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Mitteldeutschland Sächsische Wahlplakate in der Stilkritik – Experte bewertet Inhalt und Design
Region Mitteldeutschland Sächsische Wahlplakate in der Stilkritik – Experte bewertet Inhalt und Design
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19:19 28.07.2019
Ausschnitte aus den Wahlplakater der verschiedenen Parteien. Quelle: LVZ
Leipzig

Der Landtagswahlkampf um die Sitze im künftigen sächsischen Parlament kommt ins Rollen. Wer es nicht längst in den Medien und sozialen Netzwerken mitbekommen hat, kommt auch an Werbetafeln und Lichtmasten mit knalligen Botschaften der einzelnen Parteien vorbei. Werbeprofis und freiwillige Plakatetrupps geben alles, damit die teuren Kampagnen beim potenziellen Wahlvolk auch die gewünschte Wirkung entfalten.

Auffallen, abgrenzen, Eindruck hinterlassen - darum geht es den meisten Wahlkämpfern, damit zur Wahl am 1. September die Kreuze an der richtigen Stelle gemacht werden. So lässt sich die sächsische Linke ihren Wahlkampf mit rund 60.000 Plakaten rund 700.000 Euro kosten, der CDU im Freistaat ist die Kampagne sogar mehr als das Doppelte (1,5 Millionen Euro) wert. Ob der Funke auch wirklich überspringt, fragten wir den Kommunikationswissenschaftler Prof. Patrick Donges von der Universität Leipzig. Er hat sich einige Plakate der aussichtsreichsten Parteien mal genauer angesehen. Hier seine Stilkritik:

Christdemokraten in trauter Familienrunde

Wahlplakat der CDU zur Landtagswahl 2019. Quelle: CDU

Die Darstellung glücklicher Familien auf Wahlplakaten ist ein Klassiker. Sie drückt Bürgernähe und Bodenständigkeit aus, konkreter werden muss man meist nicht. Hier sind es drei Generationen bei einer sommerlichen Runde Kaffee und Kuchen im Garten. Dazu ein Gast, der mit Anzug und Krawatte overdressed erscheint. Das Bild wirkt auf den ersten Blick sehr schön fotografiert: Die Bäume links oben unterstreichen die starke Präsenz des Grüns als Landesfarbe Sachsens. Auch taucht der Begriff Sachsen beziehungsweise sächsisch dreimal auf. Sachsen = CDU, das soll die Botschaft sein.

Bei einem genaueren Blick stellen sich allerdings Fragen: Wer spricht eigentlich gerade? Der kleine Junge rechts, dem sich die Frau und der Ministerpräsident zuwenden, das Mädchen aber nicht? Oder Herr Kretschmer, der mit der rechten Hand eine erklärende Geste macht?

Linke fordern Geduld des Betrachters

Wahlplakat der Linken zur Landtagswahl 2019. Quelle: Linke

Ein zentrales Wort „Sicherheit“, das durch die beiden ungewohnten Umbrüche dennoch schwer mit schnellem Blick zu erfassen ist. An sich ist Sicherheit kein Begriff, den man sofort mit der Partei Die Linke verbindet, abgesehen von der sozialen Sicherheit.

Um die geht es hier jedoch nicht, sondern um „Versorgung, Ärzte, Breitband“. Die Auswahl wirkt beliebig und lässt den Betrachter etwas ratlos zurück. Man sucht einen Zusammenhang zwischen den Begriffen, wie bei einem Ratespiel. Nur schwer mit einem Blick zu erfassen sind auch andere Plakate der Serie: „BEHU TSAM KEIT“ (Bienen, Wald, Boden), „WELT FRI EDEN“ (Dialog, Respekt, Anerkennung) oder „WIDE RS TAND“ (Mietwucher, Verdrängung, Überwachung).

Liberale erzeugen Krimi-Stimmung

Wahlplakat der FDP zur Landtagswahl 2019. Quelle: FDP

Der schwarze Hintergrund wirkt auf einem Wahlplakat irritierend. Die Freien Demokraten hatten sich zuletzt mit der Konzentration auf Schwarz-Weiß-Fotos von der Konkurrenz abzusetzen versucht, hier wirkt es übertrieben. Erinnert an den Umschlag eines Sachbuches oder Fernsehkrimis.

Der verschachtelte Slogan ist viel zu kompliziert, als dass man ihn beim Vorbeigehen oder gar Vorbeifahren erfassen könnte. Wieso wird hier an den Glauben appelliert und ein Rätsel formuliert? Es braucht Zeit, bis das Auge beim Namen des Kandidaten und den nachfolgenden Informationen in der Unterzeile angekommen ist, zumal auch die Unterschrift im Vergleich sehr groß wirkt.

Grüne mit moderner Sonnenblume und Klima-Protest

Wahlplakat der Grünen zur Landtagswahl 2019. Quelle: Bündnis 90 / Grüne

Die Grünen wollen ihre Aussagen entschlossen auf den Punkt bringen. Die Partei hat es mit ihren Plakaten inzwischen allerdings schwer, weil bereits die CDU die Farbe Grün dominant einsetzt und das Magenta auch von der FDP benutzt wird. Daher muss eine modernisierte Variante der Sonnenblume wieder ran. Dieses Plakat versucht, an die Fridays for Future Proteste anzuschließen. Die Botschaft wirkt durch die Großbuchstaben geradezu herausgeschrien, dadurch in diesem Fall aber auch mit einem Blick erfassbar und klar verständlich.

Bei anderen Motiven der Serien wie „WER SACHSEN SAGT, MUSS AUCH SÄCHSINNEN SAGEN.“ ist das schon schwieriger. Was hier wie auch bei anderen Parteien auffällt ist die häufige Verwendung des Punktes: Du musst es nur wählen PUNKT Das machen wir PUNKT Für Sachsen PUNKT Hort und Kita kostenlos PUNKT Die Linke PUNKT - ein grammatikalisch nicht immer richtiger Versuch, Entschlossenheit zu demonstrieren.

SPD rückt Dulig in den Vordergrund

Wahlplakat der SPD zur Landtagswahl 2019. Quelle: SPD

Ähnlich wie Familien sind auch Kinder ein Klassiker für Wahlplakate. Viel falsch machen kann man da nicht. Hier wird das Motiv zudem mit einer konkreten Botschaft verbunden. Ein schönes Bild, das Nahbarkeit ausdrückt. Die SPD als Partei tritt in den Hintergrund: Das Logo wirkt rechts oben fast versteckt und ist mit weißer Schrift auf hellem Grund ungünstig abgebildet. „Martin Dulig“ ist kontrastreicher und als Botschaft wichtiger.

Dazu passt der Text „was mir am Herzen liegt“. Nicht „uns“, der Partei. Zur Bundestagswahl 2013 hatte die SPD noch mit dem Slogan „Das Wir entscheidet“ geworben, jetzt konzentriert sie sich ganz auf den Spitzenkandidaten. Sogar das Rot wirkt blasser, als man es von der SPD gewohnt ist.

AfD mit irritierenden Bildquellen

Wahlplakat der AfD zur Landtagswahl 2019. Quelle: AfD

Die AfD ist in der Branche bekannt dafür, dass sie Bildmotive gerne aus allgemeinen Datenbanken bezieht und nicht selbst produziert. So auch hier: Das Bild dieses glücklichen Paares ist mit wenig Aufwand auf vielen Internetseiten zu finden, die sich mit dem Thema Schwangerschaft beschäftigen. Im Original trägt die Frau ein Tattoo am Handgelenk, das für das Wahlplakat aber wegretuschiert wurde. Zuletzt wurde mit dem Bild für eine Fruchtbarkeitsklinik in Atlanta (USA)  geworben, die sich laut ihrer Webseite explizit auch an LGBT-Paare richtet (LGBT: lesbisch, schwul, bisexuell und transgender). Sicher „natürlich…“, von der AfD aber möglicherweise anders gemeint.

Von Winfried Mahr

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