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Mitteldeutschland So erklärt am Freitag Bischof Rentzing seinen Rücktritt
Region Mitteldeutschland So erklärt am Freitag Bischof Rentzing seinen Rücktritt
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09:47 15.11.2019
Sein Auftritt wird in der Synode am Freitag mit Spannung erwartet: Ex-Landesbischof Carsten Rentzing will sich zu seinen Rücktrittsgründen erklären. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
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Dresden

Dieser Auftritt wird im sächsischen Kirchenparlament mit Spannung erwartet: Der frühere Landesbischof Carsten Rentzing will sich erstmals persönlich zu seinem Rücktritt erklären. Um 9.30 Uhr beginnt in der Martin-Luther-Kirche in der Dresdner Neustadt ein Gottesdienst anlässlich seiner Verabschiedung. Gleich im Anschluss will der 52-Jährige persönlich die Motive für seinen Rücktritt erläutern.

Wegbegleiter des konservativen Theologen erwarten einen sachlichen Auftritt des Ende Oktober zurückgetreten Bischofs: Er werde versuchen, weitgehend emotionslos seine Gründe darzulegen, warum es für ihn keinen anderen Ausweg als seinen Rückzug vom Amt gegeben habe, vermutet ein Vertrauter Rentzings. Öffentlich war Rentzing seit Wochen nicht aufgetreten. Er sei im lange geplanten Jahresurlaub, hieß es offiziell.

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Studententexte in rechtskonservativer Zeitschrift als Rücktrittsgrund

Auslöser des Bischof-Rücktritts waren erst jetzt bekannt gewordene Texte Rentzings, die das sächsische Landeskirchenamt als „elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich“ eingestufte. Rentzing hatte diese Aufsätze als Student in einer rechtskonservativen Zeitschrift in den Jahren 1988 bis 1992 veröffentlicht, die in einer Auflage von etwa 100 Exemplaren erschien. Vor der sächsischen Kirchenleitung hatte Rentzing nach Bekanntwerden der Texte intern erklärt, er hätte sie verdrängt gehabt. Er schäme sich für das, was er damals geschrieben habe.

Was hat Rentzing als Student geschrieben? Hier geht’s zu einer ausführlichen Betrachtung seiner Texte.

CDU-Politiker: „Unerträgliches Kesseltreiben“

Öffentlich hatte Rentzing sich bislang nur schriftlich erklärt und sich dabei vor allem gegen politische Vereinnahmungen gewehrt. So schrieb er: „Versuche der politischen Instrumentalisierung meiner Person von links und vor allem rechts weise ich entschieden von mir. Sie schaden dem Evangelium meines Herrn Jesus Christus.“ Er spielte damit vor allem auf ein Statement des sächsischen AfD-Chefs Jörg Urban an, der die Beliebtheit Rentzings bei Teilen der Kirchenmitglieder mit dessen „Verweigerung des linksgrünen Kurses der Evangelischen Kirche in Deutschland“ erklärte. Auch CDU-Politiker hatten Rentzing öffentlich den Rücken gestärkt. So hatte der nordsächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt ein „unerträgliches Kesseltreiben“ gegen Rentzing kritisiert.

Die sächsische Landessynode will sich nun auf ihrer Tagung in Dresden mit dem Rücktritt des sächsischen Landesbischofs Rentzing ausführlich beschäftigen. An zwei Abenden soll das Thema im öffentlichen Plenum zur Sprache kommen, wie das Landeskirchenamt mitteilte.

Zwei Petitionen zum Fall Rentzing

Der Fall Rentzing hatte die Spaltung der Landeskirche forciert. In einer Online-Petition hatten Leipziger Christen eine Distanzierung des Bischofs „von den neuen Rechten“ gefordert, Initiatoren einer anonymen Pro-Rentzing-Petition indes von einer „Schmutzkampagne“ gesprochen und den Verbleib Rentzings im Bischofsamt gefordert. Die Synode will, ausgehend von einer Bestandsaufnahme, über das künftige Miteinander in der Landeskirche diskutieren und zudem Erwartungen an das künftige Oberhaupt formulieren, sagt Kirchensprecher Matthias Oelke. Die Bischofswahl ist für den 29. Februar/1. März 2020 terminiert, die Kandidaten sollen im Januar feststehen.

Austritts-Drohungen erreichen Landeskirche

Die Synode will mit Blick auf die gefährdete Einheit der Landeskirche auch über Konsequenzen für das künftige Handeln beraten, Orientierung für ein friedliches Miteinander geben und klar definieren, was rechtsextrem und was wertkonservativ ist. „Es geht um den inneren Frieden, der nachhaltig gestört ist durch verbale Aufrüstung“, sagt Oelke. Er berichtet von „stapelweise“ Post im Verhältnis 10 zu 1 pro Rentzing, wobei auch mit Austritt gedroht oder Vollzug angegeben werde. „Genaue Zahlen dazu gibt es nicht.“

Von Olaf Majer / epd / dpa