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Mitteldeutschland Studie: Jedes vierte Schulkind in Sachsen hat psychische Probleme
Region Mitteldeutschland Studie: Jedes vierte Schulkind in Sachsen hat psychische Probleme
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16:18 05.12.2019
Fast zwei Prozent der sächsischen Schülerinnen und Schüler leiden unter Depressionen und Angstzuständen, wie eine DAK-Studie ergab. Quelle: Peter Steffen/dpa
Dresden

In Sachsens Schulen geht die Angst um. Jedes vierte Schulkind zeigt psychische Auffälligkeiten. Hochgerechnet leiden rund 10 000 Schulkinder im Freistaat unter Ängsten und Depressionen, wie aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit hervorgeht. Die repräsentative Studie der Universität Bielefeld im Auftrag der Auftrag der DAK-Gesundheit nimmt insbesondere die seelische Gesundheit von Jungen und Mädchenin den Fokus. „Wir wollen das Tabu brechen, das psychische Erkrankungen noch immer umgibt“, sagte Christine Enenkel, Leiterin der DAK-Landesvertretung in Sachsen. Kinder mit Sprachstörungen oder ADHS fielen im Unterricht rasch auf. „Ganz anders die Kinder, die in eine Depression hineinrutschen. Sie ziehen sich immer weiter zurück“, warnte Enenkel. Die betroffenen Jungen und Mädchen „leiden lange für sich im Stillen, bevor sie sich jemandem anvertrauen und eine passende Diagnose und Hilfe bekommen“, sagte sie. Wir müssen aufmerksamer werden – ob in der Familie, in der Schule oder im Sportverein – und nachhaltig helfen.“

Mädchen leiden stärker als Jungen

Jüngere Schulkinder fallen am häufigsten durch Entwicklungsstörungen auf, zu denen Sprachstörungen gehören. Seltener, aber besonders aufwendig zu behandeln sind Depressionen. 1,6 Prozent aller DAK-versicherten Schulkinder sind so stark betroffen, dass sie einen Arzt aufsuchen. Mädchen leiden besonders: Sie sind de Studie zufolge dreimal so häufig von Depressionen und fast doppelt so häufig von Angststörungen betroffen wie Jungen.

Mit einer diagnostizierten Angststörung kämpfen 2,2 Prozent aller Schulkinder. Hochgerechnet auf alle Kinder und Jugendlichen in Sachsen entspricht dies knapp 10 000 mit Angststörungen oder Depressionen. „Wir gehen aber von einer wesentlich höheren Dunkelziffer psychischer Auffälligkeiten aus, die nicht diagnostiziert werden“, sagte Julian Witte von der Universität Bielefeld, einer der Autoren der studie. „Wir sehen nur die Kinder und Jugendlichen, die beim Arzt ankommen.“ Für die Schwerpunktstudie wurden die Daten von mehr als 20 000 Mädchen und Jungen im Alter von 10 bis 17 Jahren aus den Jahren 2016 und 2017 ausgewertet.

Interessensverlust im Alltag

Depressionen und Angststörungen zählen nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den schwerwiegendsten Leiden in der Gruppe der psychischen Erkrankungen. Depressionen sind gekennzeichnet durch Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und Interessenverlust. Bei schweren depressiven Episoden haben die jungen Patienten Schwierigkeiten, ihre alltäglichen Aktivitäten fortzusetzen. Sie ziehen sich stark zurück, schaffen es kaum noch, in die Schule zu gehen.

Jugendliche Städter häufiger depressiv

Unterschiede haben die Wissenschaftler zwischen Stadt und Land ausgemacht. In Sachsen leben 53 Prozent der DAK-versicherten Kinder in städtischen Gemeinden. Die Studie zeigt, dass Stadtkinder im Alter zwischen 15 und 17 Jahren häufiger eine diagnostizierte Depression haben als Gleichaltrige vom Land (plus 67 Prozent). Gründe dafür sieht Enenkel in den unterschiedlichen Lebensgewohnheiten und Lebensbedingungen. „Für Stadtkinder existiert aber auch ein dichteres Angebotsnetz an niedergelassenen Fachärzten. Sie bekommen leichter Hilfe und damit auch eine passende Diagnose mit der richtigen Behandlung.“

Chronische Krankheiten steigern Depressionsrisiko

Der Report zeigt erstmals auf Basis von Abrechnungsdaten, wie stark bestimmte Faktoren die Entwicklung eines Seelenleidens beeinflussen. So tragen Kinder mit einer chronischen körperlichen Erkrankung insbesondere im Jugendalter ein bis zu 4,5-fach erhöhtes Depressionsrisiko. Das familiäre Umfeld kann für die Entwicklung eines Seelenleidens ebenfalls ein Faktor sein: Kinder psychisch kranker Eltern sind deutlich gefährdeter (dreifach), selbst eine depressive Störung zu entwickeln. „Erkrankungen der Eltern können für Kinder und Jugendliche eine große seelische Belastung sein“, erklärt Veit Roessner, Ärztlicher Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des Uniklinikums Carl Gustav Carus Dresden. „Daher sind gerade für diese Betroffenen geeignete Präventionsangebote wichtig.“ Der Professor warb für möglichst frühe Untersuchungen durch Kinder- und Jugendpsychiater. „Es ist viel Geld im System, aber es wird zum Teil falsch ausgegeben.“

Meist wochenlanger Krankenhausaufenthalt

Beim Anteil der Jungen und Mädchen mit einer Klinikeinweisung liegt Sachsen etwa im Bundesdurchschnitt (minus 1 Prozent): Knapp jedes zehnte sächsische Schulkind mit einer diagnostizierten Depression wurde 2017 stationär behandelt, und das bedeutend länger als im Bundesdurchschnitt. „Durch einen Krankenhausaufenthalt kommen die betroffenen Kinder für durchschnittlich 59 Tage aus ihrem Schul- und Familienalltag raus. Deshalb müssen wir sie insbesondere nach der Krankenhausentlassung noch besser unterstützen“, betonte Enenkel.

Neue Krankenkassen-Offerten

Um Betroffene nach einer Krankenhausentlassung besser auffangen zu können, startet die DAK-Gesundheit in Sachsen das neue Versorgungsangebot „veo“, das depressiven Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren für drei Jahre eine vernetzte ambulante Versorgung ermöglicht. Das Programm soll Kinder- und Jugendtherapeuten, Psychiatern sowie Haus- und Fachärzten dabei helfen, die ambulante Nachsorge zu verbessern. Zudem sollen Schulpsychologen und Jugendämter einbezogen werden. Das Ziel ist schnelle und unproblematische Hilfe für die betroffenen Kinder – ohne lange Wartezeiten und komplizierte Terminabsprachen.

Gemeinsam mit der Cleven-Stiftung hat die DAK zudem mit fit4future Teens ein neues Programm zum Thema Stressprävention für weiterführende Schulen entwickelt. Außerdem bietet sie Kindern ab zwölf Jahren individuell an, ihre seelische Stärke mit der neuen SoftwareDAK Smart4me“ kostenfrei zu trainieren.

Von Winfried Mahr

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