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Mitteldeutschland Studie belegt: Handwerk in Sachsen vor Generationswechsel
Region Mitteldeutschland Studie belegt: Handwerk in Sachsen vor Generationswechsel
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14:24 20.02.2020
Sachsen verfügt bundesweit über die größte Handwerkerdichte. Quelle: dpa/Jan Woitas
Dresden

Etwa 30 Prozent aller Inhaber im sächsischen Handwerk sind über 60 Jahre alt und werden voraussichtlich in den nächsten 10 Jahren den Betrieb schließen oder übergeben. Das geht aus der Studie „Das sächsische Handwerk 2019“ hervor, die am Mittwoch vom sächsischen Wirtschaftsministerium vorgelegt worden ist.

Das Durchschnittsalter der Betriebsinhaber habe sich demnach in den vergangenen zehn Jahren von 46 auf 50 Jahre erhöht. „Das Thema Unternehmensnachfolge wird in den nächsten Jahren rasant an Bedeutung gewinnen“, erklärte dazu Jörg Dittrich, Präsident der Handwerkskammer Dresden laut einer Mitteilung des Wirtschaftsministeriums. Das Handwerk brauche bessere Rahmenbedingungen für die Meisterausbildung und passende Investitionsförderungen, um die Übernahme eines Unternehmens für junge Handwerksmeister attraktiv zu machen, sagte Dittrich.

Dulig will Begeisterung für Handwerk wecken

Mit der größten Handwerksuntersuchung für ein Bundesland beginne in Sachsen die Diskussion zur Zukunft des Handwerks. „Es gilt Stärken zu fördern, Begeisterung zu wecken und Chancen zu ergreifen“, erklärte Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD).

Der Freistaat habe die höchste Handwerksdichte bundesweit. Mit 36.500 Betrieben sei jedes vierte Unternehmen in Sachsen diesem Sektor zuzuordnen. Zudem weise Sachsen bundesweit die zweithöchste Beschäftigtendichte im Handwerk auf: Mehr als 285.000 Menschen seien im Handwerk beschäftigt, das ist jeder siebente Erwerbstätige.

17.000 Betriebe befragt

Die Studie wurde vom Wirtschaftsministerium – unterstützt von den drei sächsischen Handwerkskammern – beim Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen (ifh Göttingen) in Auftrag gegeben. Unter anderem wurden dafür 17.000 Handwerksbetriebe befragt.

Die Gewinnung von Fachkräften sei längst zu einer zentralen Frage geworden, erklärte Dulig. Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung liege ihm daher besonders am Herzen.

Ein Rückgang des Gesamtbestandes an Handwerksunternehmen in Sachsen seit 2008 um rund fünf Prozent sei einerseits kritisch zu begleiten. Bei gleichzeitigem Größenwachstum der Unternehmen – seit 2008 gab es ein Beschäftigtenwachstum um rund zwei Prozent und ein Umsatzplus von über 17 Prozent auf 25,8 Milliarden Euro – kann diese Entwicklung andererseits auch als Chance und Herausforderung gesehen werden, hieß es im Wirtschaftsministerium.

„Dequalifizierungsprozess“ in den letzten Jahren

Meistergeführte Betriebe sind laut Studie nach wie vor ein prägendes Kennzeichen des sächsischen Handwerks, mehr als zwei Drittel der sächsischen Inhaber verfügen 2017 über einen Meisterbrief. Allerdings sei zwischen 2009 und 2017 der Anteil der Inhaber mit Meisterprüfung relativ stark gesunken, was dem Bundestrend entspreche. Neben den Inhabern mit Meisterbrief ist auch der Anteil der akademisch qualifizierten Inhaber zurückgegangen. In den vergangenen Jahren hat sich folglich auf der Inhaberseite des sächsischen Handwerks ein Dequalifizierungsprozess vollzogen.

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Der Trend zu geringeren Qualifikationen zeigt sich auch auf Mitarbeiterebene: Einerseits ist qualifizierte Facharbeit weiterhin prägend für das sächsische Handwerk, andererseits hat der Anteil der An- und Ungelernten seit 2009 relativ stark zugenommen. Dieser kann durch Abwanderungsprozesse in die Industrie und den steigenden Anteil an Gründern ohne Meisterbrief erklärt werden. Die durchschnittliche Qualifikation innerhalb der Betriebe nimmt mit der Größe des Unternehmens zu.

Privatkundenanteil rückläufig

Das sächsische Handwerk ist stark regional-lokal verankert und weist einen unterdurchschnittlichen Exportanteil auf. Im Jahr 2016 entfielen laut Studie 70,1 Prozent des sächsischen Handwerksumsatzes auf einen lokalen Entfernungsradius von 50 Kilometer rund um den Unternehmensstandort. Zwischen 2008 und 2016 habe sich die Regionalisierung der Wertschöpfungsprozesse verstärkt. Ein Erklärungsfaktor sei unter anderem die gute Vor-Ort-Konjunkturlage der sächsischen Handwerkswirtschaft.

Den größten Absatzradius wiesen Handwerke für den gewerblichen Bedarf (ohne Gebäudereiniger) auf. Im Jahr 2016 verteilte sich der sächsische Handwerksumsatz nach Kundengruppen wie folgt: Privathaushalte 36,7 Prozent, Unternehmen 44,9 Prozent, Öffentliche Auftraggeber 18,3 Prozent. Zwischen 2009 und 2016 habe das Privatkundengeschäft im sächsischen Handwerk an Bedeutung verloren, während die Umsatzanteile durch Unternehmenskunden und die öffentliche Hand gestiegen sind.

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Von Ingolf Pleil

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