Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Mitteldeutschland Sächsische SPD erinnert an Hans-Jochen Vogel
Region Mitteldeutschland

Sächsische SPD erinnert an Hans-Jochen Vogel 

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:43 26.07.2020
Der frühere SPD-Chef Hans-Jochen Vogel ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 94 Jahren in München nach langer Krankheit. Quelle: Tim Brakemeier/dpa
Anzeige
Dresden

Sachsens SPD hat den ehemaligen Parteichef Hans-Jochen Vogel gewürdigt. Er war am Sonntag nach langer Krankheit im Alter von 94 Jahren gestorben. „Mit Hans-Jochen Vogel verliert die Sozialdemokratie einen ganz Großen. Sein Tod macht mich betroffen“, erklärte der sächsische SPD-Vorsitzende Martin Dulig.

In der politischen Landschaft der Bundesrepublik sei Vogel für seinen Kampf für mehr soziale Gerechtigkeit und für ein vereintes Europa hoch anerkannt: „Und als gutes Gewissen mit unerschütterlichen moralischen Grundsätzen war er in der SPD bis ins hohe Alter eine der prägendsten Persönlichkeiten. Die SPD hat ihm viel zu verdanken.“

Anzeige

Jüngstes Stadtoberhaupt einer deutschen Großstadt

Mit 34 Jahren wurde der 1926 in Göttingen geborene Hans-Jochen Vogel Oberbürgermeister in München - und damit jüngstes Stadtoberhaupt einer deutschen Großstadt. Die 4444 Amtstage an der Isar prägten Vogel stärker als spätere Stationen. Er trug dazu bei, die Olympischen Spiele 1972 nach München zu holen. Wegen heftiger Auseinandersetzungen mit der SPD-Linken warf der damalige Vertreter der Parteirechten das Handtuch und ging in die Bundespolitik.

Die Karriere von Hans-Jochen Vogel war gezeichnet von vielen Glanzpunkten, aber auch Niederlagen: Bundesbau- und Bundesjustizminister, für knapp vier Monate Regierender Bürgermeister in Berlin, SPD-Partei- und Fraktionschef - und Kanzlerkandidat. Doch da unterlag er Helmut Kohl.

Bis zu seinem Tod diskutierte er – auch über aktuelle politische Fragen

In der SPD galt Vogel zeitlebens als gutes Gewissen mit unerschütterlichen moralischen Grundsätzen. Abgesehen vom großen Thema “soziale Gerechtigkeit” trieb Vogel bis ins hohe Alter aber noch ein anderes Problem um: der drohende Zerfall Europas. Schon als der Austritt Großbritanniens aus der EU sich erstmals abzeichnete, sagte Vogel, dass 70 Jahre Frieden in Europa nur durch die Überwindung des Nationalismus möglich geworden seien.

Seine Parkinson-Erkrankung hatte Vogel erst wenige Jahre vor seinem Tod öffentlich gemacht, bis zuletzt lebte er mit seiner Frau Liselotte in einer Seniorenresidenz in München. Hier ließ er sich - sofern es seine Gesundheit zuließ von Freunden - von Journalisten und auch Parteifreunden besuchen.

Mit ihnen diskutierte er dann auch gerne über hochaktuelle Fragen wie die Flüchtlingskrise oder die Gefahren, die rechten Strömungen ausgehen. Wer Vogel erreichen wollte, der brauchte aus heutiger Sicht viel Geduld - bis zu seinem Tod verschmähte er Handy und Computer.

Von RND/dpa