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Mitteldeutschland Studie: Leipziger Gründer bereuen Schritt zur eigenen Firma zumeist nicht
Region Mitteldeutschland Studie: Leipziger Gründer bereuen Schritt zur eigenen Firma zumeist nicht
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22:34 20.11.2019
Thomas Globig (l.) und Elmar Moser von der Commerzbank Leipzig mit den Ergebnissen der Studie. Quelle: Commerzbank
Leipzig

Sie würden es wieder tun – knapp zwei Drittel der Firmengründer in der Region Leipzig bereuten den Schritt in die Selbstständigkeit nicht, gingen ihn „auf jeden Fall“ noch einmal. Das ist eines der Ergebnisse der jetzt vorgelegten repräsentativen Studie, die die Commerzbank beim Meinungsforschungsinstitut Ipsos in Auftrag gebeben hat. Insgesamt wurden dafür bundesweit 3000 Gründerinnen und Gründer befragt, die sich in den vergangenen sechs Jahren ihre eigene Firma erschaffen haben – davon 100 in Leipzig.

Eine weitere, „wichtige Erkenntnis“, so Elmar Moser, Niederlassungsleiter der Commerzbank Leipzig, „ist die Aussage einer großen Mehrheit, dass die Region ein gründerfreundlicher Standort ist.“ Immerhin sagten dies fast 70 Prozent der Jungunternehmer – vom Freiberufler über den Handwerker bis hin zum Gewerbetreibenden.

Einschätzung deutlich über dem Bundesdurchschnitt

Und dabei lag diese Einschätzung deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Hier schätzten nämlich „lediglich“ 63 Prozent der im Juli und August dieses Jahres Befragten ihren Standort als „sehr gut“ beziehungsweise „gut“ ein. Im Gegenzug ist die Zahl derjenigen, die keinesfalls nochmals die Herausforderungen einer Unternehmensgründung auf sich nehmen würden, verschwindend gering: zehn Prozent in Leipzig, sechs Prozent in Deutschland. Nahezu einig sind sich die Studien-Teilnehmer bei der Antwort auf die Frage nach der größten Hürde, um eine Firma ins Leben zu rufen: die Bürokratie. Mit 40 Prozent in Leipzig beziehungsweise 45 Prozent bundesweit liegen die Werte eng beieinander. Dicht gefolgt von steuerlichen Themen (34/24 Prozent). Auch die Finanzierung ist in der Anfangsphase eine große Herausforderung – das meinten immerhin 28 Prozent in der hiesigen Region und 23 Prozent bundesweit.

Gute Resonanz auf Gründerfrühstück

Dass sich daher viele Hilfe bei Fachleuten suchten, versteht sich fast von selbst. Allerdings „sind die Gründer bei uns stärker beratungsaffin als im Westen“, erklärt Moser. Schließlich holten in Leipzig 70 Prozent der Neu-Firmenchefs einen Steuerberater mit ins Boot (deutschlandweit: 65 Prozent). Unternehmensberater wurden zu 40 (22) Prozent und Rechtsberater zu 37 (24) Prozent einbezogen. „Die Bereitschaft, sich von Experten unterstützen zu lassen, schätzen wir sehr hoch“, meint Thomas Globig, Leiter Unternehmerkunden bei der Leipziger Commerzbank. „Allerdings waren die Banken weniger gefragt“, fügt er bedauernd hinzu – „nur von sieben Prozent“. Der Bundesschnitt lag hier immerhin bei 13 Prozent.

Moser glaubt, dass sich viele vor dem Start natürlich fragen, ob sie mit ihrer Geschäftsidee schon soweit sind, um sich damit einem Geldinstitut zu offenbaren. „Es ist wie es ist“, wirft Globig ein, „wir werden relativ spät in den Prozess eingebunden.“ Um das zu ändern, habe sein Institut zum Beispiel in dieser Woche erstmals ein „Gründerfrühstück bei uns im Haus organisiert“. Die Debatten und der Erfahrungsaustausch unter den zehn Beteiligten sei äußerst intensiv gewesen. „Die Resonanz war toll, solch eine Zusammenkunft schreit regelrecht nach Wiederholung“, freut sich denn auch der Finanzexperte, dessen Bank in der Region Leipzig immerhin 23 000 Firmenkunden betreut.

Hilfe bietet auch Online-Gründerportal

Zudem unterhält das Institut seit einem Jahr ein Online-Gründerportal, auf dem sich potenzielle Jungunternehmer nicht nur einen Überblick über alle wichtigen Aufgaben bei der Einrichtung einer Firma informieren können – also zum Beispiel, was ein Businessplan beinhalten muss, welche Rechtsform am besten passt, wo am günstigsten Geschäftsräume zu finden sind - „etwa im Basislager“, so Moser, das sich direkt gegenüber der Leipziger Volkszeitung befindet und seit 2015 als so genannter Coworking-Space fungiert, in dem sich Startups, Freiberufler und Kreative Schreibtische und Büros mieten können. Zugleich hilft der Commerzbank-Kooperationsparnter „firma.de“ bei den ersten Gehversuchen hin zum eigenen Unternehmen.

Klar ist den Experten, dass heutzutage nicht mehr so sehr „aus der Not heraus“ (Moser) eine Firma geschaffen wird, wie das vielleicht noch in den 1990er-Jahren der Fall war, als nicht wenige den Sprung in die Selbstständigkeit notgedrungen wagten, um die Arbeitslosigkeit hinter sich zu lassen.

Gründerszene in Leipzig jung und weiblich

Interessant an den Studien-Ergebnissen ist übrigens, dass in Leipzig „nur“ 70 Prozent der Firmengründer männlich sind, währenddessen es der Bundesschnitt auf 78 Prozent bringt . „Bei uns gibt es eben mehr weibliche Jungunternehmerinnen“, betont Moser. Und: Knapp ein Fünftel aller Firmenstarter in Leipzig ist jünger als 30 Jahre, knapp die Hälfte jünger als 40. 54 Prozent der Gründer in Leipzig haben ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium absolviert, fast so viele wie deutschlandweit (57 Prozent). Dass natürlich der Reiz, sein eigener Chef zu sein (52 Prozent), etwas Eigenes aufzubauen (50 Prozent) die bedeutendsten Gründe für die Gründer in Leipzig sind, verwundert kaum. Bundesweit betragen diese beiden Aspekte jeweils 47 Prozent. Häufiger spielt der Studie zufolge in der sächsischen Region auch der Drang eine Rolle, eine spezielle Geschäftsidee umsetzen zu wollen – 42 Prozent, bundesweit sind es 39 Prozent.

Von Ulrich Langer

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