch wirft Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) derweil Ignoranz und Lobbyismus vor: „Herr Scheuer agiert nicht als Verkehrsminister, sondern wie der offizielle Vertreter der Autoindustrie“, sagt er der Rheinischen Post.

Feuerwehrchef Wiedemar: LKW-Überholverbot wäre besser

Unter Einsatzkräften in der Region Leipzig ist man in Sachen Tempolimit eher skeptisch. So auch Wolfgang Wenzel, Wehrleiter der freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Wiedemar. Wenzel wird zusammen mit seinen Kameraden regelmäßig zu schweren Unfällen auf die nahen Autobahnen 9 und 14 gerufen. Von den letzten 90 Einsätzen waren rund zwei Drittel im Zusammenhang mit Verkehrsunfällen auf Landstraßen und den Bundesautobahnen, sagt der Wehrleiter. Dennoch hält der Feuerwehrchef nicht viel von neuen Verbotsregeln. Er sagt: „Wer schnell fahren will, fährt auch trotz des Tempolimits schnell.“ Es gebe schließlich auch Leute, die trotz besseren Wissens über eine rote Ampel fahren. Wenzel sieht dagegen eine ganz andere Unfallgefahr: Der Gesetzgeber solle besser einmal über ein Überholverbot für Lkw nachdenken. Dann blieben immer zwei oder zumindest eine Spur für Pkw frei.

PD Chemnitz: Schwerste Unfälle durch Alkohol und Raserei

Bei regionalen Polizeidienststellen hält man sich indes offiziell zurück. So heißt es bei der Polizeidirektion Chemnitz lediglich: Die Debatte um Tempolimits auf Autobahnen wird auf Bundesebene geführt und dort auch entschieden. Polizeihauptkommissarin Doreen Göhler sagt auf Nachfrage, dass unangepasste Geschwindigkeit nicht nur auf Autobahnen sondern auch auf Landstraßen eine große Unfallursache sei.

Die schwersten Unfälle in der PD Chemnitz, zu deren Zuständigkeit auch der Altkreis Döbeln gehört, passierten oftmals unter Alkoholeinfluss – aber auch durch zu hohe Geschwindigkeiten. „Zur Bekämpfung dieser Ursachen werden durch die Polizei immer wieder Kontrollen durchgeführt“, so Göhler. Noch distanzierter fällt die Aussage in Nordsachsen aus. Aus Sicht des Delitzscher Polizeireviers sei zum Thema Tempolimit keine Aussage der Polizei notwendig, sagt deren Leiter Holger Stecher. Es sei eine politische Debatte mit subjektiven Meinungen, so der Hauptkommissar. Eine Zustimmung sieht anders aus.

Umwelthilfe pocht auf mehr Klimaschutz durch weniger Tempo

Die DUH fordert das generelle Tempolimit vor allem aus zwei Gründen: Weniger Rasen würde die Unfallzahlen erheblich senken und den klimaschädlichen CO2-Ausstoß erheblich senken. Diese Argumente hält dagegen „Mobil in Deutschland“ für komplett irreführend und nicht belegt – innerhalb weniger Tage sammelte der Verband über 50 000 Unterschriften gegen Tempo 130. So sei der Klimaschutz-Beitrag ein „Null-Effekt“: Maximal 0,3 Prozent CO2 können laut Umweltbundesamt mit einem Tempolimit eingespart werden. Gleiches gelte für die Luftverbesserung: Ein Großversuch des TÜV in den 1980er Jahren habe eine Senkung der gesamten Stickoxid-Emissionen in Westdeutschland durch Tempo 120 um lediglich rund ein Prozent ergeben. Inzwischen sei aber der NO2-Ausstoß um rund die Hälfte zurückgegangen, der Effekt würde also nahezu verpuffen.

Experten-Streit über sinkende Unfallzahlen

In Sachen Verkehrssicherheit streiten die Experten. Während eine Studie des Landes Brandenburg belegt, dass die Zahl der Unfälle im Tempo 130-Abschnitt zwischen den Autobahndreiecken Wittstock/Dosse und Havelland seit Ende 2002 um etwa die Hälfte zurückgegangen sei, bezweifelt „Mobil in Deutschland“ diese Wirkung. So kämen pro eine Milliarde Fahrzeugkilometer auf deutschen Autobahnen drei Personen ums Leben. In Österreich, wo maximal 130 km/h vorgeschrieben sind, läge der Anteil auf gleicher Streckenlänge mit 4,8 tödlich verunglückten Personen weitaus höher. Ähnlich sehen die Zahlen in den Tempolimit-Ländern USA und Belgien aus.

Rund ein Drittel aller in Deutschland polizeilich registrierten Unfälle auf Autobahnen lägen außerhalb von Baustellen und ereigneten sich auf Streckenabschnitten mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung. Dieser Wert sei gleich mit Streckenabschnitten ohne Tempolimit. „Eine erhöhte Unfallgefahr auf Streckenabschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung ist also nicht nachweisbar“, so Verbandsvorsitzender Michael Haberland.

De facto gibt es schon Tempolimit auf Autobahnen

Zudem gäbe es de facto bereits ein Tempolimit in Deutschland. „Wenn man in Deutschland alle Straßenkilometer addiert, dann gibt es genau zwei Prozent Autobahnstraßen in Deutschland. Davon hat bereits die Hälfte ein permanentes oder temporäres Limit“, so Haberland weiter. Dazu käme noch:

* Es herrscht ein faktisches Tempolimit auf über 25 Prozent unseres Bundesautobahnnetzes, da diese Abschnitte infolge unzureichenden Ausbaus chronisch überlastet sind. Dort ist eine freie Geschwindigkeitswahl nicht möglich.

* Über drei Viertel der Fahrleistungen auf Autobahnen werden heute schon bei Verkehrsstärken von mehr als 40 000 Fahrzeugen pro 24 Stunden abgewickelt. Zumindest bei vierstreifigen Autobahnen ist in der Regel bei dieser Verkehrsstärke keine freie Geschwindigkeitswahl mehr möglich.

* Eine Untersuchung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BAst) von Anfang der 1990er Jahre ergab, dass bei rund zwei Drittel der gefahrenen Kilometer die Geschwindigkeit unter dem Richtwert von 130 km/h lag. Seitdem haben die Verkehrsmengen auf Autobahnen jedoch deutlich zugenommen.

Fazit: Der Anteil der Fahrten über 130 km/h dürfte seitdem noch weiter zurückgegangen sein. „Freie Fahrt für freie Bürger“ hat mit der Realität also nichts mehr zu tun.

Tempolimit“ für die Deutsche Umwelthilfe?

Der Verband Mobil in Deutschland sieht daher keinen Grund, die „Phantomdebatte“ um das Tempolimit künstlich weiter zu betreiben. „Die Autobahn ist auf einer Länge von knapp 13 000 Kilometern der zentrale und wichtigste Verkehrsträger in Deutschland. Bewährtes sollte man behalten und nicht vernichten. Ein Tempolimit fordern wir daher für die Deutsche Umwelthilfe und nicht für die deutschen Autofahrer“, so Verbandschefs Haberland.

Von Olaf Majer

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