Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Schönebecker „Corona Drive-in“
Region Mitteldeutschland Schönebecker „Corona Drive-in“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:16 17.03.2020
„Corona Drive In“ ist in Schönebeck (Sachsen-Anhalt) auf einem Schild an einer Zufahrt zu einem Parkplatz zu lesen. Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Anzeige
Schönebeck

Das Wohnmobil hat ein Kumpel, den Parkplatz die Stadt Schönebeck zur Verfügung gestellt – und auch der Baustrom fließt. An der Straße stehen seit Montag Schilder und weisen auf das „Corona Drive-in“ hin, in dem sich Menschen mit Symptomen testen lassen können, geschickt von Gesundheitsämtern und Hausärzten. Der Mediziner Robin John hatte die Idee, das Wohnmobil eines Bekannten zu einer Fieberambulanz unter freiem Himmel zu machen. Dort können Menschen kontaktlos getestet werden, Schutzmaterial ist schließlich höchst knapp.

Der Schönebecker „Corona Drive-in“

Überall im Land entstehen derzeit solche Fieberambulanzen, um die Infizierten auszumachen und die weitere Verbreitung des Virus’ soweit wie möglich einzudämmen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) arbeite mit allen Kräften daran, diese Stellen so schnell wie möglich aus dem Boden zu stampfen, sagt Mathias Tronnier, Geschäftsführender Vorstand der KV. Es gehe darum, auf die Schnelle Personal zu finden – vom Arzt bis zur Helferin –, außerdem Räume und Material. Auch Ruheständler würden derzeit aktiviert. Es seien unkonventionelle Lösungen gefragt.

Anzeige

Sogar Auto aus Hamburg

Auf dem Parkplatz unweit des Kurparks reihen sich am Dienstag die Autos aneinander. Viele kommen aus der Region, aber auch ein Hamburger und ein Saarbrücker Kennzeichen sind darunter. Im Wohnmobil sitzt eine Studentin, die via Wechselsprechanlage die Daten der Menschen in den Autos abfragt: Von wem wurden Sie geschickt? Welche Symptome haben Sie? Waren Sie in einem Risikogebiet?

Patienten machen Abstrich selbst

Die Versichertenkarte stecken die Patienten selbst in ein Lesegerät, das in einem schnell zusammengebauten Holzkasten untergebracht ist. Auch den Abstrich nehmen die Patienten selbst vor, aus Rachen und Nase. Anders als im Drive-in der großen Fast-Food-Ketten reicht hier niemand etwas aus dem Fenster heraus. Es gibt keinerlei Kontakt zu Menschen, die möglicherweise Corona-Infizierte sind.

75 Abstriche am ersten Tag

Schon am ersten Tag haben Hausarzt Robin John und sein kleines Team 75 Abstriche genommen. Bei niemandem wurde der Erreger Sars-CoV-2 festgestellt, bei einem eine Influenza. Der Ansturm sei größer als erwartet, sagt der 39 Jahre alte Mediziner. Eigentlich habe er nur zweieinhalb Stunden am Vormittag und zwei Stunden am Nachmittag öffnen wollen. „Dann haben wir die Mittagspause aber doch durchgemacht.“

Von Dörthe Hein