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Mitteldeutschland Stopp an der Grenze – Wenn Patienten aus dem Rettungswagen müssen
Region Mitteldeutschland Stopp an der Grenze – Wenn Patienten aus dem Rettungswagen müssen
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12:41 31.12.2018
Ben Mangelsdorf, Zentraler Wachbereichsleiter der Falck Notfallrettung und Krankentransport GmbH Spree-Neiße, an einem Grenzpfeiler. Im deutsch-polnischen Grenzgebiet arbeiten Fahnder beider Länder zusammen und Polizisten gehen gemeinsam auf Streife. Aber im Rettungswesen hakt es noch gewaltig. Quelle: Patrick Pleul/ZB/dpa
Guben/Görlitz

Dass eine Staatsgrenze in Zeiten der EU noch ein echtes Hindernis sein kann, hat Ben Mangelsdorf immer wieder erlebt. Das Ganze klingt fast wie eine Posse: Nimmt der Rettungsassistent in Südbrandenburg einen polnischen Patienten auf und fährt Richtung Polen, ist an der Grenze Schluss. Ein polnischer Rettungswagen muss bestellt werden und der Patient umsteigen, wie Mangelsdorf berichtet. Bei der deutsch-polnischen Zusammenarbeit im Rettungswesen ist noch vieles unausgegoren. 2019 soll es etwas besser werden.

An der Neiße-Grenzbrücke, die die Kleinstadt Guben (Spree-Neiße) mit dem polnischen Gubin verbindet, wartete Mangelsdorf nach eigenen Angaben häufig auf die polnischen Kollegen. „Manchmal zwanzig Minuten, manchmal eine Stunde.“ In der Nachbarstadt gebe es keinen Rettungswagen, der Anfahrtsweg sei deshalb länger. In seinem Rettungswagen lagen Patienten mit Brüchen oder mit Herz-Kreislauf-Beschwerden. Lebensgefährliche Notfälle seien aber nie darunter gewesen, betont Mangelsdorf als Zentraler Wachbereichsleiter der Falck Notfallrettung und Krankentransport GmbH Spree-Neiße. „Es ist kein Patient in den letzten Jahren zu Schaden gekommen.“

Die Situation habe sich etwas gebessert, nachdem 2004 die Europäische Krankenversicherungskarte eingeführt worden war. So können polnische Patienten leichter auch in hiesigen Krankenhäusern erstversorgt werden, wie Mangelsdorf erläutert. Doch bei den Transporten heiße es bis heute: Stopp an der Grenze. „Wir fahren nicht rüber.“

Die Fachbereichsleiterin für Ordnung, Sicherheit und Verkehr beim Landkreis Spree-Neiße, Marlies Kulka, bestätigt das. „Das größte Hindernis besteht zur Zeit darin, dass die Rettungsdienste beiderseits der Grenze bei einem medizinischen Notfall nicht in das andere Staatsgebiet zur Rettung fahren dürfen.“

Die rechtliche Basis für die grenzüberschreitende Notfallrettung, die sich je nach Landkreis unterschiedlich darstellt, soll nun verbessert werden. Die brandenburgischen Landkreise Märkisch-Oderland, Oder-Spree, Spree-Neiße und die Stadt Frankfurt (Oder) wollen 2019 eine Kooperationsvereinbarung zum grenzüberschreitenden Rettungsdienst mit der Wojewodschaft Lebuser Land abschließen, wie das Innenministerium in Potsdam mitteilt. „Zwischen den Landkreisen Uckermark und Märkisch-Oderland ist eine vergleichbare Kooperationsvereinbarung mit der Wojewodschaft Westpommern geplant.“

In Sachsen ist nach Angaben des dortigen Innenministeriums auch eine Vereinbarung zwischen dem Landkreis Görlitz und der Wojewodschaft Niederschlesien in einem Abstimmungsprozess. In der ersten Jahreshälfte 2019 sei ein Treffen geplant, um über den Entwurf zu sprechen. Grundlage für diese Vereinbarungen ist ein Rahmenabkommen zwischen Deutschland und Polen aus dem Jahr 2011 über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Rettungsdienst.

Aus Sicht polnischer Experten gibt es bei der Verbesserung der deutsch-polnischen Zusammenarbeit der Rettungsdienste viel zu tun. „Die Frage ist, auf welchem Gebiet es da keine Probleme gibt“, sagt Andrzej Szmit, Leiter der regionalen Rettungsdienststelle in Gorzow Wielkopolski und Berater im Bereich Rettungsdienstwesen der Wojewodschaft Lebus, der Deutschen Presse-Agentur. Bei der Logistik fange es an. So seien die Systeme zur Navigation und Dokumentation der Notfälle in den Fahrzeugen allein auf Polen beschränkt. „Alles jenseits der Oder ist ein weißer Fleck auf der Karte“, kritisiert er. Das System zeigt auf, wie man an einen Unfallort gelangen kann. Befinden sich die polnischen Helfer auf deutscher Seite, so können sie darauf nichts sehen, wie er erläutert.

Inzwischen seien zwar einige Vorschriften zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit eingeführt worden, allerdings ließen sie viele Fragen offen. Als Beispiel nennt Szmit die Versicherung polnischer Kollegen für die Arbeit jenseits der Grenze. „Es ist unklar, wer sie wie versichert, wenn sie drüben im Einsatz sind.“ Auch Regelungen zur Medikamentenvergabe seien unklar. Rettungsassistenten in Polen hätten jeweils weitreichendere Berechtigungen als ihre deutschen Kollegen. Im konkreten Fall wissen sie nicht, ob sie einem Patienten in Deutschland das Medikament geben dürfen, das sie einem Patienten in Polen verabreichen würden, wie Szmit betont.

Bisher halten rechtliche Unklarheiten die polnischen Kollegen im Notfall nicht von Einsätzen in Deutschland ab. „Wir handeln dann einfach, wie es der gesunde Menschenverstand verlangt und bisher hat das funktioniert“, sagt der Experte. Doch dies betreffe lediglich maximal 20 Fälle pro Jahr. Sollte es eines Tages einen großen Unfall mit mehreren Hundert Verletzten geben, stünden die deutsch-polnischen Rettungskräfte vor einem Problem, warnt er.

Auch Sprachschwierigkeiten im Kontakt mit Kollegen und Patienten im jeweils anderen Land seien ein Problem. Dazu werde nun ein deutsch-polnisches Handbuch erarbeitet, sagt Szmit.

Von Sprachbarrieren spricht auch der Notfallmediziner Konrad Meissner von der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Greifswald. Er leitet auch das EU-Projekt „Integrierter grenzüberschreitender Rettungsdienst Pomerania/Brandenburg“, das Verbesserung bringen soll. Im Januar beginnen Sprachschulungen für deutsche und polnische Rettungsdienstmitarbeiter mit einem E-Learning-Programm, wie Meissner ankündigt. Im März soll es zudem eine Konferenz zum Thema Luftrettung in Stettin geben. „Die Luftrettung ist zwischen Polen und Deutschland bisher vertraglich noch überhaupt nicht geregelt“, sagt der Mediziner.

dpa

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