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Mitteldeutschland So war Sachsens Wetter 2018: Dürre in Nordsachsen, Hochwasser im Vogtland
Region Mitteldeutschland So war Sachsens Wetter 2018: Dürre in Nordsachsen, Hochwasser im Vogtland
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22:04 24.01.2019
Am niedrigen Wasserstand der Elbe konnten die Dresdner im vergangenen Sommer in der eigenen Stadt sehen, welche Folge der ausbleibende Regen hatte. Quelle: dpa
Dresden

Das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) und der Deutsche Wetterdienst (DWD) haben in Dresden ihre Wetter- und Klimabilanz 2018 für Sachsen vorgestellt.

Wie heiß war das Jahr 2018 wirklich?

Obwohl die Jahrestemperaturen mit 2,2 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel lagen, blieben die Spitzenwerte im Rahmen des Vorjahres. Ganz vorn diesmal Klitzschen bei Torgau (Kreis Nordsachsen) mit 37,8 Grad, gemessen am 31. Juli. Nur ein halbes Grad kühler war es am gleichen Tag in Leipzig-Holzhausen. Garsebach bei Meißen kam am 8. August auf 36,9 Grad Celsius. In dieser Zeit verströmte der Fichtelberg mit 26,7 Grad Höchstwert schon fast angenehme Kühle. Auch Carlsfeld (Erzgebirgskreis) kam nur auf 28,6 Grad. Das Problem in Sachsen war vor allem die 140 bis 160 Tage anhaltende Hitzewelle. Selbst in den Nächten blieb es mit Temperaturen über 20 Grad Celsius tropisch warm.

Wo schien die Sonne am längsten?

In Hoyerswerda (Landkreis Bautzen) gab es 2151 Stunden Sonnenschein. Nur drei Stunden kürzer schien das Zentralgestirn in Görlitz. Nossen (Landkreis Meißen) erreichte 2120 Stunden, noch vor Dresden (2120). In Zinnwald-Georgenfeld (Erzgebirgskreis) war es mit 1816 Sonnenstunden hingegen am dunkelsten. Auch der Flughafen Leipzig/Halle lag oft unter einer Wolkendecke (1818).

2018 war das trockenste Jahr seit Beginn der Klimaaufzeichnungen. Hat die Trockenheit gleichmäßig in Sachsen zugeschlagen?

Die Kreise Nordsachsen, Leipzig und Bautzen gehörten zu jenen, in denen am wenigsten Niederschläge fielen. Im Vogtland und in Teilen des Erzgebirges dagegen führten die heftigen Regenfälle am 24. Mai nicht nur zum Hochwasser in der Weißen Elster, sondern auch zu großen Schäden an Straßen und Gebäuden. Während also der Niederschlag im Kreis Nordsachsen um 41 Prozent vom langjährigen Mittel abwich, waren es im Vogtlandkreis nur 22 Prozent. Resultat: Bad Elster, Plauen und Oelsnitz bekamen das meiste ab, Coswig (Landkreis Meißen) das Wenigste.

Haben die Niederschläge am Jahresende die Trockenheit am Ende noch ausgleichen können?

Nein. Das Manko, dass es seit Mai sechs Monate hintereinander kaum noch geregnet hat, konnten auch die ergiebigen Niederschläge vor Weihnachten nicht mehr ausgleichen. Damit verbunden waren erneut auch fallende Grundwasserstände vor allem in Nord- und Ostsachsen. An insgesamt 90 Prozent aller sächsischen Messstellen lagen die Stände im Herbst unter dem Durchschnitt. Derzeit sind es immer noch 71 Prozent.

Droht nun Wassermangel?

Vorerst nicht. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern, die nur ein Zehntel ihres Wasserbedarfs aus Talsperren beziehen, werden in Sachsen satte 40 Prozent von dort gedeckt. Diese Speicher waren durch Niederschläge im Winter 2017/2018 und im Frühjahr noch gut gefüllt. So wird die Versorgung mit Trinkwasser durch eine Vernetzung der Talsperren untereinander und durch Überleitungssysteme abgedeckt.

Wütet der Borkenkäfer noch immer in den Wäldern?

Mehr denn je. Sturmtief Friederike im Januar und extreme Trockenheit spielten dem Schädling in die Karten. So fielen seit Herbst 2017 insgesamt 3,2 Millionen Kubikmeter zerstörtes Holz an. Das ist in etwa ein Drittel mehr als insgesamt in einem Jahr in ganz Sachsen gefällt wird. Bis Mai – so sagen es die Prognosen – werden es weitere 0,2 Millionen Kubikmeter werden. Resultat: Der Borkenkäfer entwickelte erstmals drei Generationen in nur einem Jahr.

Wie hoch waren die Ernteeinbußen?

Auch das hing von Region und Sorte ab. Beim Winterweizen beispielsweise lagen die durchschnittlichen Erträge 13 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre, beim Winterraps sogar 19 Prozent. Kartoffeln brachten rund ein Viertel weniger. Dramatisch die Situation beim Ackerfutter (43 Prozent). Nur die Sommergerste blieb konstant. Relativ glimpflich kam der Weinanbau davon: Die Erträge lagen leicht unter dem Vorjahr und der diesjährige Rotwein verspricht, ein guter zu werden.

Welche Gemüsesorten sind besonders betroffen gewesen?

Zum Beispiel Erbsen, Bohnen und Spinat. Auch bei den Zwiebeln fiel die Hälfte der Ernte aus. Durchschnittlich hingegen die Erträge beim Baumobst. Immerhin: Viele Obstarten passten sich offenbar an die hohen Temperaturen und die Witterungsbedingungen an. Die sonst üblichen Sonnenbrandschäden traten nicht im befürchteten Ausmaß ein.

Wie war die Luftqualität in Sachsen?

Der milde Winter hatte durchaus positive Folgen. Laut LfULG wurden die Tagesgrenzwerte für Feinstaub an allen säch­sischen Messstationen eingehalten. Dagegen stieg die Ozonbelastung, die sonst eher ein Phänomen der Höhenlagen des Erzgebirges ist. 2018 wurde der Zielwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit erstmals auch an mehreren Stationen im Tiefland gerissen.

Was sagt all das über den Klimawandel aus?

Nach Meinung der Experten schreitet er in Sachsen voran. Spätestens in den Jahren nach 2050 könnten die Temperaturen von 2018 Alltag werden, prognostizieren sie. Die Auswirkungen des Klimawandels seien sowohl im unmittelbaren als auch im mehrjährigen Witterungsverlauf sichtbar.

Wie wird sich Sachsen dem stellen?

Die Experten kritisieren, dass im Gegensatz zu Stürmen oder Fluten die Gefahr der Trockenheit in der Öffentlichkeit noch unterschätzt wird. Am 4. April wird es zum Thema eine Tagung des Landesamtes in Dresden geben. Außerdem arbeitet der Freistaat an einem „Grundsatzplan Wasserversorgung“ für die Jahre 2020 bis 2030.

Von Roland Herold

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