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Mitteldeutschland Sechs Irrtümer bei großer Hitze – diese Tipps helfen
Region Mitteldeutschland

Sechs Irrtümer bei großer Hitze – diese Tipps helfen

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09:15 08.08.2020
Viel trinken hilft viel? Nicht alle weit verbreiteten Tipps helfen an Hitzetagen wirklich. Quelle: Wolfgang Kumm/dpa
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Leipzig

Tropische Nächte, stechende Sonne schon am Morgen und bis zum Abend kein Freibad in Sicht: Was tun an Hitzetagen? Weit verbreitet sind Tipps wie: Ganz viel trinken, eiskalt duschen, Mittagshitze und Kaffee meiden. Aber stimmt das wirklich? Zusammen mit Diplom-Meteorologen Dominik Jung vom Portal wetter.net klären wir die sechs größten Hitze-Irrtümer auf.

Irrtum 1: Eiskalt duschen und Schlafanzug ins Gefrierfach

„Also, ich gebe zu: Ich mache nach heißen Tagen genau das vor dem Schlafen gehen“, räumt Wettermann Dominik Jung ein. Falsch ist es trotzdem, vor allem tagsüber. “Wird der Körper zu kühl, verwendet er wieder sehr viel Energie um sich aufzuwärmen“, so Jung. Heißt: Die „Eisdusche“ regt den Kreislauf so stark an, dass der Blutdruck in die Höhe schießt, die Gefäße ziehen sich zusammen. Die Folge: Man schwitzt dann umso mehr.

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Besser: Kalt-heiße Wechselduschen. Und aufs Abtrocknen verzichten. Auch ein nasser Lappen auf dem Gesicht kann zwischendurch erfrischen. Vom Trick, den Schlafanzug ins Gefrierfach zu legen, hält der Schlafforscher Alexander Blau von der Berliner Charité übrigens gar nichts: Es droht dann sogar eine Unterkühlung, sagte er der „Apotheken-Rundschau“. Besser sei der Wechsel auf möglichst dünne Bettwäsche und atmungsaktive Schlafsachen.

Irrtum 2: Durchzug hilft, aber macht krank

Durchzug – das fühlt sich leider nur kühl auf unserer Haut an“, sagt Jung. „Aber in Wahrheit lässt man dann super gut die warme Luft den ganzen Tag von draußen zu sich in die Hütte strömen.“ Falsch ist aber auch die verbreitete Annahme, durch Durchzug bekäme man Schnupfen, Grippe oder Schlimmeres. Meteorologe Jörg Kachelmann wettert gar gegen die „Durchzugslüge“. Mediziner sehen lediglich die geringe Gefahr, durch dauerhaft kühlen Luftzug auf schweißnasser Haut einen „steifen Nacken“ zu bekommen.

Besser: Nur am frühen Morgen alle Fenster auf und lüften. „Um den Sonnenaufgang herum, da ist es am kühlsten“, empfiehlt Dominik Jung, „dann wieder alles zumachen, Rollladen runter und gut ist. Fühlt man sich zwar wie im Keller, bleibt aber meist kühl.“ Im schlecht gedämmten Dachgeschoss hilft das dagegen nicht: Hier kommt man tatsächlich nur mit dauerhaft Durchzug und dem Ventilator auf Höchststufe durch den Hitzetag.

Irrtum 3: Ganz viel trinken hilft viel

Trinken ist gut – aber zu viel kann auch schädlich sein. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung warnt davor, zu viel auf einmal zu trinken. Die Folge können Beschwerden des Magen-Darm-Traktes sein. Und: Bei zuviel Flüssigkeitsaufnahme in kurzer Zeit kann sich das Blut zu sehr verdünnen und die Salzkonzentration sinkt. Folgen können Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen sein. Vor allem Ausdauersportler sollten darauf achten.

Besser: Auf das eigene Durstgefühl achten. Die These: „Wer erst trinkt, wenn er den Durst spürt, ist zu spät dran“ ist Unfug. Man muss also nicht den ganzen Tag an seiner Wasserflasche nuckeln. Als gesundes Trinkmaß gilt: 1,5 Liter Flüssigkeit über den Tag verteilt an normalen Tagen – bei Hitze maximal das doppelte. Allerdings hängt auch das ab von der Tätigkeit: Wer im klimatisierten Büro sitzt, braucht meist nicht mehr Flüssigkeit als an normalen Tagen. Bei älteren Menschen wiederum sinkt das Durstgefühl – sie sollten an heißen Tagen besser etwas mehr als normal trinken.

Irrtum 4: Kalte Getränke ja, Alkohol und Kaffee nein

Dominik Jung rät von Getränken aus dem Gefrierfach ab: „Wenn wir eiskaltes Wasser runterschütten, versucht der Körper das auf Körpertemperatur zu bringen und braucht dabei Energie und wir schwitzen noch mehr.“

Besser: Normal temperierten Tee oder Säfte trinken, Zimmertemperatur reicht aus. Entwarnung gibt es dagegen für alle, die sich bisher ihr Radler am Abend verkneifen. In Maßen ist Alkohol auch an Hitzetagen durchaus erlaubt. Kleine Einschränkung: Pro halbem Liter Radler einen halben Liter Wasser dazu trinken. Oder Wein besser gleich als Schorle. Denn zuviel Alkohol entzieht dem Körper Wasser. Von der Verbotsliste kann ebenso der Kaffee gestrichen werden: Dass Kaffee dem Körper ganz viel Wasser entzieht, ist ein unsinniger Mythos.

Irrtum 5: Die Mittagshitze meiden!

Die Mittagshitze-Warnung ist ein beliebter aber falscher Klassiker in vielen Wettermeldungen. Den sich Meteorologe Dominik Jung so erklärt: “Mittags steht die Sonne am höchsten, die Sonnenbrandgefahr ist dann tatsächlich enorm hoch.“ Doch für Hitzeempfindliche ist vielmehr der späte Nachmittag ein Tabu. „Am wärmsten wird es an einem Hochsommertag meist erst gegen 17 bis 18 Uhr. Dann wird der Topwert des Tages erreicht und es ist echt heiß! Mittags können es dagegen noch gut und gerne fünf bis acht Grad weniger sein“, so Jung.

Besser: Sportaktivitäten in die frühen Morgenstunden legen. Mittags nie ohne Sonnenschutz rausgehen. Und am Abend Füße hochlegen und unterm Sonnenschirm oder im Freibad entspannen. Mit Getränken – aber nicht zu viel und nicht schockgefrostet (siehe Irrtum 3 und 4).

Irrtum 6: Im Schatten holt man sich keinen Sonnenbrand

Eine gefährliche und bisweilen schmerzhafte Annahme, meint Wettermann Jung. „Es gibt auch eine sogenannte Schattenbräune. Im Schatten kann man durchaus 30 bis 40 Prozent der UV-Strahlen abbekommen, durch Partikel in der Luft werden die abgelenkt und kommen auch im Schatten bei uns an. Besonders für Kleinkinder und deren Haut ist das durchaus gefährlich.“ Das gilt übrigens auch im Wasser: Einen halben Meter unter der Wasseroberfläche kommen noch bis zu 60 bis 80 Prozent der UV-Strahlen an. Zudem verbrennt nasse Haut schneller als trockene. Besonders tückisch: Da beim Schwimmen das Wasser die Haut kühlt, merkt man die Sonne oft erst, wenn der Rücken bereits rot ist.

Besser: Auch im Schatten unbedingt mit Sonnenschutz eincremen. Die gute Nachricht: Auch im Schatten wird man braun, es dauert nur länger. Beim Baden wasserfeste Sonnenschutz-Produkte verwenden. Und Kindern – besonders bei ausgedehnten Badeurlauben – Schwimmkleidung mit UV-Schutz anziehen.

Von Olaf Majer