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Mitteldeutschland Tattoo-Szene wehrt sich gegen drohendes EU-Farbverbot
Region Mitteldeutschland Tattoo-Szene wehrt sich gegen drohendes EU-Farbverbot
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19:45 19.01.2020
Tattoo-Expo in Zwickau: Marc Roy aus Kanada bei der Arbeit. Quelle: Hanna Gerwig
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Zwickau

Das Surren der Tattoonadeln übertönt fast die Rockmusik im Ballhaus „Neue Welt“ in Zwickau. Hier sind am Wochenende zum elften Mal Tattoo-Künstler und -Fans aus aller Welt zusammengekommen. Mitten unter ihnen: Randy Engelhard – spätestens seit der Fernsehserie „Horror TattoosDeutschland, wir retten deine Haut“ einer der bekanntesten Tätowierer der Bundesrepublik.

Die Expo hat der gebürtige Zwickauer, der in seiner Heimatstadt auch ein eigenes Studio betreibt, mittlerweile zum elften Mal organisiert. Zeit für ein langes Gespräch hat er kaum, ständig klingelt sein Handy, er eilt zwischen Besuchern und Ausstellern hin und her. „Ungefähr 80 Tätowierer aus aller Welt sind hier – die Crème de la Crème der internationalen Szene“, erzählt er, als er für einen kurzen Moment zur Ruhe kommt.

Tattoo-Szene zu Gast in Zwickau

Ebenso bunt gemischt sei das Publikum. „Natürlich kommen auch die Leute aus der Umgebung. Aber eben auch der Gast aus Finnland, der sich in Sachsen von einem Tätowierer aus den USA stechen lassen will.“ Später auf der Bühne wird Engelhard davon sprechen, wie stolz ihn die Bekanntheit der Messe macht. Denn schließlich sei Zwickau eben nicht die große Metropole – sondern ein „kleines Städtchen im Nirgendwo“.

Rockmusik und bunte Bilder: Auf der Tattoo-Expo in Zwickau präsentierten Künstler aus der ganzen Welt ihr Können. Im Ballhaus „Neue Welt“ surrten die Nadeln ein ganzes Wochenende.

Dieses kleine Städtchen ist alles, was Marc Roy von Deutschland bisher gesehen hat. Der Kanadier ist zum zweiten Mal für die Expo angereist, schon am Montag wird er sich wieder auf den Weg nach Abbotsford in der Provinz British Columbia machen. „Es ist witzig, ich bin in Berlin am Flughafen angekommen, aber wirklich gewesen bin ich nur hier“, sagt Roy, gibt aber zu, sich auch in Zwickau keine Zeit für Sightseeing nehmen zu können. Seit 22 Stunden arbeitet er – mit kleinen Unterbrechungen – an seinem neuesten Werk: Ein scharf gestochenes Porträt auf dem Rücken einer jungen Frau, die entspannt auf dem Tisch vor ihm liegt. Darunter windet sich ein Schlangenkörper, dessen Farbe zur Mitte von Schwarz zu Lila wechselt.

EU könnte grüne und blaue Farbe verbieten

Motivwünsche wie dieser könnten allerdings in Zukunft zum Problem werden. Denn die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat zwei Farbpigmente für grüne und blaue Tätowierfarbe als gesundheitsgefährdend eingestuft. Die EU-Kommission schlägt nun vor, die Töne Blue 15 und Green 7 nach einer mehrjährigen Übergangsphase zu verbieten. Für die Branche eine Katastrophe, so die kollektive Meinung auf der Expo in Zwickau.

„Damit würden dann 66 Prozent aller zugelassenen Farben wegfallen“, sagt Daniel Rust, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Tattoo (BVT). Denn unter das Verbot würden auch gemischte Töne fallen. „Wir wünschen uns ja eine Regulierung“, sagt der 33-Jährige, der auf der Expo einen Info-Stand betreibt. „Aber eine, die für uns auch sinnvoll ist.“ Bisher gebe es für die betroffenen Pigmente keine Alternative – dafür aber eine große Nachfrage nach bunten Motiven.

Szene wehrt sich mit Petition

Rust befürchtet, dass verstärkt Farben aus dem Ausland zum Einsatz kämen. „Deren Inhaltsstoffe kann man dann kaum noch zurückverfolgen. Für mich liegt darin das weitaus größere Gesundheitsrisiko“, sagt der 33-Jährige. Auf der Tattoo-Expo macht er deshalb mobil und wirbt für eine Online-Petition, die die Farben retten soll. Bis Sonntag-Abend hatten knapp 108 000 Menschen ihre Unterstützung zugesagt.

Auch Randy Engelhard gibt sich auf der Bühne der Tattoo-Expo kämpferisch. „Wir würden ein ganzes Business verlieren“, sagt er. Ein Verbot würde die Professionalisierung der letzten 10 bis 15 Jahre zerstören und die Szene wieder in den Untergrund treiben – denn ans Aufhören würde sicher niemand der Anwesenden denken. Die erfolgreiche Petition zwinge die Bundesregierung aber nun dazu, sich mit der Branche zu befassen, befindet Engelhard: „Wir haben zwar keine Lobby – aber jetzt haben wir ein Sprachrohr“.

 

Von Hanna Gerwig

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